03. Dezember 2018

Ich bleibe draussen

Bänz Friedli verlor die Nerven. Hier kannst du dich mit ihm oder anderen Leser(inne)n austauschen und die vom Autor selbst gelesene Hörkolumne herunterladen.

Hopp-Schwiiz-Fanschal
Es ist ja nur – Hopp Schwiiz!

«Es ist ja nur Frauenfussball.» Wie ich den Satz hasse! Schwärme ich davon, wie Lara Dickenmann ein Tor erzielt hat, schränkt Ruedi raunend ein, es sei nur Frauenfussball. Nie würde jemand sagen, es sei bloss Frauenleichtathletik, wenn Mujinga Kambundji rennt, nie würde jemand Belinda Bencics Leistung mit der Bemerkung schmälern: «Ist halt nur Frauentennis.» Einzig beim Fussball wird die blöde Unterscheidung gemacht, dauernd.

Oh ja, es gibt einen Unterschied. Männliche Spitzenfussballer sind mehrheitlich überbezahlte, von jeglicher Realität entfremdete Schnösel, Fussballerinnen hingegen meist schlaue Persönlichkeiten, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Als der Präsident des FC Zürich das Budget des Frauenteams – x-fache Meisterinnen, regelmässige Champions-League-Teilnehmerinnen – im Sommer um ein Drittel kürzte, weil es ja nur Frauenfussball ist, gaben die Spielerinnen schlagfertig zurück: «Wir haben ja schon bisher kein Geld bekommen – es kann also nicht weniger werden.»

Wenn der FC Aarau von seinen Frauen, statt ihnen zum Aufstieg in die höchste Spielklasse zu gratulieren, 10 000 Franken Gebühr dafür verlangt, dass sie den ehrwürdigen Namen «FC Aarau» tragen dürfen; wenn der Fussball-Chef des «Blicks» sich nicht entblödet, in einem Videokommentar zu fordern, man müsse «die Nati» – gemeint ist das Nationalteam der Männer – «trennen von unwichtigen Ressorts wie Frauenfussball»; wenn bei der Jubiläumsfeier des FC Basel die Nationalliga-A-Spielerinnen Tombolalose verkaufen müssen und es für sie statt des Mehrgängers, den sich ihre männlichen Kollegen im Festsaal munden lassen, bloss ein Sandwich im Nebenraum gibt: Dann steckt stets die Haltung dahinter, es sei halt nur Frauenfussball.

Im Herbst reiste ich als Fan des Schweizer Frauenteams nach Glasgow. Nach dem Spiel wollte ich, hungrig und müde, einfach nur etwas essen und dann ab ins Hotelbett. Einen schwarzen Windstopper trug ich, Jeans, Turnschuhe. «Unzip your jacket!», forderte der Türsteher des ersten Lokals mich mehrmals auf. Nachdem ich seinen schottischen Akzent endlich verstanden hatte und den Reissverschluss meiner Jacke geöffnet, kam das rote Schweiz-Leibchen zum Vorschein, das ich darunter trug, und er wies mich weg. Nächster Pub, gleiches Szenario. Auch vor dem dritten Restaurant hiess es: «No Football colours!», dem Mobiliar zuliebe. Da verlor ich die Geduld. Wegen meiner Wenigkeit entbrenne doch keine Keilerei, flehte ich um Einlass, ausserdem hätten die Schottinnen ja gewonnen. Der Kerl blieb stur, und dann sagte ich diesen Satz, für den ich mich sogleich hasste: «Come on! Es ist doch nur Frauenfussball …»

Die Hörkolumne (MP3)

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