28. Oktober 2018

Horrorfilme: Grusel will gelernt sein

Kaum ein Filmgenre polarisiert wie der Horrorfilm. Auch auf der Redaktion des Migros-Magazins. Wir haben Erfahrungsberichte und die besten Streifen gesammelt.

Redaktion auf dem Sofa
Die Redaktion des Migros-Magazins schaut gemeinsam einen Horrorfilm.

Frittierte Auberginen gegen die Angst

«Schaue ich einen Dokumentarfilm über die Serengeti, komme ich ins Schwitzen, wenn sich ein Leopard der Antilopenherde nähert. So war ich schon immer. Und doch habe ich als 14-Jährige den heute als Horrorklassiker geltenden ‹Tanz der Teufel› mehrmals gesehen, als er noch verboten war. Die Frage ‹warum?› ist schnell beantwortet: Ich war verliebt. Er hatte dichtes lockiges Haar, so dunkel wie sein liebstes Filmgenre. Heute vermeide ich Horrorfilme, schaue aber immerhin Serien, die bisweilen spannungsgeladener sind als Antilopendramen. Wird es mir zu viel, ziehe ich ein Kochbuch aus dem Regal und vertiefe mich in Rezepte. Frittierte Auberginen und sautierte Eierschwämmli beruhigen mich sehr.»
Monica Müller (44), Redaktorin, Sofa-Mitte

Anruf des Grauens

«Vor einigen Jahren sah ich mir im Kino ‹The Ring› an. Für alle, die diesen Streifen nicht kennen: Es geht um ein böses Mädchen, das in einem Ziehbrunnen ertrunken ist und nun als Gespenst unschuldige Menschen terrorisiert. Es kündigt ihnen mit einem Telefonanruf den Tod an, einige Tage später kommen die Opfer auf grässliche Weise ums Leben. Wer schlecht erreichbar ist, entgeht seinem Schicksal trotzdem nicht: Auch eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter reicht aus, um das Unheil in Gang zu setzen.

Als ich aus dem Kino kam, war die Stadt in dicken Nebel gehüllt – die Leute auf den Trottoirs sahen aus wie graue Gespenster. Ich fuhr mit dem Tram heim und schloss die Tür zu meiner Wohnung auf, in die ich gerade erst eingezogen war. Ich fand den Lichtschalter nicht sofort. Aber in der Dunkelheit blinkte die rote Lampe meines alten Anrufbeantworters. Als ich auf die Taste des Geräts drückte, hörte ich eine unheimlich krächzende Frauenstimme. Es dauerte eine Weile, bis ich die Nachricht endlich verstand: Es war eine schwer erkältete Kollegin, die eine Verabredung absagen musste.»
Michael West (54), Redaktor, ganz links

Der Schrei im Kino

«Wer mich kennt, weiss: Ins Kino muss man nicht mit mir. Essen gehen, trinken, einkaufen – ja, womöglich macht mir sogar der Frühlingsputz mehr Freude. Ich bin nämlich bei Filmen äusserst inflexibel, was das Genre betrifft. Komödien gehen. Und Romanzen. Alles andere löst bei mir Herzrasen aus. Warum ich mehr Rosamunde Pilcher als Agatha Christie bin, weiss ich auch nicht genau. Aber in der Öffentlichkeit würde ich einen toughen Film jedenfalls nie mehr schauen – nicht nach meinem traumatisierenden Erlebnis an der Pressevisionierung von ‹Sennentuntschi› um 9 Uhr morgens.

Erinnern Sie sich an die Szene, in der plötzlich die blutige Hand über die Scheibe rutscht? Ich habe damals mitten im Kino laut losgeschrien. Neben mir sass niemand geringerer als Wolfram Knorr, der Überfilmkritiker.
Yvonne Zurbrügg (34), Redaktionsleiterin, 2. von rechts

Ab und zu lieber mit Licht

«Ich schaue diese Filme schon seit meiner Jugend und bin relativ abgebrüht. Was auch daran liegt, dass die Geschichten meist ähnlich erzählt werden und Schockmomente mich nur noch ausnahmsweise überraschen können – umso cooler, wenn es doch mal wieder passiert wie kürzlich bei ‹Hereditary›. Ich bevorzuge aber klar übernatürlichen Horror; mit explizit gezeigter, real wirkender Gewalt habe ich zunehmend Mühe. Da schaue ich dann auch mal kurz weg oder verzichte gleich ganz. Bei Filmen, in denen irgendwas Gefährliches im Dunkeln lauert, funktioniert der Gruseleffekt erstaunlicherweise bis heute bestens. Sehe ich so was allein zu Hause, schalte ich meist in einem Nebenraum das Licht ein. Sicher ist sicher.»
Ralf Kaminski (49), Redaktor, rechts

Zombies – oder wie ich lernte, den Grusel zu lieben

«Mit zehn hatte ich wegen ‹Titanic› schlaflose Nächte. Nicht weil mich das Liebesdrama so mitgenommen hätte, sondern wegen der Sache mit dem Eisberg. Bereits da merkten meine Eltern, dass ich eher zartbesaitet bin. Es folgten behütete Jahre mit Disney, ehe ich mit 14 bei Schulfreunden zu Hause die nächste schlimme Erfahrung machen musste: Sie zeigten mir ‹Saw›. Aber nicht etwa chronologisch, nein, sie spulten von einer schlimmsten Szene zur nächsten. Etwas später folgte ein Film über Aliens (den ich so sehr verdrängt habe, dass mir der Titel nicht mehr einfällt).

Über meine grosse Liebe für Serien schlich sich der Grusel dann aber doch ein. Denn irgendwann waren all die ‹Friends›, ‹Gilmore ­Girls› und ‹O.C. Californias› geschaut, und ich musste mich neu orientieren. Ich begann vorsichtig mit  ‹The Sopranos›, probierte es als Nächstes mit ‹Game of Thrones› und wagte mich schliesslich – unter Gruppendruck! – an ‹The Walking Dead›. Zwei Wochen lang schlief ich, wenn überhaupt, nur bei Licht. Aber wegen meiner Freunde schaute ich trotzdem weiter. Und siehe da: Inzwischen lache ich, wenn ein verwester Zombie bei spannungsgeladener Musik überraschend ins Bild tritt, und schlafe danach wie ein Baby. Ans Gruseln kann man sich gewöhnen.»
Dinah Leuenberger (29), Volontärin, 2. von links

Bei Gruselwarnung weg

«‹Dieser Film ist für Zuschauer unter 18 Jahren nicht geeignet.› Bei diesem Warnhinweis bin ich weg. Zu gross ist die Angst vor der Angst. Volljährig? Nicht, wenns um Grusel geht. Manchmal wählt mein Freund den Film aus. Welch ein Horror! Ich bleibe zwar, aber schotte mich ab: Augenbinde, Ohrenschutz – kommt jetzt ein Mörder, merke ich nichts.»
Lisa Stutz (25), Redaktorin, vorne

Die besten Filme und Serien zu Halloween

Halloween (1978 – 2018)

Szene aus Halloween

Der Klassiker Pünktlich zum 40-Jahr-Jubiläum und rechtzeitig zum Gruselfest kommt eine weitere Fortsetzung von John Carpenters Horrorklassiker «Halloween» in die Kinos (die zehnte, um genau zu sein). Der Originalfilm von 1978 und seine Musik geniessen heute Kultstatus, er gilt als erster richtiger Slasher-Film – eine Unterkategorie des Genres, in dem ein Killer jeweils eine Gruppe von Teenagern nach und nach dezimiert. Im Klassiker von damals stellt der psychisch gestörte Michael Myers (Nick Castle) in der Halloweennacht diversen Teens einer US-Kleinstadt nach, unter anderem Laurie Strode (Jamie Lee Curtis). Beide Darsteller sind nun auch in der Neuverfilmung wieder dabei, die sich direkt auf die Ereignisse im Original bezieht. 
Gruselfaktor: ****

Twilight Zone (1959 – 1964)

Grusel am Laufmeter Diese Mystery-Kultserie lief auf dem amerikanischen Sender CBS. Sie bietet viel Atmosphäre und starke Schwarz-Weiss-Bilder, die an kunstvolle Holzschnitte erinnern. Jede der 156 Episoden erzählt eine in sich abgeschlossene Gruselstory. Die Geschichten sind oft erstaunlich politisch: In einer Folge fällt ein Rassist durch ein Zeitloch in die Vergangenheit und landet im Berlin der 30er-Jahre. Dort wird er von einer Nazihorde durch die Strassen gehetzt. 
Gruselfaktor: **

A Nightmare On Elm Street (1984)

Herr der Albträume Ein Lynchmob hat den Serienkiller Freddy Krueger umgebracht. Doch der Mörder mit dem Narbengesicht treibt weiter sein Unwesen: Als Gespenst dringt er in die Träume von Jugendlichen ein und bringt sie im Schlaf um. Nur wenn sie rund um die Uhr wach bleiben, sind sie vor Krueger sicher. Dieser Klassiker von Gruselmeister Wes Craven verwischt dauernd die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit: Nie weiss der Zuschauer, ob die Helden noch in der Realität oder schon im Albtraumreich des untoten Killers sind.
Gruselfaktor: *****

Coco (2017)

Szene aus Coco

Spass und Musik statt Grusel Am «Dia de los Muertos» gedenkt man in Mexiko mit farbigen, fröhlichen Feiern der eigenen Ahnen. In dem seit Jahren mit Abstand besten Pixar-Animationsfilm gerät ein Junge an diesem Tag aus Versehen ins Reich der Toten; dort stösst er auf viele nette Skelette, ein hochverehrtes Musikeridol und ein altes Familiengeheimnis. Die mit sprühender Fantasie inszenierte Geschichte macht nicht nur Kindern Spass – und berührt gleichzeitig mit ihrem Tiefgang.
Gruselfaktor: *

30 Days Of Night (2007)

Szene aus 30 Days of Night

Büffet für Blutsauger Vampire sind in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen. Vermutlich wurden die romantischen Schönlinge à la «Twilight» oder «The Vampire Diaries» schlicht zu langweilig. In «30 Days of Night» hingegen sind die Vampire noch richtige Monster, die über eine Kleinstadt in Alaska herfallen, kurz nachdem die Sonne sich dort für einen ganzen Monat verabschiedet hat. Die wenigen verbliebenen Bewohner des abgeschiedenen Orts sind der Vampirgruppe somit rund um die Uhr ausgeliefert. Bis der Sheriff sich mit einer kleinen Gruppe Überlebender zum Gegenangriff entschliesst. Eine originelle, ziemlich blutige Variation des Genres.
Gruselfaktor: *****

1408 (2007)

Ewiger Hotelgast Ein abgebrühter Schreiber (John Cusack) verdient sein Geld mit reisserischen Sachbüchern über Spukhäuser. Er selber glaubt aber nicht an Geister – bis er in einem verwunschenen Hotelzimmer übernachtet. Bald merkt er, dass die Tür zu Zimmer 1408 in Wirklichkeit die Pforte zu einem gruseligen Paralleluniversum ist. Als Zuschauer verfolgt man fasziniert, wie der Held aus der übernatürlichen Falle auszubrechen versucht. Der spannende Streifen beruht auf einer Kurzgeschichte von Stephen King und gehört zu den besten Verfilmungen seiner Stoffe.
Gruselfaktor: ***

The Walking Dead (seit 2010)

Szene aus The Walking Dead

Überleben in der Zombiewelt Eine furchtbare Apokalypse hat die Menschheit dahingerafft und aus den meisten Zombies gemacht. Die wenigen Verbliebenen kämpfen ums Überleben – nicht nur wegen der Zombies. Einerseits sind nach dem Zusammenbruch der Zivilisation die simpelsten Dinge eine Herausforderung (kein Strom, keine Läden), andererseits finden weiterhin zwischenmenschliche Dramen statt. So bilden sich zum Beispiel neue Gemeinschaften, die miteinander rivalisieren oder in denen autokratische und demokratische Vorstellungen miteinander kollidieren. Die TV-Serie , deren neunte Staffel gerade angelaufen ist, basiert auf der seit 2003 laufenden gleichnamigen Comic-Serie.
Gruselfaktor: ***

Buffy – The Vampire Slayer (1997 - 2003)

Szene aus Buffy

Cheerleader als Vampirjägerin Auf den ersten Blick ist Buffy Summers ein cooles High-School-Girl, doch wenn es Nacht wird, jagt das Mädchen Vampire und Dämonen. Denn sie ist der Slayer, eine mythische Figur, die die Kräfte der Hölle im Zaum halten soll. Die sind in der kalifornischen Kleinstadt Sunnydale deshalb so stark, weil der Ort direkt über einem Portal zur Unterwelt sitzt. Unterstützt von einem Mentor und einigen Freunden, rettet Buffy über sieben Staffeln nicht nur zahllose Leben, sondern manchmal gleich die ganze Welt. Joss Whedons Serie geniesst in Genrekreisen längst Kultstatus, nicht zuletzt wegen der ungewöhnlichen Mischung aus High-School-Drama, Komödie und Grusel, aber auch wegen vieler origineller Drehbuchideen. Derzeit wird an einer Neuauflage gearbeitet.   
Gruselfaktor: **

Lights Out (2016)

Horror im Dunkeln Ein mordlustiger Dämon terrorisiert eine Familie. Zuerst zeigt sich das Ungeheuer nur in finsteren Nächten. Doch mit der Zeit erweitert es seinen Aktionsradius und kann auch tagsüber plötzlich aus einem Schatten springen. Raffiniert spielt dieser Film mit der Urangst vor der Dunkelheit. Wer «Lights Out» gesehen hat, muss mit hohen Stromkosten rechnen. Denn nach diesem Film möchte man nachts am liebsten alle Lichter brennen lassen.

Gruselfaktor: *****

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