22. November 2017

Horrende Ablösesummen im Fussball

Der Transfer von Fussballstar Neymar lanciert die Diskussion über horrende Ablösesummen im Fussball aufs Neue. Die Überlegungen von Aline Martinoli, Spezialistin der Online-Kommunikation bei der Migros Bank.

Neymar (rechts) und PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi
Neymar (rechts) und PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi feiern den Transfer. (Bild: AP Photo/Keystone)
Lesezeit 2 Minuten

Für die Rekordsumme von 222 Millionen Euro hat der Fussballprofi Neymar jüngst vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain (PSG) gewechselt. Die immer höheren Ausgaben für Gehälter und Transfers beim «König Fussball» sollten dank Financial Fairplay (FFP) im Verhältnis zu den Einnahmen der betreffenden Fussballklubs stehen. Das FFP wird als Reglement des europäischen Fussballverbands Uefa verstanden, das bei der Klublizenzierung für die Teilnahme an den europäischen Klubwettbewerben der Uefa gilt.
Vereinfacht gesagt, soll das FFP sicherstellen, dass die Vereine nicht mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen. Dabei gilt, salopp beurteilt, ein Minus von 35 Millionen Euro über drei Jahre als legal. Mit dem Fall Neymar steht das FFP nun vor einer Zerreissprobe.

Eine weitere Frage betrifft den wirtschaftlichen Sinn des Transfers. Dieser scheint bei einer Ablösesumme von 222 Millionen Euro und geschätzten 30 Millionen Euro Jahresgehalt auf den ersten Blick nicht gegeben. Verschiedene mögliche Mehreinnahmen könnten aber den hohen Übernahmepreis rechtfertigen: Die am meisten zitierte Einnahmequelle bei Spielertransfers sind die zusätzlichen Erlöse durch Merchandising.
Manchester United erzielte etwa mit der Verpflichtung von Zlatan Ibrahimović 2016 innerhalb von sieben Tagen Einnahmen von 99 Millionen Franken. Allerdings ist die Aufteilung des Umsatzes zwischen Trikothersteller und Klub nicht bekannt.

Wichtiger Bestandteil der Rechnung sind auch die Mehreinnahmen durch den sportlichen Erfolg. In dieser Hinsicht ist vor allem der langersehnte Gewinn
der Champions League die treibende Kraft des Neymar-Transfers.

Der Sieger der Champions League erhält zirka 60 Millionen Euro Leistungsprämie. Nicht mit eingerechnet sind die zusätzlichen, durch die Uefa ausbezahlten
Erlöse der TV-Marktgelder, da diese starken Schwankungen unterliegen. Ein weiterer, jedoch schwierig zu beziffernder Wert ist die angestrebte Internationalisierung des Klubs. So kann der Global Player Neymar den Markenwert des Vereins steigern.

Diese Messgrössen lassen erahnen, dass der Deal nicht zwingend in einem Verlustgeschäft enden muss. Auch ein Weiterverkauf des Spielers ohne massiven Wertverlust könnte das Investment rechtfertigen. Allerdings muss festgehalten werden, dass die erwarteten Mehrwerte allesamt extrem spekulativer Natur und in hohem Mass vom sportlichen Erfolg von PSG abhängig sind. 

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