14. August 2017

Holz statt Benzin

Während des Zweiten Weltkriegs blieben die Migros-Verkaufswagen dank Holzvergasern in Fahrt.

In den Kriegsjahren macht ein rollender Migros-Laden Station in einem Dorf. Das klobige Ding am Heck ist der Holzvergaser.

Nach Kriegsausbruch veränderte sich der Strassenverkehr in der Schweiz drastisch: Private Autos blieben in der Garage oder wurden vom Staat requiriert. Die Behörden rationierten das Benzin. Für die Migros und ihre Kundschaft war das ein harter Schlag. Denn die Detailhändlerin setzte damals noch nicht auf stationäre Filialen, sondern vor allem auf rollende Läden – also auf Verkaufswagen, die von Ortschaft zu Ortschaft fuhren und die Ware direkt zu den Konsumenten brachten.

Um die Kundinnen und Kunden während der Kriegsjahre weiterhin zu beliefern, rüstete die Migros viele ihrer Lastwagen um: Am Heck dieser LKW wurden unförmige Gebilde montiert – sogenannte Holzvergaser. Allein die Genossenschaft Migros Zürich baute 45 ihrer insgesamt 56 Verkaufswagen um.

Die klobigen Generatoren wurden mit zerkleinertem Holz bestückt und mässig erhitzt. Dabei entstand Gas, das durch Röhren in den Motor gelangte und dort als Treibstoff diente. So blieb die Migros trotz Benzinrationierung in Fahrt.

Nach dem Krieg verschwanden die Holzvergaser aber schnell wieder aus dem Schweizer Strassenbild. Denn der Antrieb war alles andere als effizient: Für die Leistung von einem Liter Benzin wurden drei Kilo Holz verbraucht. Zudem verschmutzten die Motoren so stark, dass man sie dauernd mit viel Aufwand reinigen musste.

Den Konsumenten blieben die exotischen Motoren dennoch in positiver Erinnerung: Sie waren ein Symbol dafür, dass die Migros ihre Kundschaft auch in harten Zeiten nicht im Stich liess.

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