10. Oktober 2019

Hilfe für Männer in Konfliktsituationen

Martin Bachmann berät Männer in schwierigen Lebenssituationen – weil es etwa zu häuslicher Gewalt kam oder kommen könnte. Ein Gespräch über problematische Rollenbilder, Gefühlsausbrüche und Konfliktbewältigung.

häusliche Gewalt
Auch in der Schweiz ist häusliche Gewalt weit verbreitet. Allein im Kanton Zürich ist die Polizei 2018 deswegen täglich 15 Mal ausgerückt. (Bild: Getty Images)
Lesezeit 11 Minuten

Was für Männer kommen zu Ihnen ins «Mannebüro»?

Ganz normale Männer, die im Moment aber total «im Seich» sind – etwa Konflikte in der Partnerschaft erleben oder mit ihrem Sexleben nicht mehr klarkommen. Auch Männer, die schon gewalttätig geworden sind oder befürchten, dass ihnen das passieren könnte. Die wissen zwar: Gewalt geht gar nicht, ist verboten, schadet der Frau und der Beziehung. Aber sie fühlen sich überfordert, realisieren, dass sie sich einer roten Linie nähern oder sie schon überschritten haben.

Gibt es viele solche einsichtige, reflektierte Männer?

Ganz von sich aus melden sich die meisten schon nicht, immerhin kommt es inzwischen aber häufiger vor als zu Beginn meiner Tätigkeit. Die meisten brauchen einen Anstoss von aussen, etwa die Flucht der Frau ins Frauenhaus oder eine Intervention der Polizei. Oder Freunde und Familienmitglieder, die sich sorgen und nachfragen.

Wie viele kommen, weil sie von einer Behörde dazu verpflichtet wurden?

Wenige. Staatsanwaltschaften oder die Kesb können eine solche Massnahme verfügen – etwa sechs Sitzungen bei uns zwecks Training der Impulskontrolle –, aber das passiert noch nicht oft. Viele Männer werden aber bereits an die bewährten Lernprogramme des Bewährungs- und Vollzugsdienstes verwiesen.

Sind die freiwilligen Klienten einsichtiger als diejenigen, die kommen müssen?

Zu Beginn vielleicht. Aber die Umstände, unter denen sie hier sind, unterscheiden sich nicht gross. Schambehaftet ist es in jedem Fall. Und wie erfolgreich unsere Arbeit ist, hängt stark davon ab, ob der Klient bereit ist, sich wirklich darauf einzulassen.

Wann beginnt häusliche Gewalt?

Dann, wenn man in seiner Überforderung nicht nur bei sich selbst etwas unternimmt, sondern in den Integritätsraum des Gegenübers eingreift, um sich besser zu fühlen; das kann auch nur verbal sein, eine Beschimpfung oder ein ständiges Runtermachen. Aber auch dann, wenn jemand sich als Opfer fühlt.

Weshalb werden Beziehungen so toxisch, dass der Mann zuschlägt?

Oft gibt es eine Differenz zwischen der stereotypen Idealvorstellung von einem Mann, einer Frau, einer Beziehung und der Realität. Zwei Beispiele: Der Mann soll Gas geben, Leistung bringen – und es ist ja schön, wenn das so ist. Aber wenn unter diesem Diktat keine Zeit bleibt zum Entspannen, zur Selbstsorge, dann wirds toxisch. Das Gleiche geschieht, wenn eine Frau mit Kind dauerhaft ein schlechtes Gewissen hat, weil sie arbeitet und Karriere machen will.

Aber weshalb gleich zuschlagen?

Es gibt viele mögliche Gründe für Menschen, aggressiv oder gewalttätig zu werden. Leider nützt Gewalt kurzfristig oft sogar: Ich fühle mich nicht mehr ohnmächtig, sondern eben mächtig. Zwar können Frauen und Männer gewalttätig werden, aber bei Männern ist das Risiko höher, auch weil es ins Stereotyp passt. Letztlich geben aber individuelle Faktoren den Ausschlag.

Gibt es Risikofaktoren für häusliche Gewalt?

Ja, mehrere. Erstens: hohe Erwartungen. Mit einer Paarbeziehung sind­viele fixe Erwartungen verbunden – grosse Liebe, befriedigender Sex, wirtschaftliche Sicherheit. Entsprechend hoch ist die Fallhöhe. Zweitens: enorme Vertrautheit. Man weiss genau, was dem anderen am meisten wehtut. Drittens: weitreichende Konsequenzen. Entscheide und Konflikte haben enorme persönliche Folgen, deshalb kämpft man dafür, dass die Dinge so laufen, wie man es selbst will.

Welches sind weitere Risiken?

Übergangszeiten in der Beziehung, also wenn Paare Eltern werden oder wenn die Kinder ausziehen. Auch Machtgefälle sind immer schwierig – eine Beziehung funktioniert nur auf Augenhöhe gut, sonst fällt irgendwann der Respekt und das Vertrauen weg. Ausserdem erhöhen Armut und Suchtmittelkonsum das Konfliktrisiko.

Je stereotyper, traditioneller, konservativer das Denken ist, je enger die Vorstellung davon, was ein Mann und wie eine Familie sein sollte, desto höher die Wahrscheinlichkeit, in Not zu geraten.

Kommen Männer aus allen gesellschaftlichen Schichten zu Ihnen, vom Strassenarbeiter bis zum Banker?

Ja, Paarprobleme und häusliche Gewalt gibt es überall.

Wirklich? Kommen die genannten Risikofaktoren nicht häufiger in weniger privilegierten Familien und streng patriarchalen Strukturen vor?

Wir unterscheiden zwischen denen, die sich selbst melden, und Gefährdern. Letztere sind Männer, die nach den Regeln des Zürcher Gewaltschutzgesetzes polizeilich weggewiesen oder mit Kontakt- oder Rayonverbot belegt wurden. Dieses nützliche Gesetz gibt es seit 2007: Die Polizei darf die Schutzmassnahmen aussprechen, bevor etwas strafrechtlich Relevantes passiert ist – einfach aufgrund bestimmter Risikofaktoren. Wenn sie das tut, bekommen wir die entsprechenden Infos, gehen auf den Mann zu und erarbeiten gemeinsam mit ihm, wie es nun weitergehen könnte. Unter den Gefährdern sind Männer mit Migrationshintergrund deutlich übervertreten. Das heisst aber nicht, dass diese Männer per se gewalttätiger sind. Sie haben in der Regel nur weniger Ressourcen zur Verfügung, ein weniger gutes Netzwerk als die meisten Schweizer, um sich im Krisenfall Hilfe zu suchen.

Gibt es etwas, das gewalttätige Männer gemeinsam haben?

Ich sehe eine eindeutige Tendenz: Je stereotyper, traditioneller, konservativer das Denken ist, je enger die Vorstellung davon, was ein Mann und wie eine Familie sein sollte, desto höher die Wahrscheinlichkeit, in Not zu geraten, wenn das Leben perlt und quirlt und ganz anders ist als erwartet.

Erziehung und soziales Umfeld spielen also eine Rolle.

Niemand weiss genau, wie viel durch die Biologie geprägt ist und wie viel durch die Sozialisation. Klar ist: Jeder Mann hat die Wahl; er kann dazulernen und hat einen Gestaltungsspielraum. Aber ja, wer mit der Idee aufwächst, nicht scheitern zu dürfen, wird sich viel schwerer tun als jemand, der weiss, dass Scheitern zwar unangenehm ist, aber bewältigbar. Und de facto sogar oft ein Gewinn: Ohne Fehler gibt es kein Lernen.

Martin Bachmann
«Meist entsteht häusliche Gewalt nicht so spontan, wie wir erwarten würden», sagt Martin Bachmann. «Die meisten kochen schon längst vorher innerlich und finden: Mach nur weiter so, du wirst schon sehen, was passiert.» (Bild: Piero Weber)

Spielen auch Feminismus und Emanzipation eine Rolle bei häuslichen Konflikten?

Ab und zu schon. Da höre ich zum Beispiel: «Die Frauen wollen inzwischen auch alles haben.» Dann sage ich: «Ja, gottlob, ich ja auch! Sie nicht?» Wenn einer unter Stress steht, findet er die klare Ordnung von früher manchmal besser. Die heutige Vielfalt erfordert mehr Diskussionen und Verhandlungen.

Wie finden Sie beim Mann die wunden Punkte?

Es ist sehr individuell, was Wut und Gewalt auslöst. Das herauszufinden ist ein spannender, kreativer Prozess. Oft stellt sich raus, dass nichts so spontan passiert, wie es scheint. Die meisten kochen schon längst vorher innerlich und finden: Mach nur weiter so, du wirst schon sehen, was passiert. Viele haben Gewaltfantasien oder abwertende Gedanken. Wenn man dem gemeinsam auf die Spur kommt, die Eskalationsspirale identifiziert, dann kann man Gegenmassnahmen entwickeln.

Auch das Tötungsdelikt im häuslichen Umfeld ist meist keine Affekttat, sondern kalkuliert, oft in der Trennungsphase...

Das sind schreckliche Extremfälle, und dafür braucht es noch einige weitere Risikofaktoren. Mörder haben in aller Regel explizite Persönlichkeitsstörungen. Aber es ist richtig, dass häusliche Gewalt nicht so spontan entsteht, wie wir erwarten würden. Die Hand rutscht meistens schon beim ersten Mal nicht einfach so aus, obwohl die Männer das gerne so darstellen oder glauben. In aller Regel ist dieser Gedanke schon vorher da – wegen der inneren Eskalation, die wir schlecht wahrnehmen. Das ist ja auch so ein Scheissdreck bei uns Männern.

Was genau? 

Wir sind weniger geübt darin, uns selbst wahrzunehmen – wir registrieren eher, was rundum läuft. Aber dass ich seit einer halben Stunde Ranzenpfeifen habe? Dass ich die Scheissdiskussion nicht mehr aushalte und eigentlich weglaufen will? Nur: Ein Mann läuft doch nicht weg, der bleibt stehen. Was für ein Scheiss!

Zwischenfrage: Hilft Ihre Sprache im «Mannebüro»? 

(lacht) Sehr! Dass wir hier gelegentlich handfest und bodenständig sprechen, hilft enorm. Wir üben im «Mannebüro» ja Konfliktfähigkeit, und da muss man die Dinge schon beim Namen nennen. Direkt sein. Nahe gehen. Um dann mit professioneller Distanz weiterzumachen.

Wie geht das konkret? 

Ich frage: «Ihre Partnerin beleidigt Sie eine halbe Stunde lang: ‹Du kannst nichts, du bist eine Riesenpumpe, lässt mich die ganze Zeit hocken.› Sie spuckt Sie an, sagt Ihnen, Sie sollen gehen. ‹Du bringst ja nicht mal mehr einen hoch.› Wie geht es Ihnen dabei?» Dann beginnen sie, laut zu werden, und geben zu, dass sie fast explodieren vor Wut.

Ich staune, wozu Menschen fähig sind – im Positiven wie im Negativen.

Wie oft wird es in diesen Gesprächen emotional?

Immer. Wir nehmen die Leute ernst, konfrontieren, schauen genau hin. Das ist sehr persönlich. Es kommt auch oft zu Tränen im «Mannebüro». Etwa bei Übungen, die helfen, in Konfliktsituationen anders zu reagieren als bisher. Plötzlich verstehen sie, wo genau der Schmerz sitzt, und das kann heftige Gefühle auslösen.

Staunen Sie manchmal, weil die Beziehung trotz allem gerettet werden soll?

Ja. Aber ich staune auch, wozu Menschen fähig sind – im Positiven wie im Negativen. Wir können dazulernen, können anfangen, Beziehungen anders zu führen. Mit einer Gewaltberatung hier ist es aber meist noch nicht getan. Oft besuchen die Männer mit der Partnerin anschliessend eine Paarberatung. Das ist cool, weil es letztlich beide braucht, um Konflikte zu lösen und die Beziehung zu entwickeln.

Raten Sie auch manchmal direkt zur Trennung?

Ich rate natürlich niemandem was, alle müssen ihre eigenen Entscheide fällen. Aber als Idee, als Provokation kommt das immer wieder mal vor, klar.

Haben Sie bei den Klienten nach der letzten Sitzung meist das Gefühl: Das kommt gut?

Meistens. Ziel ist es, dass sie wieder ein wenig Handlungsfähigkeit zurückgewinnen, aus ihrer eigenen Opferlogik herausfinden. Natürlich ändert das nichts an ihrer Lebenssituation oder an tiefsitzenden stereotypen Vorstellungen. Diese Diskussion können wir mit ihnen nicht zu Ende führen. Aber sie lernen Strategien kennen, um aus Konfliktsituationen rechtzeitig hinauszufinden, ohne ihre Partnerin zu schlagen, zu bedrohen oder zu verängstigen.

Das Problem ist, dass häusliche Gewalt kurzfristig sogar wirkt.

Das «Mannebüro» gibt es seit 30 Jahren. Was konnte es in dieser Zeit bewirken?

Wir haben sicher ganz vielen Männern geholfen, sich selbst besser zu verstehen und gewaltfreie, erfüllendere Beziehungen zu führen. Auch für die Fachwelt war das «Mannebüro» als Urgestein der Schweizer Männerarbeit immer wieder Inspiration und Anstoss. Und ich denke, wir haben zu einer verstärkten gesellschaftlichen Sensibilisierung bezüglich häuslicher Gewalt und Geschlechterfragen beigetragen.

Wann können Sie nicht helfen?

Wenn ein Mann aus medizinischen oder anderen Gründen nicht in einem Beratungssetting arbeiten kann. Oder wenn einer hierherkommt und dann findet: Ich habe kein Problem. Es ist die Kesb, die spinnt; ihr Sozis habt einen an der Waffel, und meine Frau ist sowieso eine dumme Kuh. Dann sage ich: «Okay, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag. Kommen Sie vorbei, wenn Sie selber etwas anders machen wollen.»

Wie oft kommt das vor? 

Zum Glück selten. Viele Klienten fluchen anfangs; das ist auch okay. Die Arbeit beginnt erst danach.

Schlägt einer, der schon zugeschlagen hat, in einer neuen Beziehung wieder zu?

Natürlich spielt die Partnerwahl, die Paardynamik auch eine Rolle. Aber die eigenen Muster nimmt man in eine neue Beziehung mit, man nimmt sich stabil mit, das zeigt auch die Statistik. Das Problem ist ja, dass häusliche Gewalt kurzfristig sogar wirkt.

Wie meinen Sie das?

Wer zuschlägt, bekommt kurzfristig ein gutes Gefühl: Ich bin jemand, ich kann was. Dieses Kompetenzgefühl entlastet, gibt einen Ego-Boost, stellt vermeintlich Ordnung wieder her Darum wird leider auch so häufig zugeschlagen.

Der Täter muss bagatellisieren, damit sie nicht die Polizei anruft – und das Opfer relativiert, damit die Beziehung nicht zu Bruch geht.

Hatten Sie schon mal einen Mann in der Beratung, der seine Frau umgebracht hat?

Meines Wissens nicht. Das ist ja Gott sei Dank auch sehr selten.

Zwischen 2009 und 2016 ereignete sich die Hälfte der Tötungsdelikte in der Schweiz im häuslichen Umfeld. Im vergangenen Sommer gab es eine Häufung massiver Fälle. Haben wir ein wachsendes Problem?

Nein, das glaube ich nicht. Laut Statistik sind Femizide sogar leicht rückläufig, dafür registriert die Polizei mehr Tötungsversuche. Die Schweiz ist mit 0,32 Tötungen auf 100 000 Personen in Sachen häuslicher Gewalt kein besonders gefährliches Land. Auch wenn es diesen Sommer leider ein paar spektakuläre Fälle gegeben hat. Bagatellisierungsideen trete ich aber entschieden entgegen: Häusliche Gewalt bleibt ein grosses Problem in der Schweiz.

Allein im Kanton Zürich rückte die Polizei 2018 täglich 15-mal aus wegen häuslicher Gewalt. Wie hoch ist die Dunkelziffer

Ehrlich gesagt weiss ich es nicht. Aber ich fürchte gross. Sie sinkt zwar vielleicht, weil man heute mehr darüber spricht und weil es diverse Stellen gibt, wo man Hilfe holen kann. Aber häusliche Gewalt bleibt schambesetzt, sie steht für ein Scheitern, und mit jedem Schlag kommt man weniger voneinander weg.

Was besonders schwer nachvollziehbar ist.

Das hat mit dem Gewaltkreislauf zu tun: Gewalttat, sehr kurze Erleichterungsphase, Scham, Wiedergutmachung. Letzteres nennen wir auch Honeymoon-Phase, weil er sich so grosse Mühe gibt: Geschenke, schöne Ausflüge … Und prompt finden Gewaltopfer: Ah, er ist ja wirklich nicht nur ein Blöder, ich müsste mir auch mehr Mühe geben. Dabei ist das Machtgefälle eigentlich für beide unerträglich. Aber der Täter muss bagatellisieren, damit sie nicht die Polizei anruft – und das Opfer relativiert, damit die Beziehung nicht zu Bruch geht. So beginnt die Latenzphase wieder, bis es wieder eskaliert. Da müssen sich beide vorher Hilfe holen.

Warum will eine misshandelte Frau denn bleiben?

Die Bindungskräfte sind in familiären Systemen enorm hoch. Manchmal kommt es mir vor wie bei der Arbeit mit Süchtigen: Die wenigsten Menschen schaffen es beim ersten Mal, loszukommen, eine neue Autonomie zu entwickeln. Das sehen wir hier im «Mannebüro» immer wieder.

Die Polizei ist sensibilisiert, sie macht sehr gute Arbeit.

Unternimmt die Polizei genug, um Opfer zu schützen? 

Sie hat einen enorm schwierigen Job, Polizistinnen und Polizisten müssen in kürzester Zeit einschätzen, was los ist, wenn sie in eine Wohnung kommen, in der es knallt. In den vergangenen Jahrzehnten ist diesbezüglich viel passiert. Die Polizei ist sensibilisiert, sie macht sehr gute Arbeit. Aber natürlich übersieht sie ab und zu Gefahren – wie wir Beratungsstellen für Täter oder Opfer ja leider auch.

Eine der Massnahmen ist das Rayonverbot, Männer dürfen also ein bestimmtes Gebiet nicht mehr betreten. Doch diverse Frauenmorde zeigen, dass das nichts bringt. Wer sich an seiner Partnerin rächen will, schert sich nicht darum, dass er sich ihr eigentlich nicht nähern dürfte.

Leider kann dies allein eine Gewalttat nicht verhindern. Die totale Sicherheit gibt es einfach nicht. Aber für viele Dynamiken hilft das Rayonverbot, weil es Ruhe zwischen zwei Fronten bringen kann.

Was braucht es, damit bedrohte Frauen von ihren Männern loskommen, bevor diese bis zum Äussersten gehen? 

Wir müssen weiterhin Opfer und Täter beratend unterstützen und Straftaten sanktionieren. Gewalt an Frauen bewegt die Gesellschaft derzeit sehr. Diese Gelegenheit sollten wir nutzen, um über die sich ständig entwickelnden Frauen- und Männerrollen zu diskutieren. Auch sonst passiert einiges: der Frauenstreik, der Vaterschaftsurlaub. Hinter diesen Entwicklungen steht die Frage, wie wir unsere Gesellschaft in eine für Frauen und Männer bessere, gerechtere Zukunft führen können.

Warum ist es so schwer, häusliche Gewalt auszumerzen?

Gewalt ist leider ein grosses, schreckliches Phänomen, das man nur vielschichtig bekämpfen kann. Häusliche Gewalt ist auch deshalb ein so grosses Problem, weil sie hinter der Haustür stattfindet und es so viel braucht, bis sie sichtbar wird.

Was kann der und die Einzelne tun?

Eltern, Arbeitgeber, Lehrpersonen, auch die Familie selber können einiges tun. Je mehr wir aus den Stereotypen herausfinden, sie hinterfragen und Kinder, Mitarbeitende und Schüler in all ihren vielfältigen Rollen akzeptieren, desto besser. Deshalb finde ich auch, dass unsere Schulen wieder mehr Männer als Lehrer brauchen.

Trotz vieler Frauenhäuser und Beratungsstellen: Frauen sind noch immer nicht gut genug geschützt, oder? 

Ja. Wir alle müssen immer wieder hinschauen und dranbleiben.

Benutzer-Kommentare

Verwandte Artikel

Weihnachtsfest

Wie sich Streit am Fest vermeiden lässt

Wasserurne an der Aare

Die letzte Reise

Bänz Friedli (Bild: Vera Hartmann)

Imaginärer Hausbesitzer

Jelena Filipovic

Rechts oder links von Geburt an?