17. Dezember 2012

Heimlich die Pille nehmen?

Viele Teenager machen bereits vor 16 Jahren sexuelle Erfahrungen, ob das den Eltern passt oder nicht. Von Vorteil lässt man sie mit der Verhütungsfrage nicht allein.

Ist die Pille die richtige Wahl?
Ist die Pille die richtige Wahl? Im Idealfall lassen sich Teenager mit ihren Eltern zusammen vom Arzt beraten. (Bild mauritius images)

Jedes fünfte Mädchen in der Schweiz hat im Alter von 15 Jahren bereits Geschlechtsverkehr. Kein Wunder, holen sich Jugendliche die Pille, bevor sie dem Schutzalter entwachsen sind. «Doch viele sind verunsichert, wie und wo sie die Pille bekommen können. Vor allem wenn sie nicht mit ihren Eltern drüber reden können oder wollen», sagt Lilo Gander (52) von der Beratungsstelle «Lust und Frust» der Schulgesundheitsdienste der Stadt Zürich. «Wir gehen in die Schulen und beantworten die Fragen der Jugendlichen.» An Informationsangeboten fehlt es nicht, in fast jedem grösseren Ort gibt es Beratungsstellen. «Und wer das nicht möchte, findet auch im Internet diverse seriöse Beratungsplattformen», sagt Lilo Gander.

Wünschenswert wäre, wenn Eltern gemeinsam mit ihrem Kind abwägen könnten, welches Verhütungsmittel geeignet ist. «Wir fragen bei unseren Beratungen immer: Kannst du daheim darüber reden? Hast du es überhaupt versucht? Manchmal gelingt es, Jugendliche zu motivieren, zusammen mit der Mutter zu uns zu kommen», erzählt Lilo Gander. Doch oft sei das schwierig, aus welchen Gründen auch immer.

Dann können Jugendliche die Pille auch ohne Einverständnis ihrer Eltern holen. Die Frauenärztin muss von Fall zu Fall entscheiden, ob die Patientin urteilsfähig ist. Falls ja, darf sie ihr die Pille verschreiben. Doch wie sieht es mit der Finanzierung aus? «Die Pille müssen die Patientinnen selber bezahlen», sagt die Ärztin Brigitte Isler (54) von der Klinik für Reproduktions-Endokrinologie am Universitätsspital Zürich. Die Konsultation hingegen übernimmt die Krankenkasse. «Wünschen Jugendliche, dass die Eltern nichts erfahren, können sie dies am Empfang melden. Die Rechnung wird auf Wunsch an eine andere Adresse geschickt. Dies müssen sie auch der Krankenkasse mitteilen.»

Ein Besuch beim Frauenarzt ist ohnehin ratsam
Und wie steht es mit der ärztlichen Schweigepflicht? Können Eltern beim Frauenarzt anrufen, um sich darüber zu erkundigen, was mit ihrer minderjährigen Tochter los ist? «Nein», sagt Bri-
gitte Isler. Die Schweigepflicht bestehe auch bei urteilsfähigen Jugendlichen. «In den meisten Fällen bestärken wir die Mädchen natürlich, mit ihren Eltern zu reden, die Entscheidung liegt aber bei ihnen. Wir empfehlen den Jugendlichen auch, die Eltern bezüglich Risiken, insbesondere einer Thromboseneigung, genau zu befragen. Wenn dies nicht möglich ist oder Unklarheiten bleiben, empfehlen wir ein Verhütungsmittel ohne erhöhtes Thromboserisiko.»

Ob Pille oder nicht: Mädchen in der Pubertät wird ohnehin empfohlen, die Frauenärztin aufzusuchen, um sich über die Impfung gegen Papillomviren, Vorsorgeuntersuchungen und Geschlechtskrankheiten zu informieren. Eine solche Beratung ist auch Lilo Gander ein Anliegen: «Vor allem in der Pubertät, wo noch viel ausprobiert wird, ist doppelter Schutz zu empfehlen. Also Pille und Kondom. Denn dieses ist der einzige wirksame Schutz vor Krankheiten wie HIV oder Herpesviren.»

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