15. Februar 2018

Die schöne kleine Welt auf dem Zuger Hausberg

Einige Schweizer Städte haben lohnende Hügel in Gehdistanz. Die Migrosmagazin.ch-Besucher haben mich in meine alte Heimat geschickt – Danke!

unterwegs zur Hochwacht
Fast oben angekommen: Kurz vor der Hochwacht schweift der Blick zur Montana-Schule.
Lesezeit 4 Minuten

Mehr als jeder zweite User, der bis Ende Januar die Frage nach seinem bevorzugten Hügel in Stadtnähe beantwortete ( die Ergebnisse der Abstimmung ), sprach sich für den Zugerberg als sein Wanderziel für den Winter aus. Zuerst war ich mässig begeistert, hätte fast lieber die Krete südöstlich des Salvatore (bei Lugano) oder den ebenso bekannten Berner Bantiger entdeckt. In unmittelbarer Sichtdistanz zum Zugerberg hatte ich doch in den 1970er-Jahren bereits den ersten Teil meiner Kindheit verbracht, etwa in Allenwinden und Unterägeri.

Doch schnell bemächtigte sich die Vorfreude meiner. Spätestens als mir auf der Karte klar wurde, dass es einige interessante Varianten für den Aufstieg gibt. Natürlich geht es auch auf der Direttissima, aber eine kleine Ehrenrunde sorgt für mehr Kontrast vor dem Ausblick vom Hünggigütsch oder mehr noch von der Hochwacht. Beinahe nach Möchtegern-Indianer-Methode lohnt sich gekonntes Anschleichen.
Das gilt übrigens auch für diejenigen, die nicht gut 700 Höhenmeter zurücklegen mögen und deshalb zuerst mit der Standseilbahn von der Schönegg (Bus 11 von Zug Metalli/Bahnhof fährt in knapp 15 Minuten hin) zum Zugerberg hochfahren, um nach gründlichem Bestaunen der Umgebung auf meinem vorgeschlagenen Weg hinabzuspazieren.

Kontrastreich gestaltet sich die Sache vor allem, weil Zug mit dem See und seinem Hügelland eine kleine schöne Welt für sich offenbart: nicht mehr typisches Mittelland, erst hineinreichend in die Voralpen – obschon nach dem Zugerberg im Sommer mit dem Wildspitz schon ein anständiger Gipfel bezwungen werden kann – und mit einer historisch-beschaulichen Stadt ...
Letztere ist definitiv kein Kaff, hat aber für mich wenig von urbanem Lebensgefühl und weist neben Geschichte (auf dem Weg passierst du etwa die alte Post, den Eingang zu malerischen Altstadtgassen mit dem Stadttor und später noch den Pulverturm sowie St. Michael) ein gerüttelt Mass an Gentrifizierung auf: neue Quartier(teil)e mit Luxusappartements und noch mehr Wohnungen des gehobenen Standards. Das Beste am Durchlaufen und noch mehr am Betrachten aus der Höhe: Das Ganze ist sofort und bestens unterscheid- und überblickbar, wie fast nirgends sonst in der Schweiz.

Route auf den Zugerberg

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1500 x 1000 px / © swisstopo)

Hat man die Stadt verlassen, ist mit der Abwechslung in fast schon hektisch kleinen Schritten keineswegs Schluss. Ganz im Gegenteil: Über zwei grosszügige Wiesen, vorbei an zwei Bauerngütern, erklimmt man die Anhöhe des Blasenbergs mit der (im Winter meist geschlossenen) Spunte. Danach entscheide ich mich für den idyllisch waldquerenden Weg über das Lärchebrüggli (hübsche Holzbrücke über die Standseilbahn) bis zu zwei schönen Häusern direkt unterhalb der Juchenegg.

Hier beginnt der zweite Teil des Aufstiegs entlang einem Strässchen mit vorsichtigen Schlittlern, bald kommt der grösste Bau der Montana-Internatsschule in den Blick. Wir wählen aber nochmals einen Umweg und durchschreiten erneut ein hübsches Waldstück, um plötzlich beim Punkt 942 (Höhenmeter, auf dem Schild am Berg steht aber 943!) auf der Zugerberghöhe aufzutauchen. Den Weg links zum Vordergeissboden ignorieren wir geflissentlich, und schon nach wenigen Schritten erreichen wir den grossen Spielplatz mit Grill/Picknick, am Waldsaum Richtung Tubenloch. Eine für Zuger Begriffe grosszügige Weite geniesst man Richtung Süd(west)en: den Hintergeissboden.

Unterägeri mit  dem Ägerisee
Im Panorama der Hochwacht: Unterägeri mit dem Ägerisee

Gemütlich folge ich danach dem Hauptweg knapp vorbei am höchsten Punkt der Krete (Hünggigütsch). Vor der Hochwacht spielt der Weg mit hohen Bäumen, tieferen Gewächsen und ein paar grellen Schlaglichtern mitsamt Sicht auf See und natürlich die Rigi mehrmals Verstecken. Am Ende angelangt, heisst es, auf dem Bänkchen abzusitzen und zu staunen über das kleinräumige Paradies, das sich einem eröffnet: den Ägerisee mit seinen Dörfern, den mehr erahnbaren Wildspitz, die Silhouetten der Innerschweizer Alpen, den See und immer wieder das Städtchen Zug. Das alles wirkt zwar nie so mini-heimelig wie die künstliche Ballenberg-Welt, aber doch viel idyllischer als anderswo. Und für den Ex-Zuger gar: heimatlicher.

Geeignet für Spaziergänger mit etwas Geduld – und Sinn für Weitblick
Höhepunkte: Wald vor Lärchebrüggli, Blick auf Hintergeissboden, Hochwacht
Pause: Punkt 942 und folgender Spielplatz/Picknick, Hochwacht
Dauer: (knapp) 3 Std. 30 bergauf, hinab 30–40 Minuten weniger
Höhenmeter (bergauf): 725 m

Trümpfe der Wanderung auf den Zugerberg

Reto Meisser über seine Kolumne «Hike & Bike»

Video: Elena Bernasconi

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