15. September 2017

Hauptsache, komisch

Mit selbstproduzierten Smartphone-Sketchen wurden Noeliavid, Gabirano und einige andere mehr zu kleinen Stars in den sozialen Medien. Eine neue Art von Freizeitgestaltung, mit der sich sogar Geld verdienen lässt.

Youtuberin Noelia - als Noelia und ihre Mutter
Lesezeit 7 Minuten

Angefangen hat alles mit Bendrit Bajra aus Zürich Schwamendingen. Er war der erste Schweizer, der mit witzigen Smartphone-Filmchen die sozialen Medien eroberte. Mit seiner Ironisierung der Unterschiede zwischen Schweizern und Nichtschweizern traf der Kosovare einen Nerv. Der Hobbykomiker mutierte zum Star der Generation Facebook.

Doch Facebook ist längst out: Die Teenies bewegen sich auf schnelleren, unkomplizierten Plattformen wie Snapchat oder Instagram. Und dort ist eine neue Generation von «Influencern» auf der Überholspur: Sie nennen sich Noeliavid, Gabirano oder MisterElia und begleiten ihre Fans mit absurden Rollenspielen und Sketchen durch den Alltag. In ihren Jugendzimmern machen sie sich vor der Kamera über Prüfungsstress, strenge Eltern oder die Leiden eines Jugendlichen lustig und erreichen so bis zu 100 000 Follower. Ungefiltert teilen die jungen Instagram-Komiker Alltagsbeobachtungen mit ihren Fans. Diese erkennen sich selbst wieder, markieren ihre Freunde – ein Schneeballeffekt.

Dass die neuen Teenageridole eben authentische «Normalos» sind, die vor Pickeln, Geldproblemen und Zimmeraufräumen nicht gefeit sind, verändert auch den Werbemarkt. Immer mehr Firmen setzen auf Social-Media-Influencer, die ein Produkt in ihre Beiträge integrieren und mit ihrer Authentizität Werbungmachen, ohne dass es wie Werbung aussieht.

In der Schweiz steckt diese Art von Marketing noch in den Kinderschuhen. Doch besonders Senkrechtstarter Gabirano ist auf dem besten Weg, sein Instagram-Hobby zum Beruf zu machen.

«Wie klassisches Product Placement, nur authentischer»

Daniel Koss (21) gründete die Social-Media-Agentur Yxterix. Als Teenager war er selbst eine Youtube-Grösse. Heute agiert er als Influencer-Manager.

Was machen Sie als Influencer-Manager?

Hauptsächlich mache ich strategische Beratung und Marketing. Ich kümmere mich um Anfragen aller Art und finde im Anschluss Win-Win- Lösungen für Influencer und Werbekunden.

Was verstehen Sie unter einem Influencer?

Jemand, der die Leute beeinflussen kann. Jemand, der eine Fanbase von mindestens 10 000 Followern hat und nicht nur einfach Inhalt rezykliert, sondern wirklich ein Gesicht mit Identifikationspotenzial bietet. Diese Influencer können Werbung machen, ohne dass sie als Werbung wahrgenommen wird.

Wie schafft man es, ein Influencer zu werden?

Am besten betreibt man seinen Kanal ein, zwei Jahre als Hobby und hat einfach Spass daran, kreativ zu sein. Die Videos können so auch Versprecher oder Fehler enthalten. Das kommt authentisch rüber. Man merkt, dass diese Leute keine Doktorarbeit schreiben, sondern ungefiltert ihre Meinung wiedergeben. So entsteht eine Beziehung auf Vertrauens­basis, die Person wird zum Vorbild im Alltag.

Was macht Gabirano und Co. so erfolgreich?

Bei Gabirano ist es ganz klar: Er hat das Talent und war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wichtig ist es, dass man konstant Videos produziert, sein Niveau hält und ein Alleinstellungsmerkmal hat. Der Markt in der Schweiz ist noch immer sehr klein. Richtig bereit für Instagram- Stars ist die Schweiz erst seit 2016.

Wie verdienen Influencer Geld?

Sie integrieren ein Produkt in ihre Videos, das zu ihnen und ihrem Alltag passt. Eigentlich ist das klassisches Product Placement – wie zum Beispiel in einem James-Bond-Film, nur authentischer. In der Schweiz verdienen grosse Influencer mit einzelnen Videos zwischen 3000 und 8000 Franken. Allerdings gibt es in der Schweiz noch sehr wenige Werbekunden, die darauf setzen. Viele haben Angst, 5000 Franken in ein Video zu investieren. Bezahlt wird nämlich die Reichweite und Glaubwürdigkeit, nicht der Aufwand, den der Influencer hat.

Ein solcher Verdienst klingt ganz lukrativ.

Das ist natürlich so. Aber man muss sich bewusst sein, dass es sich ähnlich wie bei Songwritern oder Filmemachern in Hollywood verhält: Es gibt ­neben den sehr Erfolgreichen auch wahnsinnig viele von dieser Art, die nicht davon leben können. In den meisten Fällen fehlen Talent oder Durchhaltevermögen. In der Schweiz wird man nicht über Nacht gross.

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