25. August 2017

Harley-Knattern für kranke Kinderherzen

Eine Gruppe von Harley-Davidson-Fans sammelt mit dem Charity-Ride Geld für herzkranke Kinder. Hans Georg Oechslin und seine Frau Erika Coradi sind zwei dieser Biker mit Herz.

Erika Coradi und Hans Georg Oechslin am Bürkliplatz
Leidenschaftliche Harley-Fahrer: Erika Coradi und Hans Georg Oechslin am Bürkliplatz.

Sie habe das Töfffahren im Blut, sagt die Rentnerin Erika Coradi (67). Die einstige Marketingfrau der ­Migros ist 168 Zentimeter gross und 53 Kilogramm schwer – und somit gut sechsmal leichter als ihre Harley-Davidson. «Meine Mutter sass noch auf dem Motorrad meines Vaters, als sie schon mit mir schwanger war – und ich selbst setzte mich als junge Frau bei jedem hinten auf den Töff», erzählt sie schmunzelnd.

1990 sass sie dann erstmals auf der Maschine ihres späteren Ehemanns Hans Georg Oechslin (67). Doch das war der Draufgängerin zu wenig. «Ich wollte selbst einen Töff steuern.» Im Frühling 1996 beantragte sie den Lernfahrausweis, schon im September schaffte sie die Prüfung und kaufte sich kurz danach eine eigene Harley.

Bereits 1990 leistete sich ihr Mann einen Töff dieser Kultmarke. Er wurde damals vom Co-Pilot zum Kapitän befördert. «Eine Harley war immer mein Traum. Nur konnte ich sie mir als Co-Pilot nicht leisten.»

1995 heirateten die beiden, und seit sie ihre Harleys haben, fahren sie praktisch ausnahmslos damit in die Ferien – nach Irland, Schottland, Spanien, Frankreich, Sizilien und Kroatien. «Im näheren Europa kennen wir sozusagen jeden Pass und jede Strasse.» Oechslin ist zwar inzwischen pensioniert, arbeitet aber in Volketswil ZH als Immobilienverwalter weiter. «Ich muss mir doch mein Hobby irgendwie finanzieren», sagt er lachend.

Erika Coradi hat das Töfffahren im Blut: «Meine Mutter sass noch auf dem Motorrad meines Vaters, als sie schon mit mir schwanger war.»

Er ist Gründungsmitglied und Direktor des «Harley Owners Group Club – Pelican Chapter Zurich-City», wo er seine Begeisterung mit anderen Mitgliedern teilt; seine Frau ist dort Sekretärin oder «Ladies of Harley Officer». Vor 15 Jahren kam im Verein die Idee auf, benachteiligten Menschen zu helfen – ­ähnlich wie die Benefizveranstaltung Love Ride.

So wurden die «Charity Riders» gegründet, quasi der Club im Club. Seither sammeln sie Geld, damit herzkranke Kinder am Kinderspital Zürich psychologischbetreut werden können, etwa vor einer schweren Operation. 2003 fand der erste Anlass statt, am 3. September drehen die Charity Riders mit ihren Harleys bereits zum 15. Mal ihre Runden entlang des Zürichsees.

«Seit der Gründung haben wir 364 900 Franken gesammelt», sagt Oechslin und präsentiert stolz eine Liste, auf der die jährlichen Einnahmen aufgeführt sind. Gleichzeitig betont er: «Wir sind keine Einzelkämpfer. All das können wir nur dank unserer Mitglieder und Freunde realisieren. Am Anlass stehen rund 30 Fahrer im Einsatz, die für 350 Fahrten sorgen, darunter auch mit einem Rolls-Royce, einem McLaren-Mercedes und einem alten Mustang.» Das Publikum zahlt für diese Passagierfahrten entlang des Zürichsees mindestens 10 Franken, blättert für das Kinderspital aber meist ein Vielfaches davon hin. Es gebe Privatleute, die 2000 Franken locker machten.

Das gesammelte Geld überbringen die Charity Riders dem Kinderspital dann meist im Spätherbst mit einem symbolischen, überdimensionalen Scheck. Oechslin, selbst kinderlos, erzählt: «Einmal erhielten wir im Kispi eine Führung mit einem Herzchirurgen. Es war berührend, die jungen Patienten mit ihren Infusionen zu sehen, vom Neugeborenen bis zum 16-jährigen Teenager.»

Gelebte Solidarität unter Harley-Fahrern

Weil sie der Stadt keine Standgebühr zahlen müssten, könnten sie 99 Prozent des Geldes dem Kispi überweisen, betont Coradi. Und sie erzählt von einem Hochzeitspaar, das auf Geschenke verzichtete und stattdessen die Gäste aufforderte, für den guten Zweck zu spenden. Ein Clubmitglied verlor ihren Mann und sagte, sie möchte statt Blumen lieber eine Spende für die Charity Riders. «Das ist eben Harley, das ist gelebte Solidarität unter uns Fahrern», sagt Coradi. Und ihr Mann schwärmt: «Harley-Fahrer sind spezielle Menschen. Es gibt keine Marke, die weltweit ein so starkes Zusammengehörigkeitsgefühl auslöst. Man kann das nicht erklären, das muss man erlebt haben.»

Nächstes Jahr findet in Prag ein europäisches Harley-Treffen statt, wo die Fans vom 5. bis 8. Juli das 115. Firmenjubiläum feiern. Ob das Ehepaar mit dem Töff hinreist? «Aber klar!» lautet die Antwort von Coradi, die dann immerhin gegen 70 Jahre alt sein wird. Genauso klar ist für sie, auch bei der 16. Austragung des Charity Rides am ­Zürcher Bürk­liplatz wieder dabei zu sein – als Mädchen für alles, wie das schon in den Vorjahren der Fall war.

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