09. Februar 2015

Schweizer Youtube-Stars

Sie filmen sich beim Plaudern über Games, Schminke und Erziehung ‒ und brechen damit Klickrekorde: Vier Schweizer Stars auf Youtube im Kurzporträt und im Interview.

Die Videoplattform Youtube wird zehn Jahre alt
Die Videoplattform Youtube hat in nur zehn Jahren geschafft, wovon TV-Stationen heute nur träumen können. (Illus: 2agenten / Totto Renna)

Kanal: juliagraf / Abonnenten: 740'300

(Screenshot: Youtube)

Die Berner Oberländerin Julia Graf ist Anfang 30 und bestreitet mit Youtube-Videos ihren Lebensunterhalt. Ihr Kanal «Julia Graf» (neue deutsche Version) dreht sich rund um Make-up, Schönheit und Lifestyle: Sie filmt sie sich selbst beim Schminken, gibt Styling- und Ernährungstipps oder nimmt ihre Zuschauer mit auf Sonntagsspaziergänge.

Die ehemalige Studentin der Politikwissenschaften hat einen kanadischen Pass. Das ist wohl auch ihr Erfolgsgeheimnis: In ihren Videos spricht sie akzentfreies Englisch und erreicht damit User auf der ganzen Welt. Die meisten Fans kommen aus Deutschland, Brasilien und Kanada.
Julias beliebtestes Video heisst «Perfect Arches», hat fast sieben Millionen Klicks und zeigt, wie man perfekte Augenbrauen hinbekommt.

Ideen sammeln, Trends verfolgen, filmen, schneiden: Youtube ist harte Arbeit. Mindestens ein rund 15-minütiges Video lädt Julia Graf pro Woche hoch. Die wirklich aufwendigen Filme, zum Beispiel ein sogenanntes Halloween-Schmink-Tutorial, kosten sie schon mal zwei bis drei Arbeitstage.

Kanal: Diabl0x9 / Abonnenten: 1,67 Millionen

Benoît Moreillon beim Game-Test (Screenshot: Youtube)
Benoît Moreillon beim Game-Test (Screenshot: Youtube)

Der 21-jährige Walliser Benoît Moreillon hat mit seinem Youtube-Kanal eine riesige Fangemeinde. Und das dank seines Hobbys, des Gamens: Während Benoît Videospiele testet, gibt er seine Bewertungen und Erklärungen ab.
Mittlerweile kann er von dieser Tätigkeit leben: «Dank der 15-Sekunden-Werbespots vor den Videos, die wahrscheinlich jeden Zuschauer nerven, verdiene ich auch ein bisschen Geld.» 2012 hat er sogar die Schule abgebrochen, um sich ganz dem Gamen zu widmen. Der junge Welsche ist ein Autodidakt: Das Technische hat er sich selbst beigebracht. Besonders in Frankreich wird Benoît Moreillon mittlerweile oft auf der Strasse angesprochen und um Autogramme gebeten. «Das geht sogar schon so weit, dass die Leute mich an meiner Stimme erkennen!»

Kanal: Elternplanet / Abonnenten: rund 16'000

Kathrin Buholzer (Screenshot: Youtube)
Kathrin Buholzer (Screenshot: Youtube)

Die 42-jährige Journalistin, Lehrerin und Elterntrainerin Kathrin Buholzer aus Münsingen BE hat zwei Töchter (12 und 11) und bezeichnet sich selbst als Internet-Nanny. Ihr Blog Elternplanet hat 24'500 Facebook-Fans, und auch ihr Youtube-Kanal läuft rund.
Kathrin Buholzers Erfolgsrezept: Ihre Erziehungstipps kommen weder mit erhobenem Zeigefinger daher, noch sind sie hoch psychologisch. Lieber plaudert sie ganz alltäglich über imaginäre Freunde der Kinder, Skischule oder Streit zwischen Geschwistern. «Viele Eltern sind froh, wenn sie meine Tipps nicht nur schriftlich, sondern auch in Videoform anschauen können», sagt Buholzer. Und das auch mal in der Mittagspause oder abends, wenn die Kinder schlafen. Für ihre deutschen User macht sie auch Videos in Hochdeutsch. Zum Youtube-Kanal

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Romano Fischer
Romano Fischer aus Stans

Sein Video «Ausrutscher von Baby Elefant Omysha – Zoo Zürich» erreichte auf Youtube 5,7 Millionen Klicks und ging um die ganze Welt. Heute verdient sich der 18-jährige Maturand Romano Fischer aus Stans NW damit ein ordentliches Sackgeld.

Romano Fischer, wie kam es dazu, dass Sie im August das Elefantenbaby filmten?

Ich war mit meinen Eltern seit Langem wieder im Zoo Zürich. Da ich Architekt werden will, interessierte mich vor allem die neue Elefantenhalle. Meine Mutter meinte, ich solle mal mit der Fotokamera das süsse kleine Elefantenbaby filmen. Also hielt ich drauf.

Dann passierte es: Der junge Elefant rutschte aus, sofort eilten ihm die anderen Elefanten zu Hilfe und richteten ihn wieder auf.

Die Leute vor Ort waren alle total erstaunt und haben die Reaktion der Elefanten bewundert. Es war eindrücklich, so nah bei den Tieren zu sein.

Wann hatten Sie die Idee, das Video auf Youtube zu stellen?

Ich habe vorher noch nie ein Video auf Youtube hochgeladen, aber bei diesem hier dachte ich mir: Das könnte sich lohnen. Schliesslich zeigt es, dass Tiere in brenzligen Situationen genauso hilfsbereit reagieren wie wir Menschen.

Und dann?

Lange stagnierte das Video auf 300 Klicks. Einige Wochen später wurde es auf der Site von «20 Minuten» eingebettet. Plötzlich schnellten die Klicks hoch.

Sie bekamen von Youtube-Partnern Anfragen für die Vermarktung. Wie lief das ab?

Ich war ziemlich überrumpelt und wusste nicht, wie die Vermarktung überhaupt funktioniert und wie vertrauenswürdig das ist. Ich hatte auch Angst, dass ich die Rechte verliere. Dann habe ich einfach aus dem Bauch heraus einer Firma zugesagt. Ich hatte damals ein mulmiges Gefühl. Jetzt bin ich aber zufrieden.

Was genau macht diese Firma für Sie?

Sie verkauft Videolizenzen an andere Anbieter und schaltet Werbung vor mein Video. Ich erhalte von beidem 50 Prozent der Einnahmen.

Über welchen Betrag sprechen wir hier?

Im Internet steht, dass man mit einem viralen Video zwischen 1000 und 10'000 Franken verdienen kann. Ich liege etwa dazwischen. Der grösste Hype ist jetzt zwar vorbei, aber es läuft immer noch. Ich blicke da auch nicht ganz durch.

Wo wird Ihr Video überall angeschaut?

Meine Youtube-Statistik verrät mir, dass das Video bis zu den Fidschi-Inseln gesehen wird. Das alles ist ja nicht wirklich wahrnehmbar, weil es im Internet stattfindet. Aber es ist schon speziell. Es freut mich natürlich extrem. Ich kann das Geld gut gebrauchen, ich spare es für mein Architekturstudium.

Laden Sie wieder mal ein Video auf Youtube?

Ich denke nicht. Das Elefantenvideo bleibt eine einmalige Sache. Es war einfach ein riesiger Zufall.

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