07. Juli 2017

Hast du reserviert?

In Dijon ohne lange im Voraus getätigte Reservation essen gehen? Ausser der immer gleichen Frage gabs am Ende gerade einmal etwas Flüssignahrung.

Hier ist kein Platz mehr frei!
Hier ist kein Platz mehr frei! (Bild: Pixabay.com)
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Meine Restaurantbesuche sind selten akribisch geplant. Ich könnte nie in einem der Top-5-Restaurants der Welt ein Jahr im Voraus einen Tisch reservieren. Unsere Wochenendtrips sind immer kurzfristig geplant.

Vor einigen Wochen aber wollte ich einmal planen und einen Restauranttipp des geschätzten Kollegen Reto Wild für Dijon ausprobieren. Eine Woche zuvor rief ich dort an. Eine echte Leistung für mich. Nein, für Freitag oder Samstag sei kein Tisch mehr frei. Nein, mittags auch nicht. Also suchten wir spontan ein paar Restaurants aus einem Reiseführer heraus. Die Onlinebuchung versprach schnelle Gewissheit. Gewiss war indes nur eins: keine freien Tische am Freitagabend. Samstag auch nicht. Nicht einmal mittags.

Also schlenderten wir durch die Gassen der idyllischen Altstadt, liessen die Touristenfallen mit Speisekarten, die nicht weniger als 100 Gerichte auflisten, absichtlich unbeachtet. Ein kleines Restaurant, das auf den prosaischen Namen «Le Piano qui fume» hört, weckte unser Interesse.

Doch dann diese hässliche Frage «Haben Sie reserviert?». Wir verneinten tapfer in der Hoffnung, dass der Restaurantgott ein Einsehen habe und uns einen kleinen Tisch schenke. Wir ernteten ein mildes Lächeln.

Nachdem Pizzerien und die üblichen Restaurants mit den 100 Gerichten auf der Speisekarte ausgeschieden waren, versuchten wir es in zwei weiteren Restaurants, in denen noch nicht zu viele Leute Platz genommen hatten. Von Tischkärtchen mit dem garstigen Wort «Reserviert» liessen wir uns nicht abschrecken. Zu frisch noch war unsere Erinnerung an ein marokkanisches Restaurant, in dem alle Tische reserviert waren, wir einen Katzenplatz bekamen, aber über zwei Stunden hinweg kein weiterer Gast kam. Billiger Trick, um Beliebtheit vorzutäuschen.

Aber auch in den beiden weiteren Restaurants in Dijon bekamen wir jedes Mal ein «Haben Sie reserviert?». Letztlich landeten wir in einer Weinbar. «Haben Sie …» – weiter kam die freundliche Bedienung nicht, denn ich schüttelte energisch den Kopf und setze ein zerknirschtes Gesicht auf. Doch zumindest Bacchus hatte Erbarmen, und wir bekamen einen Platz an einem Stehtisch mit Barhockern. Die meisten Kalorien haben wir an diesem Abend in flüssiger Form zu uns genommen.

Für unsere Stippvisite in der Champagne bekam ich vor ein paar Tagen von einer Freundin einen Restauranttipp. Aber der Ausflug ist erst in vier Wochen. Eventuell. Vielleicht sind wir ja auch ganz woanders und finden spontan ein Restaurant, das immer für ein paar Tische keine Reservierungen entgegennimmt.

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