17. Januar 2018

Grünfutter à la Liliput

Die Gartenbloggerin stolpert beim Ausmisten über ihre Sömli-Sammlung. Was sie auf die Idee bringt, sich in der Anzucht von Microgreen zu versuchen.

Microgreen
So sieht Microgreen kurz vor der Ernte aus. Geerntet wird am besten mit Schere und – Pinzette!
Lesezeit 3 Minuten

Keine Ahnung, ob es daran liegt, dass die Tage (zumindest in der Theorie) wieder länger werden. Auf jeden Fall hat mich zurzeit eine richtiggehende Ausmist- und Aufräumlust gepackt. Nach dem Badezimmerschrank im oberen Stock war dieses Wochenende mein Sideboard im Büro fällig. Dieses beinhaltet neben all dem Administrativen, was aus einem Dreipersonenhaushalt so resultiert, auch meine Sömli-Sammlung. Anders als im Gartenschopf, wo man solch eine Sömli-Sammlung eigentlich erwarten würde, ist es in meinem Sideboard nämlich schön trocken, und Mäuse hats auch keine.

Item: Während ich so meine Sömli-Säckli durchforstete, kam mir plötzlich ein Beitrag in den Sinn, den ich im (Achtung, Schleichwerbung!) aktuellen «Bioterra»-Heftli zum Thema Microgreen gelesen hatte. Microgreens sind junge Gemüse- und Kräuterkeimlinge, die anders als Sprossen in Erde gezogen werden. Da sie bereits kurz, nachdem die ersten Keimblätter erschienen sind, geerntet werden können, braucht man neben ein paar Sömli und einer Saatschale nur zwei, drei Wochen Geduld. Und das ganz ohne Düngen, Jäten und/oder Pikieren.

Und so habe ich mich kurzerhand entschlossen, meinen (hoffentlich grünen!) Microgreen-Daumen an den vom letzten Gartenjahr übriggebliebenen Radiesli-, Pfälzer Rüebli- und Portulak-Sömli zu testen. Portulak wächst zwar zurzeit auch draussen im Garten, aber dermassen verhalten, dass dort in den nächsten Wochen nicht viel zu erwarten ist.

Als Microgreen eignet sich im Prinzip alles, was sich auch ausgewachsen roh essen lässt. Also beispielsweise neben den obengenannten Radiesli, Rüebli und Portulak jedwede Art von Schnittsalat, Broccoli, Blumenkohl, Erbsen, Randen, Rucola, Rettich und Kohlräbli, aber auch Kräuter wie Basilikum, Dill, Kerbel, Koriander oder Kresse.

Bei grossen respektive harten Samen respektive Kernen wie von Erbsen, Buchweizen oder Sonnenblumen empfiehlt es sich, diese über Nacht einzuweichen. Wer Lust hat, kann die Samen auch gemischt ansäen. In diesem Fall empfiehlt es sich aber, auf ähnliche Keimzeiten zu achten.

Und so wirds gemacht:

* Saubere Saatschalen (im Prinzip geht auch jedes andere flache Gefäss) mit ca. 2–3 cm Ansaaterde befüllen.
* Da Microgreens im Keimlingsstadium geerntet werden, werden die Samen sehr dicht ausgesät, und zwar so, dass sie nicht übereinander zu liegen kommen.
* Lichtkeimer werden einfach nur etwas fest angedrückt, Dunkelkeimer mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt.
* Mit einer Sprühflasche gut einsprühen, das Wasser sollte Zimmertemperatur haben.
* Eine über das Gefäss gezogene Frischhaltefolie sorgt während der Keimphase für mehr Luftfeuchtigkeit und damit ein gutes Keimklima.
* Das Gefäss in einem warmen Raum auf einen hellen Fenstersims stellen.
* Täglich Feuchtigkeit überprüfen. Zu viel Wasser fördert Schimmel, zu wenig lässt die Keimlinge vertrocknen.
* Sobald sich drei, vier echte Blätter gebildet haben, wird geerntet. Gegessen werden Stängel und Blätter, entweder als Zusatz im Salat, als Gewürz auf der Suppe oder – auf einem Butterbrot.
* Wer alle vier Tage ein neues Gefäss in Betrieb nimmt, kann laufend ernten.

Und wenn wir grad schon beim Thema Sämlinge sind: Ich werde immer mal wieder gefragt, woran man erkennt, dass Saatgut noch keimfähig ist.


Mehr zu Hobbygärtnerin Almut Berger:

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