15. August 2017

Grüne Hölle

Zur Zeit ist die Zeit, wo einem der Garten gern über den Kopf wächst. Vor allem, wenn man noch anderes zu tun hat als nur zu bibäbele. Das hat aber auch Vorteile!

Überwuchertes Gartenbeet
Wann ist ein Gartenbeet ein «ordentliches» Gartenbeet? Und was heisst eigentlich «ordentlich»?
Lesezeit 2 Minuten

Gestern stand ich im Gemüsegarten einer Freundin. Wobei der Begriff «Gemüsegarten» dem, was ich da zu sehen bekam, nicht wirklich gerecht wird: Sonnenblumen umschlingende Feuerbohnen, gen Himmel ragende Kopfsalatbäume, von Erdöpfelkraut platt gedrücktes Erbsengeknäuel – man hätte auch von einem Dschungel, einem Urwald, einer grünen Hölle sprechen können.

Dazu muss man wissen, dass besagte Freundin aber nicht nur Hobbygärtnerin, sondern auch noch Milchbäuerin im Haupt- und Bürofachkraft im Nebenerwerb, dreifache Mutter und zweifache Fussball-Mom (Kind Nummer 3 spielt Klavier) ist. Dazu kommen zwei Stifte, die geführt werden wollen/sollen plus Diverses anderes, was an den 24 Stunden nagt, die ein Tag nun mal bloss zur Verfügung stellt.

Mit der Konsequenz, dass meine Freundin meist erst dann in ihrem Gemüsegarten steht, wenn Vieh, Mann, Kinder und Stifte im Bett sind. Giessen lässt sich ja notfalls mit der Stirnlampe, jäten hingegen schon weniger.

Anfangs habe sie sich richtiggehend geschämt, wenn sich ihr Garten nicht so präsentierte, wie es sich für einen ordentlichen Bauerngarten respektive eine ordentliche Bauersfrau gehöre, erzählte sie mir bei einem Kafi. Zumal der Gemüsegarten, als ihn noch ihre Schwiegermutter selig pflegte, immer tipptopp ordentlich gewesen sei.

Heute kann sie über ihre Komplexe lachen. Unterdessen hat sie nämlich herausgefunden, dass ihre Kohlräbli anders als die der Schwiegermutter selig immer butterzart sind – dank dem Schattenwurf des Unkauts, das im Laufe der Gartensaison immer mehr überhandnimmt. Und dass sie sich keine Sorgen mehr um ihre frisch gesäten Rüebli, Radiesli und Höckerli machen muss: Diese wachsen ebenfalls bestens beschirmt und damit von Vogelfrass geschützt dem Kochtopf entgegen.

Am meisten Plausch hat sie aber an der Tatsache, dass ihre Kinder, je verwilderter der Gemüsegarten ist, desto begeisterter bei der Ente mithelfen: So habe der Jüngste erst heute Morgen wieder angekündigt, er gehe jetzt auf Expedition, Erbsli jagen.

Und darum habe ich mich entschlossen, mich hier im Gartenblog für einmal nicht darüber auszulassen, dass mein Gartenparadies ebenfalls auf dem besten Weg ist, sich in eine grüne Hölle zu verwandeln. Hölle ist das, was man daraus macht. Und butterzarte Kohlräbli – die sind einfach nur himmlisch!

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