28. September 2017

Götterdämmerung im Weltall

Natürlich geht es in «Alien: Covenant» in erster Linie um schreckliche Monster und die meist zwecklosen Versuche von ein paar Raumfahrern, diese zu überleben. Aber eigentlich beschäftigt Regisseur Ridley Scott viel Tiefgründigeres: die Herkunft des Menschen und die Unzulänglichkeiten von Schöpfern

Michael Fassbender
Auch ein begnadeter Pianospieler: Michael Fassbender als Android David. (Bilder: Fox Entertainment Group)
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Alles fing 1979 mit «Alien» an, einem geradlinigen Science-Fiction-Horrorfilm, in dem die Besatzung eines Raumschiffs sich versehentlich eine ausserirdische Kreatur an Bord holt und nach und nach von ihr abgeschlachtet wird. Nur eine Frau (gespielt von Sigourney Weaver) überlebt. Für seine monströse Kreation erhielt der Schweizer Künstler H.R. Giger (1940-2014) einen Oscar, und der Film des britischen Regisseurs Ridley Scott gilt heute als Genre-Klassiker.

Natürlich gab es Fortsetzungen, mit wechselnden Regisseuren und schwankender Qualität, aber meist mit Sigourney Weaver, die tapfer immer mehr und immer monströsere Aliens zur Strecke brachte.

2012 holte sich Ridley Scott seine Kreation zurück und drehte mit «Prometheus» ein Prequel zum Original, also die Vorgeschichte. Mit dem Ziel zu erklären, was es mit den Aliens auf sich hat, woher sie kommen und wie sie entstanden. Ganz nebenbei erklärt er im Film auch gleich noch, weshalb sich auf der Erde menschliches Leben entwickelt hat – dank eines ausserirdischen Besuchers nämlich, der die Keimzellen dafür mitbrachte. Frei nach Erich von Däniken, wie Scott unumwunden zugibt.

Opfer des Kolonistenraumschiffs Covenant
Das erste Opfer des Kolonistenraumschiffs Covenant: Noch ahnen die beiden Frauen nicht, was ihnen demnächst blüht.

Die gleichen Ausserirdischen haben auch die Aliens kreiert, als schreckliche Waffe, über die sie selbst schliesslich die Kontrolle verloren haben – so viel erfahren wir in «Prometheus», wo die beiden Kreationen dieser Ausserirdischen, Mensch und Alien, erstmals aufeinanderstossen (der Film spielt im Jahr 2093, 29 Jahre vor den Ereignissen des allerersten Teils ). Überleben tut dies wieder nur eine Frau (Noomi Rapace), die am Ende den schwer beschädigten Androiden David (Michael Fassbender) zusammenflickt und sich mit ihm und einem noch funktionsfähigen Raumschiff der Ausserirdischen auf den Weg zu deren Heimatplaneten macht.

Auf genau diesen Heimatplaneten stösst durch einen unglücklichen Zufall die Besatzung eines Schiffs menschlicher Kolonisten in «Alien: Covenant» (im Jahr 2104) – ahnungslos und erstaunt, einen derart lebensfreundlichen Planeten so weit entfernt von ihrem eigentlichen Ziel vorzufinden. Mit an Bord ist auch Android Walter, eine äusserlich exakte Kopie von David (erneut Michael Fassbender, in einer Doppelrolle). Letzterer ist denn auch das einzige Wesen, das die Kolonisten auf dem Planeten vorfinden, neben den Aliens, versteht sich. Die ursprünglichen Bewohner wurden alle ausgerottet.

Während David zuerst als Retter in höchster Not erscheint, stellt sich schon rasch heraus, dass der Android seine eigene Agenda hat. Obwohl selbst von den Menschen kreiert, empfindet er diese als schwach und unzulänglich, deshalb experimentiert er seinerseits an einer besseren, vollkommeneren Kreatur, einem Mix aus Mensch und Alien ...

So ergibt sich also eine bemerkenswerte Schöpfungskette: Die Ausserirdischen sind die Schöpfer der Menschheit und der Aliens, die Menschen sind die Schöpfer der Androiden, und ein Android arbeitet nun an der Kreation dieses Monsters, das schliesslich die Besatzung des Raumschiffs aus dem ersten «Alien»-Film so gnadenlos dezimiert. Und all diese Schöpfer, die Götter, wenn man so will, sind letztlich schwach und unvollkommen – und ihren Kreationen am Ende unterlegen. Ob dies allerdings auch für David gilt, wird erst der nächste «Alien»-Film zeigen, der für 2019 geplant ist, erneut unter der Regie des unverwüstlichen Ridley Scott, der am 30. November übrigens 80 Jahre alt wird.

Ridley Scott mit Heldin und Hauptdarstellerin Katherine Waterston
Regisseur Ridley Scott mit Heldin und Hauptdarstellerin Katherine Waterston.

Und der Film? Bietet tolle Schauwerte und wirksame Schockeffekte, einen exzellenten, sehr subtilen Michael Fassbender und Antworten auf viele Fragen, die am Ende von «Prometheus» übrig blieben. Er hat aber auch ähnliche Schwächen: Erneut spazieren die Menschen unrealistisch naiv und ungeschützt auf einem unbekannten, potenziell gefährlichen Planeten herum. Auch hier weiss man von Anfang an: Die meisten dieser Leute werden nicht überleben, und das übliche Schema F wird denn auch nicht wirklich durchbrochen. Und das Alien, einst mysteriös und auch deshalb so beängstigend, ist nun ausgiebig seziert und erklärt, was ihm einiges seiner Bedrohlichkeit nimmt.

Dennoch: Schöpfer Ridley Scott hat aus einem simpel gestrickten Science-Fiction-Horror etwas deutlich Komplexeres gemacht, eine bessere, vollkommenere Kreatur sozusagen.


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