20. Dezember 2017

Girls Gone Wild

In der wilden Comedy «Girls’ Night Out» will eine Gruppe ehemaliger Collegefreundinnen einfach nur ein Wochenende lang Spass haben. Dieser endet abrupt, als ihnen plötzlich ihr Stripper wegstirbt.

«Girls' Night Out»
Da ist die Welt noch in Ordnung: die Braut Jess (Scarlett Johansson, Mitte) und ihre Freundinnen auf dem Weg zur Party in Miami (Bilder: Sony Pictures Home Entertainment, GSA).
Lesezeit 3 Minuten

Es mag auf den ersten Blick nicht so aussehen, aber «Girls’ Night Out» ist der offizielle deutsche (!) Titel eines Films, der im Original «Rough Night» heisst. Gern würde man wissen, was den deutschen Verleih geritten hat, dem Film einfach einen neuen englischen Titel zu verpassen, aber tatsächlich kommt dies häufiger vor, als man denken würde .

Das Magazin der «Süddeutschen Zeitung» beschäftigte sich vor zwei Jahren mit dem Phänomen und vermutete Marketinggründe: «Der Blockbuster, mit dem Liam Neeson vor ein paar Jahren plötzlich zum Actionstar wurde, hiess Taken. Bedeutet auf deutsch ‹entführt›, aber die Gefahr war gross, dass die Leute das nicht so genau verstehen, der Verleih entschied sich für 96 Hours. Klingt das cooler? Na ja, wer spricht Zahlen auf Plakaten schon englisch aus? Geschätzte achtzig Prozent der Kinobesucher verabredeten sich dann eben für den Film ‹Sechsundneunzig Auas›».

Aber egal. «Girls’ Night Out» also, der genauso gut auch «Girls Gone Wild» hätte heissen können oder, frei nach Almodovar, «Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs» (1988), ist eine Art «The Hangover» (2009) mit Frauen. Unterhaltsam, etwas derb, ab und zu richtig lustig, ab und zu einfach nur doof. Highlights sind die gelegentlich gelungenen gesellschaftssatirischen Einsprengsel; Tiefpunkt ist die Gesamthandlung, die so wirkt, als hätte man drei, vier bereits existierende Filme genommen und neu zusammengemixt.

Jess, Alice, Blair und Frankie sind alte Collegefreundinnen, und als die angehende Politikerin Jess (Scarlett Johansson mit überraschend grossem Comedy-Talent) kurz vor der Hochzeit steht, organisieren ihre Freundinnen eine wilde Junggesellinnenparty in Miami, zu der auch Jess’ australische Freundin Pippa anreist (grossartig: Kate McKinnon, bekannt als Darstellerin von Hillary Clinton and Kellyanne Conway in der Comedy-Sendung «Saturday Night Live»). Den Ton gibt Jess’ beste Freundin Alice (Jillian Bell) vor: «We will be swimming in dick, girl!» Eher überraschend für eine US-Mainstream-Comedy: Blair (Zoë Kravitz) und Frankie (Ilana Glazer) waren mal ein Paar, und bei der Wiederbegegnung beginnen die Funken schon bald erneut zu sprühen.

Der Abend fängt vielversprechend an, mit reichlich Alkohol, etwas Koks und einem attraktiven Stripper. Doch gerade als der so richtig loslegen will, passiert ein unglücklicher Unfall mit Alice, und plötzlich liegt da ein Toter in seinem Blut, mitten in der edlen Villa, die ein grosszügiger Spender von Jess für das Wochenende zur Verfügung gestellt hat. Die Frauen geraten in Panik – jede hat Gründe, weshalb die Polizei besser nicht ins Spiel kommt. Und so beschliessen sie, den Toten verschwinden zu lassen. Was sich natürlich als nicht so einfach erweist.

Wie um alles in der Welt kriegt man diese sperrige Leiche in das kleine Auto?

Ob es nun ein Zeichen emanzipatorischen Fortschritts ist, dass sich auch Frauen in Hollywoodfilmen so schlecht (und dämlich) benehmen dürfen, wie Männer es schon länger tun, sei dahingestellt. Aber der Film zieht einen Teil seines gelungeneren Humors aus dem Kontrast mit dem Freundeskreis von Jess’ Bräutigam Peter (Paul W. Downs), lauter wohlerzogene, sensible, junge Männer, die an Peters Junggesellenabend ganz brav einfach ein Wine Tasting machen.

Verantwortlich für «Girls’ Night Out» sind Lucia Aniello und Paul W. Downs, bekannt für ihre Indie-Sitcom «Broad City» (seit 2014), und der Film schwankt denn auch ständig zwischen Mainstream-Kommerz und Independent-Sensibilitäten, wobei Ersteres letztlich schon dominiert. Alles in allem ein durchaus unterhaltsamer Film für einen verregneten Winterabend im Heimkino. Kommt vermutlich noch besser in Gesellschaft und mit Alkohol (wahlweise auch Koks und Strippern, dann jedoch Vorsicht vor Möbeln mit scharfen Kanten!).


«Girls' Night Out» gibts bei Ex Libris auf DVD und Bluray


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