02. November 2017

Gewaltige Gefühle auf Knopfdruck

Elena Bernasconi ist nicht objektiv, wenn es um Patent Ochsner geht. Nur schon deswegen, weil sie auch immer wegfliegen wollte.

patent ochsner strange fruits
Patent Ochsner bringen ein gewaltiges Livealbum.
Lesezeit 2 Minuten

So viel vorweg: «Strange Fruits» ist hörenswert. Es ist ein gewaltiges, wunderbares Album, dieses Livekonzert von Patent Ochsner. Entstanden ist es diesen Sommer, bei einer Konzertreihe im Landesmuseum in Zürich.

Zufall ist das nicht: Patent Ochsner ist eine Band, die live besonders gut aufspielt. Manchmal führt dieses Plus allerdings dazu, dass mir ihre Konzerte zu überwuchtet sind, die einzelnen Songs in die Länge gezogen werden. Diesmal nicht. Auf dem Album «Strange Fruits» spielt die Band, verstärkt von fünf Bläsern, sec, aber virtuos auf. Dazu gibt es einen Groove, der einem die Tränen in die Augen treibt und ein seliges Lächeln aufs Gesicht zaubert.

In den USA nennt man eine Band wie Patent Ochsner einen «household name». Überflüssig, sie näher vorzustellen, weil alle sie kennen. Jeder von uns hat eine Geschichte zu einem ihrer Songs zu erzählen: Zur «Venus vo Bümpliz» zu «Scharlachrot» oder «Trybguet». Meine Geschichte gehört zu «Bälpmoos». Vielleicht liegt es daran, dass ich als Kind auf ebendem Flugplatz stand und von dort zum ersten Mal in einer Cessna mitfliegen durfte. Vielleicht war es auch der Drang, selber endlich wegzuwollen oder es liegt daran, wie gradlinig dieser Song vorwärtszieht.

Elena Bernasconi, hier auf dem Flugplatz Samedan, liebt den Song «Bälpmoos».

Auf «Strange Fruits» ist «Bälpmoos» Song Nummer 12. Wahrscheinlich hat die Band den Song mittlerweile gefühlte 700 Millionen Mal gespielt. Trotzdem spielen sie ihn hier so, dass er immer noch mitreisst. Später habe ich festgestellt, dass Songpicken auf dieser Scheibe überflüssig ist. Drückt man Play, gibt es auf diesem Album von Anfang bis Ende gewaltige Gefühle auf Knopfdruck: «Hotelsong», «Kreissaal», «Niemer im Nüt» oder «Vater», ein Song, der Büne Huber sonst zu nahe geht, um ihn live zu singen. Besonders in diesem Song spiegelt sich für mich die Atmosphäre der Konzertreihe im Landesmuseum: ein ganz starker Moment in der Geschichte von Patent Ochsner.


Das Livealbum und die DVD Patent Ochsner «Strange Fruits» gibt es bei Ex Libris.

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