16. September 2017

Generation Zen

Brave New Girl entdeckt weitere Freuden der Langsamkeit – und ist damit voll im Trend.

Medidation, Yoga, Zen: Total angesagt bei den Jungen.
Medidation, Yoga, Zen: Total angesagt bei den Jungen. (Bild: Pixabay.com)

Wie Sie, liebe Leserschaft, der letzten Kolumne entnehmen konnten, bin ich derzeit auf dem Entschleunigungstrip. Seit dieser bewussten Entscheidung hat sich mein Leben merklich verbessert.

Ich treffe weniger Freunde und führe weniger Small Talk. Dafür mehr echte Gespräche. Ich habe mir seit Tagen nicht mehr die Zunge an heissem Tee verbrannt und verpasse Trams am Laufmeter. Ich tue ab und zu sogar das Unaussprechliche und bleibe am Freitagabend daheim. Mein Klout-Faktor ist im Keller – meine Zufriedenheit im All-Time-High.

Mit Faulenzen hat das alles aber nicht wirklich zu tun. Eher mit der Überzeugung, dass man sich dem Diktat der Leistungsgesellschaft auch entziehen kann, ohne dass die Welt untergeht.

Lange hatte ich das Gefühl, mit dieser Einstellung die totale Exotin zu sein. Schliesslich ist meine Generation doch geprägt vom Diktat des «Besser! Schneller! Lauter! Mehr!». Aber falsch gedacht.

Je mehr ich mich mit Leuten über diese Themen unterhalte, desto mehr von ihnen outen sich als Verbündete. Die Menschen in meinem Umfeld praktizieren Meditation, Yoga und Digital Detox bis zum Gehtnichtmehr.

Mein halber Freundeskreis hat derzeit die Meditations-App «Headspace» auf dem Smartphone installiert. Und wer es sich leisten kann, arbeitet Teilzeit. Wir entwickeln uns kollektiv zu schlechterem Humankapital, zu ökonomisch weniger ausschlachtbaren Arbeitskräften – und ich finde diesen Trend über alle Massen beruhigend.

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