01. Dezember 2018

Gefangen in der City

Viele komplizierte Wege führen unsere Stadt-Land-Kolumnistin in ihr Dorf. Und manchmal führt gar kein Weg dorthin.

Manchmal fühlt sich Lisa Stutz in der Stadt gefangen. Zum Beispiel im Verkehrsstau (Bild: Unsplash).
Manchmal fühlt sich Lisa Stutz in der Stadt gefangen. Zum Beispiel im Verkehrsstau (Bild: Unsplash).
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Hast du schon gemordet, geraubt oder betrogen? Geschlagen, veruntreut oder gefälscht? Wenn nein, warst du wohl noch nie im Gefängnis. Und wenn ja, hat man dich vielleicht nicht erwischt. Jedenfalls weisst du und ich nicht, wie sich ein Leben hinter Gittern anfühlt. Obwohl ich seit Kurzem eine leise Ahnung davon habe. Ich war gefangen. Und zwar in Zürich. Das klingt jetzt für die Basler, Berner, Luzerner und St. Galler unter euch nach einem schrecklichen Albtraum. Ich kann euch beruhigen: Sooo schlimm war es nicht. Aber sehr mühsam.

Ich hatte am späteren Nachmittag einen Termin bei meinem Hausarzt. Zeitig verliess ich das Büro in Zürich, um pünktlich auf dem Land zu sein. Schön wärs! Am Hauptbahnhof schon fast in Zug Nr. 1 gehüpft (ich brauche mehrere, um nach Hause zu kommen), erfuhr ich, dass sich auf der Strecke von Zug Nr. 2 ein Unfall ereignet hatte. Nichts fuhr mehr.

Weil ich zwar ein Landei, aber kein ÖV-Küken bin, stieg ich nicht in Zug Nr. 1 ein – sonst wäre ich in der Agglo gestrandet. Stattdessen nahm ich das Tram Nr. 13 (das heisst tatsächlich so) und fuhr durch die halbe Stadt zur Station des Schnellbusses, der meine Region ansteuert. Doch wie das bei Bussen so ist, verkehren sie auf Strassen. Und wie das bei Strassen so ist, sind sie manchmal verstopft. Und wie das bei Verstopfung so ist, ging, gopfertori!, wieder nichts mehr.

«Ich stecke hier in Zürich fest!», schilderte ich der Arzthelferin per Telefon. Sie schien keine Baslerin, Bernerin, Luzernerin oder St. Gallerin zu sein, denn sie hatte überhaupt kein Mitleid. Heute gebe es keine späteren Termine mehr. Na gut. Ich bedankte mich trotzdem artig. Vielleicht würde ich ja wegen guter Führung vorzeitig entlassen.

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