17. August 2018

Heikles Gedränge auf den Seen

An schönen Sommertagen geraten Kursschiffkapitäne ins Schwitzen. Schwimmer, Stand-up-Paddler und Mietboote kreuzen ihren Weg.

Drei Jugendliche auf einem Gummiboot
Mit dem Gummiboot auf den See? Dann bitte die Regeln beachten. (Bild: J.Traid/Unsplash.com)

An heissen Tagen ist einiges los auf den Schweizer Seen: Kursschiffe kreuzen, Motorboote brausen vorbei, Stand-up-Paddler suchen ihre Mitte, und Pedalofahrer lassen sich treiben. Immer wieder kommt es inmitten dieser Idylle zu brenzligen Situationen.

Jürg Graber (47), Kapitän bei der BLS auf dem Thunersee, spricht von «prekären Momenten», die er auf dem Schiff erlebt. «Stand-up-Paddler stehen in der Fahrstrasse der Kursschiffe, und Schwimmer missachten das Badeverbot bei Schiffsstegen.» Sie seien sich nicht bewusst, wie gefährlich die Sogwirkung einer Schiffsschraube ist.

Kollege Michel Scheurer pflichtet ihm bei: «Viele wissen nicht, wie man sich auf dem See korrekt verhält», sagt er. Seit 25 Jahren ist der 47-Jährige Kapitän, früher teilte er den Vierwaldstättersee nur mit Wasserskifahrern, heute sei das Freizeitangebot auf den Seen viel grösser, und entsprechend gestalte sich das Nebeneinander komplizierter.

In dieser Saison machen Scheurer vor allem die Schwimmer Sorgen. An Hotspots, wie der Station Verkehrshaus, tummelten sich ständig Jugendliche, die sich einen Sport daraus machten, möglichst nahe an einem fahrenden Kursschiff ins Wasser zu springen. Das signalisierte Badeverbot kümmere sie nicht.

Auch auf dem Zürichsee hat die Risikobereitschaft zugenommen. «Die Schwimmer im Zürichsee verhalten sich zunehmend unachtsam», sagt Wiebke Sander (43) von der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft. Es ist gesetzlich verboten, im Umkreis von 100 Metern eines Schiffssteges zu schwimmen. Viele ignorierten aber das Verbot. Mit der Folge, dass ein Schiff manchmal eine Station nicht anfahren oder von dort nicht abfahren kann. «In solchen Situationen ziehen wir die Polizei hinzu.»

Saftige Bussen

Auf den Seen gelten andere Regeln als auf den Strassen. Wer gegen Gesetze verstösst, bekommt keine Busse, sondern die Seepolizei erstattet Anzeige. Ein Einzelrichter fällt ein Urteil. «Verstösse gegen ein Badeverbot können schnell einige Hundert Franken kosten», sagt Kapitän Scheurer.

Bei der Wasserpolizei Luzern sind rund um die Uhr vier Personen im Einsatz. Sie sind vor allem damit beschäftigt, die Sicherheit aller im und auf dem Wasser zu garantieren, wie Simon Kopp (49) von der Kantonspolizei Luzern erläutert. Die Polizisten wiesen wiederholt Seeüberquerer darauf hin, dass man sie ohne bunte Badekappe und Begleitung kaum sehe. «Viele Stand-up-Paddler achten zu wenig auf Kursschiffe, Mietboote fahren kreuz und quer und bringen sich und andere in heikle Situationen.»

Baderegeln zu wenig bekannt

Auch Philipp Binaghi (40) von der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) wünscht sich mehr Vorsicht am Wasser. Aus der Unfallforschung sei bekannt, dass sich SLRG-Rettungsschwimmer bis zu 99 Prozent mit Prävention beschäftigten. Ende Juli hat die SLRG deshalb eine Kampagne lanciert, die sechs Baderegeln in Erinnerung ruft.

Erstens: Kinder immer beaufsichtigen. Zweitens: Nie alkoholisiert ins Wasser. Drittens: Nie überhitzt ins Wasser springen. Viertens: Nicht in trübe oder unbekannte Gewässer springen. Fünftens: Luftmatratzen bieten keine Sicherheit im tiefen Wasser. Sechstens: Lange Strecken nie alleine schwimmen.

Mehr zu den sechs Baderegeln: www.ich-trage-verantwortung.ch

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