18. Juli 2018

Geburt und Tod im Tigergehege

Darauf hat der Walter Zoo lange gehofft: Bei den Tigern gibts Nachwuchs! Die Freude ist riesig – aber auch getrübt: Von einem der drei Babys mussten wir uns verabschieden.

Tigerbabies im Walter Zoo
Obwohl sich Tigermama Julinka liebevoll um den Nachwuchs kümmert, hat es ein Baby nicht geschafft.

Er wäre fast ausgestorben, der Sibirische Tiger: In den 1940er-Jahren war der Wildbestand bedrohlich tief, heute umfasst er Schätzungen zufolge wieder um die 500 Tiere. Damit gilt der Sibirische Tiger noch immer als stark gefährdet – entsprechend wichtig ist die Zucht.

Der Walter Zoo beteiligt sich an einem internationalen Erhaltungszuchtprogramm. So wurde Ende 2016 die junge Tigerin Julinka, die in einem tschechischen Tierpark zur Welt kam, an unseren Zoo vermittelt – als Partnerin für unseren Tiger Viktor. Die beiden sollten Junge bekommen und dadurch mithelfen, die Tigerpopulation zu stützen. Doch das schien zunächst nicht zu klappen. Zehn Tage lang sammelten wir diesen Frühling Kotproben für Hormontests. Das Ergebnis: keine erhöhten Hormonwerte – in nächster Zeit also kein Nachwuchs.

Was bewegt sich denn da?


Dann aber entdeckte die Tierpflegerin eines Morgens, dass sich hinter Julinka beim Strohhaufen in einer Höhle noch etwas bewegte. Als wir die Höhle mittels Feldstecher aus dem Fenster des Seminarraums direkt bei der Tigeranlage inspizierten, war die Überraschung gross: Da lagen tatsächlich drei neugeborene Tiger! Nun war auch klar, warum Julinka in den vergangenen Tagen nichts gefressen, sich oft in den Höhlen aufgehalten und einen Strohhaufen aufgeschichtet hatte.

Tiger mit drei Babies
Trotz allem ein künftiger Publikumsmagnet: die Tigerbabys im Walter Zoo

Ein schwierige Entscheidung

So unbeschreiblich gross die Freude bei dieser Entdeckung auch war, so beunruhigend sind die Beobachtungen, die wir nach ein paar Wochen machen müssen: Während zwei Tigerli sich prächtig entwickeln und von Julinka immer wieder Neues lernen, hat das dritte grosse Mühe, sich zu bewegen und das Gleichgewicht zu halten. Beim Gehen fällt es immer wieder um, es kann nicht klettern und wackelt ständig mit dem Kopf. Was auch auffällt: Die Tigermutter kann sich nicht mehr ausreichend um das Kleine kümmern.

Wir untersuchen das Tier, finden aber keine eindeutige Ursache. Es ist zu vermuten, dass es sich um ein angeborenes Problem im Kleinhirn handelt. Müsste man das stark beeinträchtigte Tier von Hand aufziehen? Die Besprechung mit den Experten des Zuchtprogramms führt zum Schluss: Eine plötzliche Einzelhaltung wäre nicht artgerecht. Zudem würde der schwache Tiger eine spätere Begegnung mit Artgenossen nicht überleben – zu rabiat ist der Umgang unter Tigern. Wir entscheiden uns deshalb, das Tier einzuschläfern. Der Entscheid tut uns allen weh. Doch da ist auch immer noch die Freude – darüber, dass wir die bedrohte Tigerpopulation mit zwei Jungtieren aus unserer Zucht stärken können.

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