06. Juli 2015

Garten in Hanglage

Wo einst Schafe weideten, geniesst heute Familie Wiederkehr ihr in Fronarbeit erschaffenes kleines Paradies. Das Beispiel zeigt, wie man auf mehreren Etagen ein Bijou von einem Garten anlegen kann.

Familie Wiederkehr im Garten
Hier gärtnern Mats, Annina, Flurina und Andrea Wiederkehr (von links).

«Die vielen Etagen in unserem Garten haben eigentlich nur einen Nachteil.» Andrea Wiederkehr (38) schmunzelt: «Ich komme aus der Küchentür und fange gleich auf dem ersten Bödeli an zu jäten. Für die übrigen reichts dann meist nicht.» Das Grundstück der Familie Wiederkehr in Ottikon ZH steigt gleich hinter ihrem alten Bauernhaus steil an.

Garten am Hang, Terrassen
Mehr als 30 Lastwagen voll Erde mussten abgetragen werden, um eine steile Schafweide in einen auf verschiedenen Ebenen nutzbaren Garten zu verwandeln.

800 Quadratmeter verteilen sich auf insgesamt fünf Etagen oder eben Bödeli. Abgestützt werden diese von grossen Steinquadern; rund 40 Tonnen Sandstein hat Mathias «Mats» Wiederkehr (39) in den letzten Jahren peu à peu verbaut. Erst einmal musste er aber 30 Lastwagen Erde abführen: «Glücklicherweise habe ich einen Baggerschein, das hat so manches erleichtert.»

«Er verschiebt achli viel Erde!»

Als das Ehepaar Haus und Land vor elf Jahren kaufte, weideten am Steilhang Schafe. Eine mächtige Tanne nahm der Küche jedes Tageslicht und zwei, drei Rosenstöcke waren alles, was an einen Garten gemahnte. «Eine Steintreppe führte vom Schweinestall den Hang hinauf», erinnert sich Andrea Wiederkehr. «Wir sassen auf den krummen Stufen und entschieden, genau hier wollen wir unseren Traumgarten realisieren.»

Hanggärten sind planerisch anspruchsvoll, gerade wenn sie sehr steil sind. Dennoch entschieden sich die Wiederkehrs, ihren Traum in Eigenregie zu realisieren, brachten sie als Landschaftsgärtner respektive Floristin doch ein gewisses Know-how mit. Dass ihnen bereits die ersten Erdverschiebungen einen – glücklicherweise kurzzeitigen – Baustopp der Gemeinde einbrachte, darüber können sie inzwischen lachen.

Selbstgenügsame Flora

Nichtsdestotrotz erhob sich vier Jahre lang vor der Küchentür, die heute auf eine grosse Terrasse führt, ein gewaltiger Erdhaufen. «Als Landschaftsgärtner hat man im Sommer am meisten Arbeit», erklärt Mats Wiederkehr, «da musste unsere eigene Baustelle oft zurücktreten.» – «Dafür wussten wir dann, als es ans Bepflanzen ging, genau, was uns erwartet», ergänzt seine Frau, «nämlich ein Hang, an dem es wegen seiner Südausrichtung und einer oft starken Bise sehr trocken werden kann.»

Hortensie im Topf
Topfpflanzen (hier Bauernhortensien) hält sich Andrea Wiederkehr nur in der Nähe eines Wasserhahns.

In der Folge setzte die Floristin bewusst nur Sorten, die sich notfalls selber durchbeissen können: So wechseln sich heute auf dem einem Bödeli Rosen mit Liguster und Lavendel ab, während sich auf einem anderen Katzenminze zu Mohn, Storchschnabel und Frauenmänteli gesellt. Über das Spielhaus der beiden Töchter Annina (5) und Flurina (3) neigt sich ein knorriger Holunder, an einem hölzernen Telefonmast windet sich Hopfen, und zwischen den Sandsteinquadern laden Walderdbeeren zum Naschen ein.

Im Winter wiederum sorgen unzählige Buchsbaumkugeln wie auch die diversen Schilfgräser für Grün und Struktur. Durstigen Sommerflor hingegen zieht die Gartenbesitzerin nur auf der untersten Gartenebene direkt beim Haus. «Da hab ichs nicht weit zum Giessen», erklärt sie pragmatisch. Pünktchen auf dem i ist hier eine Kugelakazie: Den Hausbaum hat sie zum 30. Geburtstag von ihren Schwiegereltern bekommen.

Jäger und Sammler schöner Dinge

Es sind aber nicht nur die mit viel Liebe ausgewählten Pflanzen, die dem Garten seinen ganz speziellen Touch geben. Mats Wiederkehr ist auch ein wahrer Tausendsassa, wenn es darum geht, Marmorsäulen aus einer alten Villa, ein paar Laufmeter handgeschmiedeten Gartenzauns oder gar einen zwei Tonnen (!) schweren, einstigen Dorfbrunnen aus Tiefencastel zu ergattern: «Wird irgendwo in der Region ein Bauernhaus abgerissen, steht Mats garantiert als Erster auf dem Platz», erzählt seine Frau.

Und alles findet Platz im Hanggarten. So auch eine Rutschbahn für die beiden Meitli, die er vor ein paar Tagen heimgebracht hat. Diese verbindet jetzt Bödeli 4 mit Bödeli 3. «Wetsch au mal rutsche?», fragt Flurina. «Sie isch im Fall nöd so schnäll», sagt Annina.

So sah das Grundstück vor der Terrassierung aus:

Fotografin: Tina Steinauer

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