06. März 2020

Gärtnern ist bubileicht

Damit sie im Sommer Gurken, Zucchetti und Tomätli aus dem eigenen Garten haben, setzen Patrick Stöpper und seine Söhne John und Jayden schon im Februar Samen in die Erde. Was sie wo gesät haben, wissen sie nach der Arbeit aber nicht mehr so genau.

Mit den Fingern in der Erde: Familie Stöpper isst gerne das Gemüse aus dem eigenen Garten.
Mit den Fingern in der Erde: Familie Stöpper isst gerne das Gemüse aus dem eigenen Garten.

Auf dem blau-weiss gestreiften Plastiktischtuch liegt Erde. Gartenschäufelchen, Hacken und Sämli liegen wild durcheinander. Immer am Montagnachmittag haben John (5) und Jayden (7) schulfrei, und ihr Vater Patrick Stöpper (40) verbringt mit ihnen den halben Tag zu Hause. Heute steht bei der Familie in Wangen an der Aare BE Gartenarbeit auf dem Programm. Patrick Stöpper hat Aussaaterde, verschiedene Sämli und Saatschalen gekauft, um Gurken, Tomaten und Zucchetti zu setzen. Vielleicht auch noch Rüebli und Spinat fürs Hochbeet.

«Diese Gemüsesorten haben meine Jungs am liebsten», sagt er, während er die Packungen öffnet und die Samen auf den Tisch unter der schattigen Laube vor dem Haus leert. Die Buben holen ihre Schäufelchen und Hacken aus einer Kiste und suchen sich eine kleine Giesskanne aus. Auf der Strasse neben dem Einfamilienhaus fahren ein paar Nachbarskinder mit Inlineskates und Trottinett vorbei. Neugierig schauen sie durch die Hecke. «Was macht ihr da?», fragt ein kleines Mädchen. «Mir tüe gärtnere», antwortet John und wässert demonstrativ die Erde neben der Hecke. Mittlerweile ist auch Vater Patrick bereit. Er hat für seine Söhne die Aussaaterde aus einem Plastiksack in grosse Töpfe umgefüllt und die Saatschalen aufgereiht. «So gibts ein bisschen weniger Chaos», sagt er.

An die Arbeit: Jayden (links und John füllen konzentriert Erde in die Saatschalen.
An die Arbeit: Jayden (links) und John füllen konzentriert Erde in die Saatschalen.

Zusammen mit den Kindern zu gärtnern, gehört bei den Stöppers zum Frühling. Im vergangenen Jahr wuchsen Salatgurken, Peperoni und Basilikum in ihrem kleinen Hochbeet, sie konnten Äpfel vom Baum im Garten ernten und Trübeli vom eigenen Strauch pflücken. «Die Kinder lieben vor allem die kleinen Cherrytomaten, die sie dann zwischendurch schnäuseln», sagt Patrick.

«E fetti Zucchetti»

Zucchetti dagegen sind bei den Jungs weniger beliebt. Die müsse er im Essen verstecken. «Zum Beispiel geraffelt im Gratin», flüstert Patrick, um das Geheimnis vor allem seinem Jüngsten nicht zu verraten. Trotzdem erinnert sich John noch gut an das Gemüse: «Voriges Jahr gabs eine fette Zucchetti», sagt er und wiederholt ständig «fetti Zucchetti» während er auf und ab hüpft. «Ja, die war wirklich riesig. Etwa so gross», bestätigt Jayden und zeigt mit seinen Händen einen halben Meter an.

Freuen sich schon auf die Tomaten im Garten: Patrick Stöpper mit Jayden (links) und John.
Freuen sich schon auf die Tomaten im Garten: Patrick Stöpper mit Jayden (links) und John.

Behutsam füllt Jayden die Schälchen mit Erde, bohrt mit dem rechten Zeigefinger ein Loch in die Erde und versteckt zwei bis drei Samen zwei Zentimeter unter der Erde. «Wir stecken immer mehrere Samen in ein Loch. So wächst sicher etwas», sagt Jayden. John, der kleinere der beiden, würde gerne mithelfen, aber er kämpft mit der Tischhöhe. Nur mit Mühe erreicht er mit seinem Schäufelchen den Topf mit der Erde. Patrick holt ihm einen Schemel – jetzt kann er mit seinen Händen richtig in der Erde wühlen.

Die richtige Schreibweise

Nach kurzer Zeit sind die ersten Reihen Zucchettikerne gesät, und John beginnt mit den Gurken. Da fällt Jayden ein: «Wie wissen wir denn nachher, wo was drin ist?» Patrick Stöpper hat bereits Holzschildchen bereitgelegt. Jayden, der die erste Klasse besucht, darf sie beschriften. Er kann schon fast alle Buchstaben schreiben. Nur «der H» ginge noch nicht so gut. «Schreib es einfach so auf, wie du denkst, dass es richtig ist», sagt Patrick und bringt ihm einen dicken schwarzen Filzstift. Jayden setzt sich konzentriert an den Tisch und schreibt: Zggeti, Salatgurke, Tomate, Schpinat und Rübe.

Wie schreibt man denn jetzt Zucchetti? Jayden lässt sich auch von den schwierigen Worten nicht einschüchtern.
Wie schreibt man denn jetzt Zucchetti? Jayden lässt sich auch von den schwierigen Worten nicht einschüchtern.

Währenddessen hat John auch die restlichen Gurken- und Tomatensämli vergraben und jetzt dürfen die Jungs endlich ihre Giesskannen füllen. Konzentriert schütten sie Wasser über die Förmchen. «Das reicht, das reicht. Sonst gibts Taucherli», ruft Patrick und rettet die Samen vor dem Ertrinken.

Blumen für Mama

Die beschrifteten Schilder liegen zwar bereit, aber wo stecken jetzt die Gurken und wo die Zucchetti? «Ich glaube, da sind die Zucchetti drin», sagt Jayden. Aber ganz sicher ist er sich nicht mehr. «Nicht so schlimm, wir lassen uns einfach überraschen», sagt Patrick und steckt zusammen mit den Buben die Holztäfelchen in die Erde. Etwas gelangweilt nimmt sich der kleine John ein leeres Schild und den Stift. Er schreibt das einzige Wort darauf, das er bereits schreiben kann: John. Das steckt er in eins der Töpfchen. «Jetzt wächst hier ein kleiner John», sagt er und kann sich vor Lachen fast nicht mehr halten. Die Aussaatschalen stellt Patrick Stöpper in die Küche. Wenn die Pflänzchen genügend gross sind, wird er sie ins Freie setzen. «Wahrscheinlich müssen wir sie dann noch mit Vlies abdecken, damit sie nicht erfrieren», sagt er.

Alles am richtigen Platz: Jayden kontrolliert die abgefüllten Töpfchen
Alles am richtigen Platz: Jayden kontrolliert die abgefüllten Töpfchen.

Nach dieser anstrengenden Gartenarbeit sind die Kinder müde und etwas ungeduldig. Für «Schpinat»- und Rüben-Sämli reicht heute die Kraft nicht mehr. Aber Patrick hat noch eine letzte Idee. Er holt einen viereckigen Topf vom Fenstersims. «Kommt, wir setzen hier noch ein paar Blumensämchen und sagen Mami nichts davon. Dann blüht es plötzlich vor dem Fenster.» Ein letztes Mal nehmen John und Jayden ihre Schäufelchen in die Hände und füllen den Topf mit Erde. Für diese Überraschung reicht ihre Energie noch.

Verwandte Artikel

Nicole Giger (links), Fabian Wegmüller und Cathrin Michael wärmen sich schon mal am Feuer, bis das Chili bereit ist.

Ein echter Wintergarten