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14. Juli 2014

Gärtnern im Quadrat

Jeden Monat besucht Gartenbloggerin Almut Berger einen ihrer Mit-Blogger in seinem Garten. Diesmal schaut sie bei Verena Meier vorbei, die in einem Mehrfamilienhaus im aargauischen Brugg wohnt.

Verena Meier in der Hängematte
So richtig abhängen: das gönnt sich Verena Meier nur sonntags, wenn die 
Familie im Garten brötelt.

Nein, nein, sie sei wie besprochen nicht beim Coiffeur gewesen. Und sie habe ihren Mann davon überzeugt, den Rasen nicht extra für das Migros-Magazin zu mähen. Verena Meier (53) lacht verschmitzt. Als treue Gartenblog-Userin kennt sie das Konzept: «Bohne, Bluescht & Berger» zeigt die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Das gilt für die vorgestellten Gärten wie auch für ihre Besitzer – «fotoshöpple» können die anderen.

Der Blick vom Balkon auf den Pflanzblätz
Der Blick vom Balkon auf den Pflanzblätz – quadratisch, praktisch, gut!

An diesem Nachmittag präsentiert sich im Meier’schen Garten in Brugg AG die Wahrheit darin, dass die Chriesi nicht wollen, wie sie sollen: Fast reif, weist ein Grossteil der Früchte bräunliche Flecken auf. Dafür blühen die blauen Lilien umso perfekter: «Seit gestern, das habe ich extra so bestellt.» Die Mutter von drei Söhnen im Teenageralter schmunzelt: «Irgendwo muss ich ja punkten, wenn wir schon nicht rasenmähen durften!»

Neben den blauen Lilien buhlen pinkfarbene Rosen

Vier Partien wohnen in dem aufgestockten ehemaligen Doppeleinfamilienhaus. Rasen und Grillplatz werden von allen genutzt, das von einem Schneckenzaun umrahmte Pflanzquadrat hingegen bewirtschaftet Verena Meier in Alleinregie. Dort geht es gerade recht bunt zu und her: Neben den blauen Lilien und dem noch blaueren Rittersporn buhlen pinkfarbene Rosen, orange Kaiserkronen sowie ein ganzer Trupp gelber Ringelblumen um Aufmerksamkeit.

Wegen, so Verena Meier, mickrig-dünnen Stielen bald Geschichte: der Rhabarber.

«Das Farbkonzept ist etwas wild», gibt die Hobbygärtnerin zu, während sie sich nach einer weissen Lilie umsieht, die hier auch noch irgendwo blühen sollte, «man könnte sogar behaupten, ich hätte keins!» Ein Farbkonzept vielleicht nicht, aber eine klare Linie: Was nicht spurt, fliegt raus. Demnächst wohl auch der Rhabarber: «Das ist so einer mit mickrig dünnen Stielen, der ‹bschüsst› überhaupt nicht», begründet die Hauspflegerin, die in Brugg bei der Spitex arbeitet. «Bschüssen» tun hingegen die gelben Gurken, eine alte Sorte, die sie im Frühling auf Schloss Wildegg erstanden hat. Im aus Palettrahmen gezimmerten Hochbeet fühlen sich diese offensichtlich wohl. Verena Meier hat noch vier Kürbiskerne dazugesteckt – Halloweenkürbisse, diese riesigen, orangen.

Auch die zwei Heidelbeersträucher nebenan haben schön angesetzt. Unter einem fault Familienkater Rambo rum. Sein Bruder Blacky blinzelt hinter den Himbeeren hervor. «Nein, das sind Taybeeren», korrigiert sein Frauchen, «eine leicht säuerlich schmeckende Kreuzung aus Him- und Brombeeren.» Sie selber steht bereits beim Salatbeet – und schimpft: «Dass diese verflixten Weifäcke aber auch überall wuchern müssen!» Weifäcke? «Löwenzahn, fast so nervig wie die allgegenwärtigen Sämlinge von Nachbars Ahorn!»

Wollen würde sie stattdessen zum Beispiel einen 1000-Liter-Plastiktank. «Mit dem einen Regenfass komme ich nämlich nirgends hin. Verkleiden könnte man den Tank mit Brettern, wobei ‹man› einmal mehr mein mittlerer Sohn Sämi wäre.» Der Schreinerlehrling habe ihr gerade erst aus einem alten Fenster eine Couchette für ihr Hochbeet gebaut. Eine Couchette? Verena Meier kraust die Stirn: «Mein Pflegevater hat die mit Glas gedeckten Saatbeete in seiner Gärtnerei so genannt.» Sie habe ihm als Kind oft geholfen, diese zu beschatten. «Damals hat wohl auch meine Liebe zum Gärtnern begonnen.»

Meiers wohnen dort, wo der Sonnenstoren unten ist. Gegärtnert wird aber vorallem im Parterre.
Meiers wohnen dort, wo der Sonnenstoren unten ist. Gegärtnert wird aber vorallem im Parterre.

Ein weiterer Wunsch wäre das Zügeln des grossen Marmortischs neben der Aussentreppen zur Meier’schen Wohnung. «Er würde sich viel besser auf dem Grillplatz unter dem Chriesibaum machen.» Sowieso, der Grillplatz: Wenn die übrigen Familienmitglieder am Brötle sind, zieht sie sich gern in die bunte Hängematte auf der Wiese nebenan zurück, um Sudokus zu lösen oder auf «Bohne, Bluescht & Berger» zu bloggen. Verena Meier lacht ihr verschmitztes Lachen: «Das ist jeweils der einzige Moment im Garten, wo ich mal so richtig abhänge!»

Fotografin: Almut Berger

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