06. Oktober 2017

Fusspflege vom Profi

Die Sandalen-Saison liegt definitiv hinter uns. Das sollte aber kein Freipass sein, jetzt die Füsse zu vernachlässigen. Ein Besuch bei der Fusspflegerin oder Podologin zeigt, was es braucht.

Einfach schön: Gesunde und gepflegte Füsse
Einfach schön: Gesunde und gepflegte Füsse
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Samuel Moser giggelt zwischendurch, als Gisela Warthmann die Hornhaut an seinen Füssen mit einem Diamantfräser abträgt. Der 79-Jährige ist kitzlig. Andere Kunden würden während der Fusspflege sogar entspannt einschlafen, sagt Warthmann, die seit zwölf Jahren Füsse pflegt. Hässliche Füsse gibt es für sie nicht. «Nur arme Füsse, die leiden, sehe ich im Sommer zuhauf in Sandalen. Wenn man das mit der richtigen Pflege wieder hinbringt, ist es ein Erfolgsgefühl.»

Die Behandlung beginnt mit einem warmen Kräuterfussbad. Dann bringt Warthmann Haut und Nägel mit einem elektrischen Fusspflegegerät mit verschie­denen Fräseraufsätzen – runden, spitzen, kegelförmigen – in Form. Dabei entfernt sie schonend kleine Verhornungen.

Zum Einsatz kommen auch Zangen, Feilen und ein Nagelfalzgerät, mit dem sie akribisch den Schmutz unter den Nagelrändern hervorholt. Zwischendurch sprüht sie desinfizierenden Propolis-Spray auf. Kleine Defekte in den Nägeln füllt sie mit aushärtender Nagelmasse. «Jeder Fuss ist anders, jeder ist spannend», sagt die 66-Jährige, während sie jede Zehe, jeden Nagel und jede Schwiele eingehend behandelt.

Im Alter senke sich der Fuss ab. Das führe oft zu Fussveränderungen und Druckstellen, an denen sich Hornhaut bilde. Es könnten auch Schrunden und Risse entstehen. «Eine Fussbehandlung, die nach einer halben Stunde fertig ist – da kann etwas nicht stimmen», warnt die Fachfrau. «Gute Fusspflege braucht mindestens 50 Minuten.»

So hält der Lack sechs Wochen

Den Abschluss nach rund einer Stunde bildet eine Fussmassage mit einem kühlenden Gel. «Machen Sie nur weiter so!», sagt Samuel Moser, der diesen Teil der Behandlung besonders geniesst. «Es fühlt sich super an», bestätigt seine Frau Helga. Als ihre Füsse soweit vorbereitet sind, streicht Warthmann eine Grundierung auf die Nägel, danach den erdbeerroten Lack, den die Kundin gewählt hat, und zuletzt einen Überlack. Sechs bis acht Wochen halte die Farbe auf diese Weise, versichert die Expertin.

Gisela Warthmann ist seit fünf Jahren Präsidentin des Schweizerischen Fusspflegeverbands (SFPV). Auf das Diplom des Verbands legt sie Wert, denn es brauche «Wissen, Können und eine ruhige Hand. Das kann man nicht an einem Wochenende erlernen.» Mindestens 100 Stunden Ausbildung plus Weiterbildung, zum Beispiel in Fussmassage, seien für professionelle Fusspflege nötig.

Podologinnen absolvieren gar eine dreijährige Berufslehre. Im Unterschied zu den Fusspflegern dürfen sie auch medizinische Fussbehandlungen durchführen und Risikopatienten behandeln, zum Beispiel Personen mit Diabetes, Durchblutungsstörungen oder Rheuma. Vor der ersten Sitzung wird der Kunde medizinisch befragt: Nimmt er Blutverdünner? Bestehen Allergien oder Durchblutungsstörungen? Alldas kann relevant sein.

«Wichtig ist zum Beispiel, dass die Nägel keine Kanten haben», sagt Lea Kurmann. Sie ist seit neun Jahren als ­Podologin tätig – immer mit Mundschutz, wegen des Staubs. Zuerst kürzt sie die Nägel ihrer Kundin mit der Nagelzange. Danach werden die Kanten mit dem Nassfräser fein geschliffen. Die Regel, Fussnägel gerade abzuschneiden, gelte nicht für alle Menschen. «In Ausnahmefällen muss die Podologin sie abrunden, um sie dem Verlauf des Nagelbetts anzupassen», erklärt Kurmann. Auch die Hornhaut sowie die Häutchen links und rechts am Nagelfalz trägt sie bevorzugt mit Hautzange und Skalpell ab. Für den «letzten Schliff» greift sie zur Hautfeile.

Es muss nicht ein Pilz sein

Ein Nagel ihrer 85-jährigen Patientin ist dicker als die anderen. «Viele halten das für Nagelpilz. Aber das muss nicht sein. Im Alter werden die Nägel häufig dicker», sagt Kurmann. Auf die Nägel gibt sie zuletzt noch einen Tropfen Teebaumöl.

Anschliessend zeigt sie, wie ein Hühnerauge behandelt wird: Ein Tropfen Alkohol macht die zentrale, verhornte Stelle gut sichtbar. Diese wird fein säuberlich entfernt. Danach legt Kurmann der Kundin für etwa drei Tage einen Schutzverband an: mit etwas Schaumstoff, exakt zugeschnitten, um die behandelte Stelle zu entlasten, Salbe sowie einer Gaze-Binde.

«Der Verband darf nicht zu fest sitzen, sonst bleibt er womöglich wochenlang drauf», sagt Kurmann. Denn so mancher betagte Patient könne sich nicht mehr bücken, um ihn abzunehmen. Der Anteil von Senioren unter den Patienten sei zwar hoch, jedoch würden seit ein paar Jahren auch Jüngere vermehrt ihre Hilfe suchen.

Ein häufiges Problem sind eingewachsene Nägel. Hier kann die Podologin eine Nagelspange anpassen. Probat sei eine Titanspange, die von oben über den Nagel gespannt wird und die Ränder leicht nach oben zieht, was das Einwachsen erschwert.

Als Podologin sei man manchmal auch ein bisschen Psychologin, erklärt die 29-Jährige. Oft würden sich die Patienten während der Behandlung öffnen und sehr Privates preisgeben.

«Darf ich Sie noch verwöhnen?», fragt Kurmann zum Abschluss der Behandlung ihre Patientin, die sich gern noch mit einer Schaumcreme die Füsse massieren lässt. Danach wird das Wichtigste in der Krankengeschichte festgehalten.

Grossen Wert legen sowohl die Podologen als auch die Fusspflegerinnen auf Hygiene: Reinigung, Desinfektion und Sterilisieren der Instrumente seien ein Muss, betonen Kurmann und Warthmann. Und einig sind sie sich auch, dass beide Berufe Zukunft bieten.

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