03. August 2017

Fussballroboter sollen Weltmeister schlagen

Beim Robocup, dem Wettstreit der Roboterbauer, mischen Schweizer erfolgreich mit: In Japan hat das Team Solidus aus Biel bei der Logistik soeben den dritten Platz geholt. Ziel der Veranstalter ist ein Roboter-Fussballteam, das dereinst die menschlichen Weltmeister besiegen kann.

Team Solidus in Japan
Bereit für den Robocup-Wettstreit im Logistikbereich: Team Solidus aus Biel nimmt in Japan seine Robotinos in Betrieb.
Lesezeit 4 Minuten

Es gab am Robocup in Japan Ende Juli menschenähnlichere und somit niedlichere Maschinen als den Robotino. Aber beim Greifen und Platzieren gehört die Kreation der Höheren Fachschule für Technik Mittelland (HFTM) in Biel BE zu den Besten, und das ist beim Logistikwettbewerb ziemlich wichtig.

In dieser Disziplin haben die Schweizer denn auch den dritten Platz nach den Teams aus Aachen und Graz erobert – trotz diverser technischer Schwierigkeiten: Weil Team Solidus wegen der geringeren Stromspannung in Japan mit lokalen Akkus arbeiten musste, gab es Probleme mit der Energiezufuhr und den Greifarmen. Die Studenten mussten deshalb auch mal spontan in einen japanischen Baumarkt, um zusätzliche Teile zu beschaffen.

Übernehmen Roboter bald deinen Job?

Der Robocup begann vor genau 20 Jahren mit Robotern, die gegeneinander Fussball spielten. Diese Disziplin gibt es auch heute noch, ergänzt durch vier weitere Bereiche: Rettungsroboter, Industrie, Junior und eben Logistik. Die HFTM tritt seit 2014 mit grossem Erfolg in dieser Disziplin an.

Sinn des Robocups ist es, Innovationen im Bereich Robotics und künstliche Intelligenz zu fördern und der Öffentlichkeit zu zeigen, was auf diesem Gebiet alles möglich ist. Das offizielle Ziel der Organisatoren ist ambitioniert: Bis Mitte des 21. Jahrhunderts soll ein Team aus autonomen humanoiden Robotern in der Lage sein, die menschlichen Sieger der Fussball-WM nach offiziellen Fifa-Regeln zu schlagen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

Thomas Zürcher (47) ist Fachbereichsleiter Systemtechnik an der HFTM in Biel BE und Betreuer des Teams Solidus.

Unsere Roboter können besser greifen und platzieren als alle anderen.

Thomas Zürcher, Gratulation zum dritten Platz beim Rococup. Wie schwierig war es für Team Solidus, so weit zu kommen?

Das Team der Universität Aachen steht schon seit einigen Jahren unangefochten an der Spitze; die anderen liegen dicht beieinander. Dass wir überhaupt in die Finalrunde gekommen sind, ist also ein Erfolg.

Im Vorfeld hatten Sie sich sogar Chancen auf den ersten Platz ausgerechnet. Warum hat das nicht geklappt?

Selbst Aachen wird ab und zu in einzelnen Spielen geschlagen. Aber dies- mal waren sie gut, und wir hatten das Pech, schon in der vorletzten Runde gegen sie antreten zu müssen. Deshalb konnten wir am Ende nur noch um den dritten Platz kämpfen. Sonst wären wir sicher Zweite geworden.

Welches sind die grössten Herausforderungen?

Hauptaufgabe ist, dass drei Roboter selbständig eine auf dem Feld aufgestellte Maschine ansteuern, während die Konkurrenz das Gleiche versucht. Nur schon eine stabile Wireless-Verbindung aufzusetzen, war schwierig, da in der Halle mehrere Hundert WLAN-Netze aktiv waren. Zudem war der Boden viel unebener als in unserer Testhalle in Biel. Und weil in Japan die Stromspannung niedriger ist, mussten wir mit lokalen, deutlich schlechteren Akkus arbeiten. Das hat einige technische Probleme verursacht.

Sie treten nur an einer fünf Diszplinen an, bei der Logistik. Warum gerade dort?

Weil sie für die Praxis in der Industrie sehr relevant ist. Was wir in dieser Disziplin erforschen und testen, wird man später einsetzen können.

Team Solidus wird jedes Jahr neu zusammengesetzt. Ein Nachteil?

Ganz klar, bei den meisten anderen Teams sind einige Leute schon seit Jahren dabei. Dennoch schneiden wir als höhere Fachschule regelmässig gut ab, was die Universitätsteams ziemlich frustriert. Wir sind sehr praktisch und pragmatisch orientiert, und das hat eben auch Vorteile: Unsere Roboter können zum Beispiel besser greifen und platzieren als alle anderen. Für den nächsten Robocup werden wir auch die autonome Navigation weiter verbessern.

Weshalb schicken Schweizer Hochschulen keine Teams ins Rennen?

Das fragen wir uns auch – der Robocup ist eine tolle Plattform. Beim Fussballturnier hat noch ein Schweizer Team von der Fachhochschule Nordwestschweiz und der ETH mitgemacht, leider nicht allzu erfolgreich.

Die technologisch starken Asiaten legen bei der Ausbildung zu wenig Wert auf Fantasie und Kreativität.

Im Bereich Logistik haben die Teams aus dem deutschsprachigen Raum am besten abgeschnitten. Weshalb?

Der Robocup wurde diesmal generell von deutschen Teams dominiert; sie sind stets sehr diszipliniert und ehrgeizig. Ich habe den Eindruck, dass die technologisch starken Asiaten bei der Ausbildung zu wenig Wert auf Fantasie und Kreativität legen. Die braucht es aber, um vorne dabei zu sein.

Bereits heute stehen Roboter in der Logistik im Einsatz. Wo gibt es für sie noch Grenzen?

Bis jetzt sind die Roboter am Boden festgeschraubt oder fahren auf Schienen. Künftig sollen sie sich frei und autonom im Raum bewegen können – genau daran arbeiten wir beim Robocup. Bis es so weit ist, könnte es aber noch dauern.

Viele Menschen befürchten, dass sie wegen Robotern ihren Job verlieren. Haben Sie kein schlechtes Gewissen, dass Sie mit Ihrer Arbeit dazu beitragen?

(lacht) Solche Vorwürfe haben inzwischen nachgelassen. Tatsächlich werden Jobs verschwinden, bisher sind aber bei den technologischen Revolutionen stets mehr Jobs neu kreiert worden als verschwunden sind. Das wird ganz sicher auch dieses Mal so sein. Wichtig ist, dass die Gesellschaft hier mitredet und mitgestaltet. 

Benutzer-Kommentare