21. März 2019

Detektiv mit Zeichenstift

Der junge Zeichner Simon Beuret ist Gast am diesjährigen Comic-Festival Fumetto. Seine Inspiration findet er an jeder Strassenecke – sei es in seiner Heimatstadt Biel, sei es in der Metropole New York.

Fasziniert von Menschen in der Stadt: Simon Beuret liebt es, Figuren zu zeichnen.
Fasziniert von Menschen in der Stadt: Simon Beuret liebt es, Figuren zu zeichnen.
Lesezeit 3 Minuten

Simon Beuret ist ein sympathischer Typ mit wirrem Haar schon auf den ersten Blick wirkt er wie ein Künstler. Sein Atelier befindet sich in einem umfunktionierten Fussballstadion in Biel, wo er sich einen Bereich mit drei anderen Künstlern teilt. Es ist ein kreativer Raum: Um seinen Schreibtisch türmen sich Tausende von Heften mit Skizzen von Menschen. Wie eine stille Masse bevölkern alle diese Figuren den Raum.

Comic-Seite von Simon Beuret

An einer Wand sind die Bilder folgen des Comics «Eye Contact» aufgehängt, den Beuret für das Festival Fumetto in Luzern gezeichnet hat. Erzählt wird eine Odyssee: Der Held verfolgt die Spuren einer geheimnisvollen Frau, die just in dem Moment verschwindet, als er sie zeichnet. «Ein Zeichner ist für mich ein Beobachter», sagt der 27-Jährige.

In einer Stadt wimmelt es nur so von Menschen – eine schier unendliche Inspirationsquelle.

Simon Beuret

Mit dem Block in der Hand lässt er sich durch Paris, Berlin, New York oder auch Biel treiben und hält jedes Detail fest, an dem sein Blick hängenbleibt: einen Hut, eine Kette, eine Pose. Er zeichnet fast alles.

Mit sieben Jahren die erste Story

Der Absolvent der Hochschule Luzern fühlte sich schon immer zu Comics hingezogen. «Ich liebe dieses Medium. Ich bin mit «Petzi» und «Tim und Struppi» aufgewachsen, dann kam «Corto Maltese», bevor ich die Werke von Autoren wie Blutch oder Christophe Blain entdeckt habe. Meine Leidenschaft wuchs ständig, und ich habe die unglaubliche Vielfalt des zeitgenössischen Comics entdeckt», erzählt er. «Meine erste Geschichte schuf ich mit sieben Jahren. Da ging es um die Abenteuer von Rastagent, eines anarchistischen Geheimagenten mit Dreadlocks.»

Die Einladung ans Festival Fumetto ist für Beuret die Erfüllung eines Traums. Jedes Jahr bekommt ein junger Künstler die Chance, sich den Branchengrössen zu präsentieren. Dabei wird ihm wie den bereits bekannten Autoren ein Ausstellungsbereich zur Verfügung gestellt. Ein Sprungbrett für junge Talente. «Von den insgesamt 120 Seiten des Comics werde ich noch vor der Veröffentlichung die ersten 40 vorstellen», so Beuret.

SImon Beuret am Zeichnen

Inspiriert von echten Detektiven

Die Besucher erwartet eine vielschichtige Bildergeschichte: Der Plot von «Eye Contact» verläuft wie eine Beschattung, bei der ein Ereignis das nächste ergibt. Wie Beuret ist auch der zeichnende und ermittelnde Held der Story von Menschen fasziniert. «Jede Person trägt eine Geschichte in sich», meint der Zeichner. «Wenn man ihr folgt, spielt sich die Story vor unseren Augen ab.» Während seines Studiums befragte er professionelle Detektive, um zu erfahren, wie eine Beschattung abläuft.

Jede Person trägt eine Geschichte in sich. Wenn man ihr folgt, spielt sich die Story vor unseren Augen ab.

Simon Beuret

Simon Beurets Werk zieht den Betrachter in den Bann. Sein Comic fasziniert auch, weil er immer wieder kleine Rätsel und eine Vielfalt von Anspielungen enthält. «Einige dieser Elemente sollen geheimnisvoll bleiben», betont er. «Ich möchte den Leser nicht an die Hand nehmen und ihm alles erklären. Das Rätselhafte muss seinen Platz in der Geschichte behalten.»

Beuret-Figur im Einkaufswagen

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