29. Juni 2018

Freier Flug für Drohnen?

Drohnen erfreuen sich grosser Beliebtheit. Doch parallel dazu steigt der Unmut über die surrenden Fluggeräte. Wichtig zu wissen: Piloten haben Pflichten und Passanten ihre Rechte.

Eine Drohne fliegt in der Stadt zwischen den Häusern herum.
Drohnen sind mittlerweile allgegenwärtig. Gut, wenn man weiss, was man erdulden muss. (Bild: Getty Images)

An sonnigen Tagen fliegen sie uns wieder um die Ohren: Drohnen in allen möglichen Ausführungen und von jeder Preisklasse. Viele sind kinderleicht zu steuern, einige machen gestochen scharfe Videoaufnahmen. Topgeräte sind über mehrere Kilometer hinweg steuerbar, können bis zu 30 Minuten fliegen und innerhalb dieser Zeit nonstop Videos und Fotos aufnehmen. Da sich jedoch immer mehr Menschen Drohnen anschaffen, wächst auch die Anzahl von Leuten, die sich am Lärm und besonders an der Filmerei stören.

Welche Rechte hat man als Passant?

Niemand darf ohne Einwilligung gefilmt werden. Ausnahmen: öffentliche Veranstaltungen. Deren Besucher müssen aber informiert werden. Fliegt eine Drohne über ein privates Grundstück oder einen öffentlichen Platz, gilt es, den Piloten – sofern er greifbar ist – anzusprechen. Hat er tatsächlich gefilmt oder fotografiert, kann man ihn bitten, das Material zu löschen. Ist der Pilot uneinsichtig, bleibt nur der Weg über die Zivilklage. Die Multikopter gewaltsam oder mit Störgeräten vom Himmel zu holen, ist nicht zu empfehlen: Man könnte sie beschädigen und müsste für den Schaden aufkommen.

Was muss der Halter wissen?

Es gibt einerseits Bundesverordnungen und je nach Kanton teilweise zusätzliche Auflagen. Grundsätzlich gilt:
● Wiegt eine Drohne weniger als 30 Kilogramm, ist keine Flugbewilligung nötig.
● Wiegt die Drohne aber über 500 Gramm, darf sie ohne Bewilligung nicht über Menschenmengen, wie etwa bei Sportveranstaltungen oder Open-Air-Konzerten, geflogen werden.
● Der Sichtkontakt vom Halter zur Drohne muss jederzeit gegeben sein.
● Ab 500 Gramm Drohnengewicht braucht der Pilot eine Haftpflichtversicherung.

Wie steht es um das Bildrecht?

Beim Filmen mit Drohnen gilt wie bei allen videofähigen Geräten das Datenschutzgesetz. Das heisst, jedes Bild, das fremde Menschen zeigt, braucht einen Rechtfertigungsgrund. Wenn die gefilmte oder fotografierte Person die Aufnahmen nicht bewilligt, muss ein privates oder öffentliches Interesse gegeben sein – was in den meisten alltäglichen Situationen nicht der Fall ist. Ohne Einwilligung darf man keine fremden Grundstücke, Spielplätze oder Freibäder überfliegen und dabei aufnehmen.

Neues Gesetz klärt auf

Die EU arbeitet derzeit an einem neuen Drohnengesetz. Die Schweiz plant, der Vorlage zu folgen. Die entsprechenden Regeln sollen aber frühestens nächstes Jahr umgesetzt werden. Beinhalten werden sie für Hobbydrohnenpiloten voraussichtlich internetbasierte Kurse zum Umgang mit den Fluggeräten. Wer den Kurs absolviert hat, erlangt eine Fluglizenz. Es handelt sich also um eine Informations- und Sensibilisierungsaktion. Ob das ausreicht, um die Bevölkerung vor ungewollten Aufnahmen zu schützen, wird sich zeigen.

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