19. Juni 2017

Francine Jordi über ihr Glück

Sängerin Francine Jordi feiert ihren 40. Geburtstag. Ein Gespräch über die Midlife-Crisis, gescheiterte Liebesbeziehungen, ihren Marktwert als «Traumfrau» – und über Traummänner.

Francine Jordi bläst die Kerzen auf ihrer XXL-Torte aus
Francine Jordi bereut nichts: «Ich war schon immer eine Frohnatur.»

Francine Jordi, wie fühlt es sich an, 40 zu werden?

Für mich war das eigentlich nie ein Thema, bis die Medien wissen wollten, wie sich das anfühlt. Dann habe ich überlegt, aha, 40? Einige Frauen haben dann eine Krise, Männer mit 50. Im Moment fühlt es sich bei mir aber gut an.

Man sagt, die Midlife-Crisis komme, weil man mit 40 oder 45 realisiere, dass man nicht mehr alles machen könne, wovon man einmal geträumt habe.

Warum nicht?

Weil es für gewisse Dinge zu spät ist, etwa dafür, Militärpilotin zu werden.

Das war mal ein Traum von mir. Aber Pilotin kann ich immer noch werden. Und ich habe mich damals bewusst dagegen entschieden.

Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, für die Armee zu fliegen?

Ich hatte eine Wette abgeschlossen. Mein Gegenüber meinte, ich würde das nie schaffen. Zudem habe ich schon immer gern auf Knöpfen rumgedrückt. Wenn ich ein Knöpfchen sehe, möchte ich wissen, wie es sich anfühlt, wenn man es drückt. Zu Beginn waren wir 2000 Anwärter im Selektionsverfahren, am Schluss noch 50. Das war für mich eine super Lebensschule. Ich kam an meine Grenzen, psychisch und physisch. Dann stand ich vor der Entscheidung: entweder Musik oder Fliegen.

Wie haben Sie sich mit 20 das Leben vorgestellt?

Eigentlich gar nicht. Mit 20 konnte ich mir nicht einmal vorstellen, dass ich mal vom Singen würde leben können. Das kam dann mit 21 wie ein Geschenk.

Viele junge Frauen denken, sie werden mit 30 eine Familie haben.

Ich habe schon auch gedacht, dass ich vermutlich mal Kinder haben würde. Man wächst mit diesem Bild auf, die Gesellschaft trichtert es einem ein. Das ist jetzt nicht so, und es ist absolut okay. Ich habe nie einen ausgeprägten Kinderwunsch gehabt wie etwa meine Schwester. Sie hat immer gewusst, dass sie am liebsten eine ganze Fussballmannschaft hätte. Heute hat sie vier Buben.

Ich muss nicht Mutter werden, um ein erfülltes und glückliches Leben zu haben.

Ist Kinderkriegen noch ein Thema?

Mein Glück hängt nicht von einer anderen Person ab – weder von einem Kind noch von einem Lebenspartner. Mein Glück hängt ganz allein von mir selbst ab. Ich habe immer gesagt: «Äs chunnt, wiä s chunnt.» Ich muss nicht Mutter werden, um ein erfülltes und glückliches Leben zu haben. Und ich finde es auch egoistisch, wenn man sagt: Jetzt muss ein Kind her, sonst bin ich nicht vollkommen. Es muss passen, und bei mir hat es bis heute nicht gepasst

2011 trennten Sie sich von Tony Rominger, um sich mit Florian Ast einzulassen – der Sie dann bald betrogen hat. Bereuen Sie nicht, dass Sie diese zehnjährige Beziehung so schnell beendet haben?

«Schnell beendet» ist ein Mediending. Das hat man vielleicht so wahrgenommen. Man sagt, wenn eine Beziehung stimmt, wenn es für beide stimmt, kann man sich gar nicht anderweitig verlieben. Ich hätte vorher auch nicht gedacht, dass es möglich ist, doch es ist passiert. Nein, ich habe die Entscheidung nicht bereut. Weil ich auf mich selbst gehört habe und meinen Weg weitergegangen bin.

Es gab auch hässliche Schlagzeilen: «Erfolg ohne Ende, aber privat läufts gar nicht. Desaster! Sie ist Single, und der einzige Freund ist ihr Hund» ...

Ich habe so ein trostloses Leben (lacht schallend).

Was lösen solche Worte bei Ihnen aus?

Eben, ein Gelächter. Die Journalisten haben das Gefühl: zwei kaputte Beziehungen, keinen Mann im Leben – die totale Versagerin. Und dann wird sie auch noch 40. Ich aber sehe darin eine zehnjährige wunderschöne Beziehung mit Tony, dann eine einjährige Beziehung mit Florian, in der ich sehr viel gelernt habe und die nicht nur schlecht war, überhaupt nicht. Liebe Leute, hört endlich auf zu sagen, eine Beziehung sei gescheitert, weil sie auseinandergeht. Einige haben wunderbare Kinder zusammen. Sie hatten super Jahre zusammen. Sie konnten gemeinsam wachsen und reifen. Und nur, weil sie am Ende nicht das ganze Leben miteinander verbringen wollten, sagt man, die Beziehung sei gescheitert. Das ist doch doof.

Mit 40 weiss man sicher eher, was man will und was nicht.

Die «Schweizer Illustrierte» schreibt: «Francine Jordi ist für viele ein wahr gewordener Männertraum.» Sie haben auch schon ein Angebot vom «Playboy» erhalten. Man fragt sich, warum ausgerechnet Sie Single sind.

Die Liebe ist ein Geschenk. Vielleicht dauert es etwas länger, bis die Liebe zuschlägt, wenn man selbst die Verantwortung für sein Leben übernimmt und weiss: Mein Glück hängt nicht von anderen, sondern nur von mir selbst ab. So vermisst man nichts.

Haben Sie vielleicht zu hohe Ansprüche?

Nein, überhaupt nicht. Aber mit 40 weiss man sicher eher, was man will und was nicht. Ich bin nicht auf der Suche. Es ist nicht so, dass ich ständig sage (theatralisch): Ig bruuuche itze ä Maa! Wenn er kommt, dann kommt er.

Sie schaffen es, immer alles ins Positive zu wenden. Wie machen Sie das?

Ich bin nicht immer positiv. Auch ich ärgere mich und werde wütend. Dann lasse ich das zu, überlege allerdings sehr schnell, was an der Situation das Positive ist. Was kann ich mitnehmen? Warum ist es mir passiert?

Gibt es etwas Positives, das Sie aus der Trennung von Tony Rominger mitnehmen konnten?

Ich habe gemerkt, dass die Beziehung für mich nicht mehr stimmte. Schön ist, dass wir heute eine wunderbare Freundschaft pflegen – ein riesiges Geschenk, etwas extrem Positives.

Und zu Florian Ast haben Sie ebenfalls noch Kontakt?

Ja, aber weniger. Und auch da ist alles sehr im Reinen.

Sie scheinen nichts zu bereuen und alles als Erfahrung zu betrachten. Wie findet man zu dieser Haltung?

Ich war schon immer eine Frohnatur. Ich nehme mir da ein Beispiel an meiner Grossmutter: Sie sagte, man solle nicht eher schlafen gehen, bevor man dem Tag etwas Positives abgewinnen konnte.

Sind das wirklich Sie, oder ist das einfach eine Fassade, die sie aufgebaut haben, um sich zu schützen?

Das ist nicht gespielt. Das bin ich.

Darf man im Showbusiness zeigen, wenn es einem nicht gut geht?

Ein Künstler sollte nicht auf die Bühne gehen, um den Leuten von seinen Problemen zu erzählen. Das ist nicht sein Job.

Was machen Sie, wenn Sie schlecht gelaunt sind?

Dann ziehe ich mich eher zurück, gehe mit Theo spazieren. Gäu, Theo? (Wendet sich an den Labrador zu ihren Füssen)

Und wenn sie ausgerechnet dann auf die Bühne müssen?

Dann wäre es sicher einfacher, wenn ich mich irgendwo in ein Büro verkriechen könnte.

Also schnippen Sie und zack! sind Sie gut gelaunt.

Nein, nicht einfach zack!. Aber ich kann fokussieren. Die Zuschauer haben für die Show bezahlt, sie haben das Beste von mir verdient – und mein Job ist es, ihnen eine Freude zu machen.

Haben Sie ein Ritual, damit Sie fokussieren können?

Ja, das habe ich natürlich vor jedem Konzert. Da mache ich mir meine Gedanken.

Was überlegen Sie dann?

Das muss nicht jeder wissen (lacht). Man muss nicht alles verraten.

Eine Art Meditation?

Ja, aber lassen wir das mal so stehen.

Es gibt tatsächlich viele Dinge in meinem Privatleben, die ich nicht erzähle.

Erhalten Sie eigentlich immer noch so viele Heiratsanträge mit der Fanpost?

Das ist immer noch so, ja. Offensichtlich bin ich trotz der 40 noch nicht ganz vom Markt (lacht schallend).

Kontoauszüge waren auch schon dabei ...

Ja, das ist tatsächlich kein Witz. Das ist mal passiert. Aber ich sage nicht, wer das war. Auch wenn einige Leute das nicht glauben: Es gibt tatsächlich viele Dinge in meinem Privatleben, die ich nicht erzähle.

Wie würden Sie Ihren Traummann beschreiben? Welche Charaktereigenschaften sollte er haben?

Das kann ich nicht sagen. Das Leben wird mir den schon vorbeischicken (schnippt mit den Fingern). Der muss halt so sein, wie er ist. Wir Frauen verspüren oft den Drang, die Männer zu verändern. Das bringt nichts. Ich würde mich auch nicht verändern wollen.

Sie beten täglich. Könnten Sie sich in einen Atheisten verlieben?

Keine Ahnung. Es könnte alles sein. Ich heisse doch nicht Mike Shiva (lacht).

Was erwarten Sie von einer Beziehung?

Respekt, Harmonie und die nötige Freiheit. Zwischendurch vielleicht schon etwas Zoff – sonst wird es langweilig –, aber immer respektvoll. Und natürlich grosse Gefühle.

Die Liebe ist das Allergrösste, das wir auf dieser Welt haben.

Sie singen täglich von der Liebe und sind seit vier Jahren Single. Ist das nicht grausam?

Das sind so lustige Fragen (lacht). Nein, die Liebe ist doch das Schönste, was es gibt.

Auch wenn Sie im Moment nicht hier ist?

Ja. Egal, ob man Single ist oder in einer Beziehung lebt, man weiss doch, wie es ist, wenn die Schmetterlinge kommen. Die Liebe ist das Allergrösste, das wir auf dieser Welt haben. Als Sängerin bin ich Interpretin. Das Lied «I ha e Träne» singe ich nicht nur, wenn ich mich gerade trenne. Es gehört zu meinem Beruf, mich in verschiedene Situationen hineinzuversetzen und das so emotional wie möglich zu präsentieren. Ob das am Anfang, in der Mitte oder am Ende einer Liebe ist.

Zu Beginn des Jahres sagten Sie: «2017 wird es einen Umbruch geben, und das nicht bloss, weil ich 40 werde.» Hat er bereits stattgefunden?

Ich bin ständig im Umbruch (lacht schallend). Aber es stimmt. Ich dachte schon immer, dass das Jahr 2017 speziell wird.

Erzählen Sie mehr.

Das ist mir zu privat.

Jetzt wirds spannend. Vielleicht doch eine neue Liebe?

Ja, wer weiss. Aber jetzt müssen wir zu einem Ende kommen. So haben Sie noch etwas zum Nachdenken (kichert vergnügt).

Bilder:Ephraim Bieri

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