06. September 2018

Fotografien eines Filmstars

Die meisten kennen Jeff Bridges nur aus Filmen wie «The Big Lebowsky» oder «True Grit». Doch er macht auch Musik, malt und fotografiert. Seine Bilder sind nun am Festival Images Vevey erstmals in der Schweiz zu sehen. Wir sprachen mit ihm über seine Kunst, Politik und seine Schweizer Wurzeln.

Jeff Bridges' Selfie mit Sam Elliott
Selfie mit Co-Star Sam Elliott auf dem Set von «The Big Lebowsky» (1998). (Bilder: Courtesy Jeff Bridges Photography Archive)

Jeff Bridges wäre zur Eröffnung seiner Fotoausstellung gerne selbst in die Schweiz gekommen, aber sein Terminplan liess es leider nicht zu. «Ich höre von allen Seiten viel Gutes über die Schweiz und hoffe, dass ich es mal noch hinschaffe», erzählt der 68-Jährige am Telefon aus Kalifornien. Umso mehr als er sogar Schweizer Wurzeln besitzt. «Meine Mutter hat uns das immer erzählt, leider weiss ich keine weiteren Details.»

«Lebowski and other Big Shots» heisst Bridges’ Bilderserie, die seit vergangenem Wochenende in Vevey VD am Festival Images ausgestellt ist. Der Titel spielt auf Bridges’ wohl berühmteste Rolle in «The Big Lebowsky» von 1998 an – ein Film, von dem er bis heute begeistert ist. «Auch wenn ich nicht mitgespielt hätte, wäre er einer meiner Lieblinge.»

Jeff Bridges heute
«Es ist heute gar nicht leicht, von mir eine Zusage für einen Film zu bekommen», sagt Jeff Bridges.

Und stimmt das Gerücht, dass er im realen Leben ziemlich ähnlich tickt wie die Hauptfigur «The Dude», ein entspannter Alt-Hippie, dessen Alltag aus Bowling, White Russians und Joints in der Badewanne besteht? Bridges kichert. «Das hat schon was. Ich versuche eigentlich immer, in meine Rollen etwas von mir reinzubringen.»

Fotos für die Nachwelt

Es waren die Scouts vom Festival Images Vevey, die die Fotos des Hollywood-Stars entdeckten und sich darum bemühten. Bridges sagte ohne zu zögern zu. «Die Bilder werden in einem ungewöhnlichen Setting präsentiert, gross aufgezogen und draussen, das finde ich eine spannende Sache.»

Der Schauspieler fotografiert schon seit 1980 auf seinen Filmsets, mit einer Widelux F8, einem Geschenk seiner Frau, mit der er seit 1977 verheiratet ist. 2003 hat er die Bilder erstmals in einem Buch publiziert, die Ausstellung tourt schon seit ein paar Jahren um die Welt.

Zu Beginn wollte er lediglich «Erinnerungen schaffen, für mich selbst, aber auch für Cast und Crew». Inzwischen hat er höhere Ziele: «Spätere Generationen sollen sehen, wie im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert Filme gedreht wurden. Das wird sich voraussichtlich in den kommenden Jahrzehnten sehr stark verändern.»

Julianne Moore im Walkürenkostüm in «The Big Lebowsky»
Julianne Moore im Walkürenkostüm in «The Big Lebowsky».

Und Bridges ist nicht nur Schauspieler und Fotograf, er ist eine Art Allroundkünstler: Mit dem Rocksänger T. Bone Burnett hat er Alben aufgenommen, ausserdem malt er. «Manchmal sitze ich mit einem Skript im Hotelzimmer, um eine Rolle zu lernen, und plötzlich inspiriert mich darin etwas, und ich fange an zu malen», erzählt er. «Am nächsten Morgen ärgere ich mich dann, weil ich meinen Text zu wenig beherrsche.»

Alles in allem ist Jeff Bridges jedoch ein entspannter Mensch, wozu vermutlich der Buddhismus beiträgt, dem er sich stark verbunden fühlt. Zen hilft ihm auch bei der politischen Polarisierung in seiner Heimat. Bei den letzten Wahlen unterstützte er Hillary Clinton, fand jedoch nach Trumps Sieg, man müsse nun darauf hoffen, dass dieser eine erfolgreiche Präsidentschaft habe. Legte ihm allerdings öffentlich auch nahe, sich dafür ein paar buddhistische Prinzipien zu Herzen zu nehmen. Wie sieht er das heute?

Trumps positive Nebeneffekte

«Einiges, was Trump tut, ist ziemlich beängstigend. Aber sein Verhalten hat auch Positives ausgelöst. Er hat Menschen politisiert, die sich neu für Klimaschutz und Frauenrechte einsetzen.» Auch er selbst wurde zu einem Dokumentarfilm inspiriert: In «Living in the Future’s Past» setzt er sich mit Naturschutz und Klimawandel auseinander.

«Trump hat die Polarisierung unseres Landes endgültig offensichtlich gemacht. Aber ist das wirklich, was wir wollen?» Die kommenden Wahlen bieten laut Bridges eine Gelegenheit, die Spaltung zu überwinden. «Hoffnung geben mir Leute wie Steve Bullock, ein demokratischer Gouverneur, der den republikanisch dominierten Bundesstaat Montana regiert. Davon brauchen wir mehr.»

Wer nach den Fotos in Vevey Lust hat, Jeff Bridges mal wieder im Kino zu sehen, darf sich freuen: Im Oktober startet «Bad Times at the El Royal», ein mit weiteren Stars hochkarätig besetzter schräger Thriller. «Es ist heute gar nicht leicht, von mir eine Zusage für einen Film zu bekommen», sagt Bridges. «Weil ich weiss, wie viel Aufwand damit verbunden ist. Aber dann kommt doch wieder ein tolles Skript, dem ich einfach nicht widerstehen kann.»


Festival Images Vevey: noch bis 30.9.
«Bad Times at the El Royal» läuft ab 11. Oktober im Kino

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