25. Oktober 2018

Folgenschwere Flecken

Bettnässen ist eigentlich ein kleines Malheur. Für Teenager kann die sogenannte Enuresis aber ernste Folgen haben, wenn man den Ursachen nicht nachgeht.

Teenager unter Bettdecke
Bettnässen löst bei Teenagern oft Schamgefühle und Stress aus. (Bild: iStockphoto)

Das Schullager steht an. Alle freuen sich, nur der 16-jährige Noah nicht. Was, wenn seine Freunde von seinem «kleinen Problem» erfahren? Noah hat Panik und will das Schullager lieber schwänzen, als sich zu blamieren.

Mit seinem Problem steht er nicht alleine da. Ungefähr zwei Prozent aller 13- bis 18-Jährigen wachen laut Studien regelmässig in einem nassen Bett auf. Wer in mindestens drei Monaten mehrmals pro Woche ins Bett macht, leidet unter Enuresis nocturna. Bettnässen bei Pubertierenden sei noch wenig untersucht, sagt Andrea Frigg, Fachärztin FMH für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Das Ausmass des Problems sei noch relativ unbekannt, weil viele aus Scham nicht zum Arzt gehen.

«Oft leiden die Teenager seit dem Kindesalter unter dem Bettnässen», so Frigg. Zum Vergleich: 10 bis 20 Prozent der 5- bis 12-Jährigen erhalten die Diagnose Enuresis. Bettnässen ist nicht nur eine grosse emotionale Belastung für die Betroffenen und ihre Familien, es kann auch Folgeschäden verursachen wie Depression, Aggressivität, Gewichtsprobleme, Verstopfungen oder eine gestörte psycho­sexuelle Entwicklung.

Eltern-Kind-Beziehung wichtig

Ein Besuch beim Hausarzt ist empfehlenswert. In den meisten Fällen kann dieser eine körperliche Erkrankung wie zum Beispiel eine Harnröhrenverengung ausschliessen, erklärt Andrea Frigg. Die Betroffenen werden dann in der Regel in die psychiatrische oder psychologische Behandlung weiterverwiesen.

Andrea Frigg betont, dass die psychologischen Ursachen von Enuresis bei Jugendlichen vielschichtig seien. Als möglichen Grund sieht sie eine spannungsgeladene, feindselige Beziehung zwischen Eltern und Kind.

«Oft ist es aber auch ein zu enges Verhältnis», sagt sie, «häufig tragen diese Jugendlichen innerlich einen Konflikt zwischen der eigenen Selbständigkeit und der elterlichen Nähe aus», so Frigg. Das Bettnässen könne dann Ausdruck dieses Kampfs um Unabhängigkeit sein.

Bettnässen löst bei den Jugendlichen Scham und Stress aus. Eltern wiederum reagieren oftmals mit Frust, Verärgerung und Wut. Andrea Frigg sagt: «Es ist wichtig, dass Eltern verstehen: Niemand macht absichtlich ins Bett. Und die Jugendlichen sind mit ihren Gefühlen schon genug belastet.» Wenn Eltern ruhig und einfühlsam reagieren – auch wenn es schwerfällt – und ihre eigenen Gefühle zurücknehmen, beruhigen sie die Stresssituation, statt sie noch zu verstärken. 

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