27. Oktober 2017

Fidel allein zu Hause

Ich habe die Katze drei Nächte allein gelassen. Darum hat mich mein Liebster gebeten, die Koffer zu packen.

Katze Fidel allein zu Hause
Leidet das Kätzchen, wenn es allein zu Hause ist?
Lesezeit 2 Minuten

Vergangene Woche plante ich meinen Auszug aus Fidelhausen. Unfreiwillig. Mein Liebster wollte mich rausschmeissen.

Mein Vergehen: Ich habe den Kater drei anstatt bloss zwei Nächte allein gelassen. Dafür verantwortlich waren der Tropensturm über dem Atlantik und das stabile Hoch über Mitteleuropa.

Mein Katzenfreund ist Kitesurfer und hatte sich zwei Wochen zuvor ans Meer abgesetzt, für ein paar Tage. Der Wind war aber so gut, dass er nach einer Woche noch nicht zurück war. Ich bin Mountainbikerin, und die Bedingungen hierfür waren ebenfalls perfekt. So kam es, dass Fidel drei Nächte allein war.

Zuvor hatte ich natürlich den Fresscomputer mit Trockenfutter aufgefüllt und die Nachbarn aufgeboten. Sie verabreichten dem Pelz die Easypill , das Nassfutter und sicher auch ein paar Streicheleinheiten.

Mein Fehler: Da ich bei meiner Abreise in die Berge noch nicht genau wusste, ob ich zwei oder drei Nächte wegbleiben würde, erzählte ich meinem Liebsten erst einmal bloss von zwei Nächten. Denn ich wusste, dass ich mit einer dritten gegen die heilige Zwei-Nächte-Regel – Fidel darf nie, aber wirklich nie mehr als zwei Nächte allein sein – verstossen würde und dass das zu Problemen führen könnte. Und warum sich einem Konflikt aussetzen, der vielleicht gar nicht nötig ist?

Dann blieb ich aber doch drei Nächte weg und schrieb meinem Liebsten relativ kurzfristig, dass ich noch nicht nach Hause ginge. Grosses Drama, Kündigung des Untermietvertrags, Beziehungskrise – und das alles per Whatsapp und E-Mail.

Zu meiner Verteidigung: Das Tier musste zu keiner Zeit Hunger oder Durst leiden. Es konnte sich stets frei bewegen – und die Nachbarn hätten sich gemeldet, falls irgendetwas nicht in Ordnung gewesen wären.

Dass das körperliche Wohlergehen des Katers gesichert war, beruhigte meinen Liebsten nicht im Geringsten: Er ist überzeugt, dass der Schwarze bei Abwesenheit seiner Menschen leidet, und zwar unter Einsamkeit. Ein Freigänger, der zum Schmusen bloss etwas auf dem Gehweg der Siedlung rumhängen muss. Ein Katzensenior, der rund 20 Stunden pro Tag verschläft. Eine Felidae, die als Raubtier sowieso am liebsten allein durch die Gegend tigert.

Gedanklich sortierte ich bereits meine Habseligkeiten aus. In meinem Kalender hatte ich schon zwei Termine für Wohnungsbesichtigungen. Ich war so was von wütend und bin darum gleich nochmals drei Tage weggefahren, was die Situation natürlich nicht gerade entspannt hat. Unter anderem weil sich mein Liebster am westlichen Zipfel des Kontinents genötigt sah, sofort ins Auto zu steigen, um seinem Büsi Gesellschaft zu leisten – und damit zwei sensationelle Kite-Tage mit Sturm «Ophelia» verpasste.

Als ich nach Fidelhausen zurückkehrte, hatte sich mein Surferboy zum Glück wieder eingerenkt. Er bat mich, doch bitte zu bleiben. Der Kater begrüsste mich wie immer – und ich wurde einmal mehr schwach.

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