28. Mai 2018

Feminismus und Rapmusik

Kann ich zu einem sexistischen Song tanzen (und ihn feiern) und gleichzeitig meinen männlichen Freunden sexistische Sprüche verbieten?

Neon-Lampe Change
Es braucht einen Wandel, auch in der Rapmusik! (Bild: www.unsplash.com)

Ich höre am liebsten Rapmusik. Gleichzeitig bin ich Feministin und finde, dass wir langsam aber sicher zu einer gleichberechtigten Gesellschaft schreiten sollten (haha, langsam). Logischerweise versuche ich, geschlechtsneutral zu sprechen und zu schreiben. Das konkurrenziert allerdings ganz schrecklich meine musikalischen Vorlieben. Dort herrscht leider noch immer eine sehr diskriminierende Sprache, praktisch kein Song ohne frauenverletzende Aussage.

In der Filmbranche werden inzwischen Männer angeprangert, die sich deplatziert verhalten haben. Ganz anders in der Welt des Rap: Dort wird gefeiert, wer Gewalt verherrlicht und derbe, homophobe oder frauenverletzende Aussagen macht. Wie kommt das? Warum ist diese Branche derart resistent gegen einen gesellschaftlichen Wandel?

Ich diskutiere darüber immer wieder mit Freunden und höre dann oft «ja, aber das ist ja nicht so gemeint» oder «so ist einfach die Sprache in diesem Genre». Ich kann solche Aussagen weder leiden noch akzeptieren. La Nefera spricht hier darüber und sagt es hier ziemlich deutlich:

Wir sind so viele kreative Köpfe, es wäre an der Zeit, andere Wörter zu finden. Wir müssen nicht so reden, wie die Leute von früher.

Wenn sich der Rhythmus der Musik entwickelt, warum kann das nicht auch die Sprache tun? Und wenn sich die Gesellschaft entwickelt, wird sich auch die Sprache im Rap entwickeln können. Schliesslich ist Musik eine kreative Welt, in der kreative Menschen arbeiten. Ich erwarte darum auch einen kreativen Umgang mit Sprache, ohne dass ständig die billige Sexismus-Schublade geöffnet werden muss.

Vielleicht wird die Entwicklung nur stattfinden, wenn mehr Frauen im Business sind. Weil sie diejenigen sind, die das Ganze vorantreiben. Ein gutes Beispiel ist die Crew hoe___mies. Sie setzt sich ein für eine Rap-Community, die auch die LGBTQ-Community respektiert und auf Gleichberechtigung basiert.

Und jetzt?

Bis wir unsexistischen Sound hören können, habe ich mir folgende Meinung gebildet zu meinem Grundproblem: Auch weiterhin höre ich meine Lieblingssongs, auch wenn sie sexistisch sind. Ich akzeptiere, dass sie aus einer anderen Zeit stammen und deren Zeitgeist abbilden. Zudem kann man die Vergangenheit nicht ändern. Hingegen versuche ich, bei neu erscheinender Musik genauer hinzuhören, und Songs, die nicht ohne Sexismus auskommen, nicht mehr zu hören. Wie macht ihr das?

Und ganz zum Schluss noch ein Beispiel von Tupac, der es damals schon besser wusste und eigentlich alles richtig gemacht hat:

Einen guten Artikel dazu gibts hier.



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