20. Dezember 2018

Feiern ohne Stress

Einkaufsmarathon, ungeliebte Pflichten, lästige Traditionen und überhöhte Erwartungen: Was einen daran hindert, die Feiertage zu geniessen, sollte man über Bord werfen, sagt die Psychologin Annette Cina. Zehn Tipps, die helfen, das Fest mit Gelassenheit anzugehen.

Frust ist programmiert, wenn man die Festtage mit unrealistischen Erwartungen überfrachtet (Bild: pixabay).
Frust ist programmiert, wenn man die Festtage mit unrealistischen Erwartungen überfrachtet (Bild: pixabay).
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Nein, die Weihnachtsfeiertage müssen nicht unbedingt zu einem Langlauf ausarten, der einem den Schnauf nimmt. Und die Spannungen bei Familientreffen brauchen nicht unweigerlich in einem Eklat zu enden. Mit einigen Gedanken und Massnahmen findet man die richtige Einstellung, um den Feiertagen wieder so erwartungsvoll entgegenblicken zu können wie in Kindertagen:

1. Gut planen

Für friedliche Festtage ist gute Planung das A und O. «Am besten überlegt man im Vorfeld, wie man den Tag verbringen möchte. Aber auch, was realistisch ist und was Weihnachten oder der Jahreswechsel für einen bedeutet», sagt Annette Cina vom Familienforschungsinstitut in Freiburg. «Wenn man weiss, was man will, ist die Planung einfacher und man kann eventuell einen Teil der Aufgaben delegieren.» Die Gleichung sei einfach: Ist man gestresst, werden die Festtage alles andere als entspannt.

2. Ehrlich mit sich selbst sein

Fragen Sie sich, was Sie sich von der Feier wünschen, und seien Sie ehrlich mit sich selber: Was können Sie akzeptieren und was nicht? «Machen Sie sich klar, dass Sie immer die Wahl haben», erklärt die Psychologin. «Denn wenn die Entscheidung von uns kommt – wie auch immer sie aussehen mag –, sind wir ruhiger und können die Situation besser ertragen.» Es brauche manchmal etwas Mut, die Entscheidung auch zu ­vertreten. Die eigenen Bedürfnisse sollten den anderen freundlich, aber bestimmt dargelegt ­werden. Etwa, dass man bei einer Einladung ein wenig später eintrifft, weil das Baby seinen Mittagsschlaf braucht. Oder dass man Lust hat auf eine kurze Stippvisite, aber nicht länger bleiben will. Danach sollte man sich nicht von seiner Absicht abbringen lassen.

3. Realistisch bleiben

Oft sind wir das Opfer von Idealvorstellungen, die wir als Kind von Weihnachten und Silvester hatten, aber auch von Erwartungen an uns selbst und an andere. Diese Idealisierungen summieren sich, sodass Enttäuschungen praktisch programmiert sind. Denn die Realität ist nie perfekt, und die Menschen ändern sich nicht von heute auf morgen. Es gilt also: realistisch bleiben.

4. Die Erwartungen kennen

Diskutieren Sie im Voraus mit den einzelnen Familienmitgliedern, um ihre Erwartungen erkennen und entsprechend reagieren zu können. Denn wer weiss schon, ob die Oma, die 30 Jahre lang das Weihnachtsmenü zubereitet hat, nicht froh wäre, diese Aufgabe endlich an ihre Kinder und Enkel abgeben zu können? Durch Kommunikation im Vorfeld lassen sich so einige Konflikte am Tag X vermeiden.

5. An die Kinder denken

Angesichts der immer komplexer werdenden Familienkonstellationen rät die Psychologin dringend, an das Wohl der Kinder zu denken. Fragen Sie sie nach ihrer Meinung, statt ­ fünf Feiern aneinanderzureihen. Die Kinder aus erster Ehe möchten dieses Jahr nicht an Ihrem Fest teilhaben? Nehmen Sie es nicht persönlich, sondern signalisieren Sie, dass Sie an diesem Tag an sie denken. Eine SMS, ein kurzer Anruf oder ein kleines Hallo über Skype eignet sich dafür bestens.

6. Am Vortag ausruhen

Anstatt sich an Heiligabend noch einmal ins Einkaufsgetümmel zu werfen und auf den letzten Drücker Lebensmittel oder Geschenke einzukaufen, sollte man alles möglichst im Voraus erledigen. Die Psychologin rät, sich am Vortag der Feier auszuruhen, um das Fest entspannt und fröhlich angehen zu können.

7. Mahlzeiten einfach halten

Natürlich ist es schön, die Gäste zu verwöhnen. Aber muss das Festtagsmahl unbedingt aus zehn Gängen bestehen und mehrere Stunden dauern? Das bringt im Vorfeld Druck und hinterher Müdigkeit. Ganz zu schweigen von der Enttäuschung, wenn etwas misslingt. Die Lösung: einfache, aber schön präsentierte Gerichte, die die Geselligkeit fördern.

Schön, wenn man sich wieder aufs Fest freuen kann wie damals zu Kindertagen (Bild: pixabay)
Schön, wenn man sich wieder aufs Fest freuen kann wie damals zu Kindertagen (Bild: pixabay).

8. Auf den Wert fokussieren

Ihre Gäste können nur kurz vorbeischauen? «Das ist nicht schlimm, solange sie diese kurze Zeit wirklich gern mit einem verbringen und von Herzen dabei sind. Es ist die Qualität des Zusammenseins, die die Feier verschönert», so Annette Cina.

9. Die Kleinsten befreien

Von einem vierjährigen Kind kann man nicht erwarten, dass es stundenlang mucksmäuschenstill am Tisch sitzt. Bereiten Sie für die Kleinsten ein einfaches Menü zu, damit sie anschliessend spielen können. Noch besser: erst ein Apéro, der die Mägen etwas füllt, dann, noch vor dem eigentlichen Festmahl, die Geschenke. So können die Kinder nach dem Essen die Bescherung geniessen und die Erwachsenen in Ruhe diskutieren.

10. Sich eine Pause gönnen

Das Familientreffen droht trotz aller guten Absichten schiefzulaufen? Sie haben das Recht auf eine Pause. Verlassen Sie das Zimmer und lesen Sie kurz etwas, schauen Sie fern oder gehen Sie an die frische Luft. «Erlauben Sie sich, Abstand zu nehmen, wenn Sie den Wunsch danach verspüren, und kommen Sie etwas später zurück», rät die Psychologin. Dadurch gewinnen Sie wieder die Oberhand über Ihre Gefühle, und in der Regel endet der Tag deutlich besser.» Wenn sich hingegen die Festtagsorganisation als suboptimal herausstellt, ein Braten misslingt oder die Kerzen am Baum nicht recht brennen wollen, fragen Sie sich: Kann ich damit leben, ist das wirklich so bedeutend? Meistens erkennen wir, dass es Wichtigeres gibt.

Annette Cina ist Fachpsychologin FSP am Institut für Familienforschung und Familienberatung in Freiburg

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