18. März 2019

Feedback geben mit Stil

Ärgern ist menschlich. Aber es gibt bessere Wege als Hasskommentare und Cybermobbing, um seiner Wut Luft zu machen. Knigge-Expertin Susanne Abplanalp gibt Tipps.

Feedback unter Arbeitskollegen fiindet am besten unter vier Augen statt (Bild unsplash/Toa Heftiba)
Feedback unter Arbeitskollegen findet am besten unter vier Augen statt. (Bild unsplash/Toa Heftiba)

Viele Leute haben nicht den Mut, ihren Ärger direkt bei der Person anzubringen, über die sie sich aufregen. Also schimpfen sie in den sozialen Medien, oft sogar anonym. Oder sie lassen Dampf ab, indem sie mit Kollegen über jemanden lästern. Doch das verbreitet schlechte Stimmung, und die kritisierte Person erfährt unter Umständen davon und kann sich nicht wehren. Die beste Lösung ist immer, seinen Ärger direkt bei der betroffenen Person anzubringen. Dabei ist es wichtig, sich seine Worte vorher gut zu überlegen und Stil zu bewahren. Am besten hältst Du Dich dabei an die Regeln der Feedbackkultur – so machst Du nichts falsch und hilfst der anderen Person vielleicht sogar, an einer Schwäche zu arbeiten.

1. Erst mal darüber schlafen

Wenn die Wut sehr gross ist, schreib zunächst auf, was Dich geärgert hat – und schlafe eine Nacht darüber. Wenn wir etwas niederschreiben, findet ein grosser Teil der Verarbeitung bereits statt, verraucht der Zorn dadurch. Hingegen hat schon mancher seine impulsive Reaktion nachträglich bereut.

2. Ich-Form verwenden

Verwende keine Formulierungen wie «Man stellt fest ...», «Wir finden ...» oder «Sie machen alles falsch», sondern sag in der Ich-Form, was Dich stört.

3. Konkret sein mit Beispiel


«Gestern beim Frühstück ist mir aufgefallen, dass du Herrn Müller ins Wort gefallen bist.» Dieser Satz ist konkret, und die kritisierte Person kann sich noch an den Vorfall erinnern. Vermeide Pauschalisierungen wie «Immer unterbrichst du ...».

4. Nichts bemängeln, was das Gegenüber nicht ändern kann

Gewisse Eigenheiten sind, wie sie sind. Also nicht: «Man versteht Sie so schlecht, wenn Sie immer stottern.» Besser: «Wenn Sie Augenkontakt aufnehmen und lauter sprechen, kann ich Sie besser verstehen.»

5. Positives erwähnen

Kritik kann man ein wenig abfedern. Zum Beispiel so: «Der humorvolle Einstieg in deine gestrige Rede hat mir sehr gefallen. Ich bin überzeugt, dass du mit einem starken Appell, einem pointierten Abschluss noch mehr Aufmerksamkeit erhalten würdest.»

6. Botschaft mit Wunsch verbinden

Gib einen konkreten konstruktiven Vorschlag zur Verbesserung: «Ich wünsche mir von Ihnen, dass Sie in Zukunft Damen und Herren mit der gleichen Wertschätzung begegnen.»

7. Stil bewahren

Bei öffentlicher Kritik: nichts formulieren, was Du der Person nicht auch persönlich sagen würdest. Fälschlicherweise neigen viele dazu, sich im Internet anonym zu fühlen.

Wenn es um Feedback geht: Frag die betreffende Person, ob sie es auch hören möchte. Es sollte unter vier Augen erfolgen oder in Form eines freundlichen E-Mails. Selbstkritische Menschen lieben es, ernst gemeinte Feedbacks auf hohem Niveau zu erhalten, die sie weiterbringen. Es ist tatsächlich schon vorgekommen, dass der kritische Brief einer Leserin später zu einer Hochzeit mit dem Kritisierten geführt hat ...

Benutzer-Kommentare

Verwandte Artikel

Daniel Dettling

Die Rechtspopulisten haben ihren Zenit überschritten

Bergführerin Ariane Stäubli

Der lange Weg auf den Gipfel

Bänz Friedli (Bild: Vera Hartmann)

Sonntage wie diese

Dislike

Wenn Hassbotschaften zum Rechtsfall werden