30. November 2017

Fantasy mit Frauenpower

Nach einer Reihe ziemlich dröger Superheldenstreifen aus dem Hause DC gelang Regisseurin Patty Jenkins mit «Wonder Woman» ein richtig guter Film mit Herz, Humor und starken Frauen.

Wonder Woman
Hat übermenschliche Kräfte und das Herz auf dem rechten Fleck: Amazone Diana alias «Wonder Woman», gespielt von Gal Gadot. (Bilder: WB / Kay Lembke)
Lesezeit 3 Minuten

Vielleicht sollte man bei Comicverfilmungen öfters mal eine Frau ranlassen. Seit Christopher Nolans Batman-Trilogie (2005-2012) gab es nämlich keine wirklich inspirierte Verfilmung mit Superhelden aus dem Hause DC mehr (also Superman, Batman, The Flash, Green Lantern etc.).

Besonders schrecklich war «Batman vs. Superman: Dawn of Justice» (2016), der nicht nur endlos lang dauert, sondern einen mühsam konstruierten schweren Konflikt zwischen den beiden Superhelden damit löst, dass sie mitten im grossen Duell herausfinden, dass ihre Mütter beide den Namen Martha tragen, worauf sich der Zwist umgehend in Luft auflöst. Zudem (Achtung, Spoiler-Alert) lässt der Film Superman am Schluss sterben, ein unnötiger, billiger Twist, da allen jederzeit klar ist, dass er im nächsten Film natürlich wieder auferstehen wird (siehe «Justice League» , derzeit im Kino, auch lang und, naja, ganz okay, aber wann endlich begreift Hollywood, dass «ein Team von Superhelden rettet die Welt vor ausserirdischen Invasoren, in einem bildgewaltigen endlosen Action-Spektakel» inzwischen nur noch totsterbenslangweilig ist?).

In beiden Streifen tritt Wonder Woman als Nebenfigur auf, doch richtig zur Geltung kommt sie erst in ihrem eigenen Film, mit dem Regisseurin Patty Jenkins dringend benötigten frischen Wind in die Superhelden-Misere bringt. Ihr Geheimnis? Figuren mit Herz und Seele, Humor, ein Drehbuch mit einer glaubwürdigen Geschichte – und starke Frauen. Dazu ein wilder Genremix aus Fantasy, Action, Historien-, Kriegs- und Abenteuerfilm mit einem Schuss Romanze und Emanzipation.

Der Film erzählt, wie aus dem Mädchen Diana (Gal Gadot), Tochter der Amazonenkönigin Hippolyta (Connie Nielsen), die Superheldin Wonder Woman wird. Diana wächst wohlbehütet auf einer vor der realen Welt mittels Magie verhüllten Insel im Mittelmeer auf, die nur von Frauen bewohnt wird. Sie lernt dort alles über die Geschichte ihres Volks und der Feindschaft zum Kriegsgott Ares, und sie lernt zu kämpfen. Das Idyll endet, als der britische Kampfpilot Steve Trevor (Chris Pine) in den Gewässern vor der Insel abstürzt und mit ihm die Realität des Ersten Weltkriegs in das Leben der Amazonen eindringt.

Gegen den Willen von Hippolyta und ihrer Schwester Antiope (Robin Wright) beschliesst Diana, dem wieder aufgepäppelten Steve zu helfen, und begleitet ihn nach London – ausgerüstet mit übermenschlichen Kräften, ungewöhnlichen Waffen und einem für die männerdominierte Welt des frühen 20. Jahrhunderts überaus robusten weiblichen Selbstbewusstsein. Aus dem Zusammenprall der energischen, kampferprobten, aber in Geschlechterdingen sehr unerfahrenen Amazone mit dieser realen Welt, zieht der Film den grossen Teil seines Humors.

Sind bald schon mehr als nur Kampfgefährten: Steve Taylor (Chris Pine) und Amazonenprinzessin Diana.
Sind bald schon mehr als nur Kampfgefährten: Steve Taylor (Chris Pine) und Amazonenprinzessin Diana.

Und der Eintritt von Wonder Woman in den Ersten Weltkrieg kippt die Machtbalance ganz erheblich zugunsten der Briten. Dianas naive Vorstellung, man müsse nur den alten Erzfeind der Amazonen töten, den Kriegsgott Ares, und alles werde gut, scheitert jedoch an der komplizierten menschlichen Realität. Im finalen Kampf macht Ares ihr klar, dass die Menschen von Schwäche, Korruption, Gier und Machthunger getrieben ganz von selbst immer wieder neue Konflikte verursachen, und er ihnen letztlich nur das gebe, was sie eh wollten: Krieg.

Wer also inzwischen die Nase voll vom Superhelden-Genre hat, weil es zu viele zu schlechte Verfilmungen gab und ein Ende nicht in Sicht ist (in den nächsten Jahren wollen DC und Marvel rund zwei Dutzend weitere Kinofilme realisieren, TV-Serien nicht mitgezählt), der sollte für «Wonder Woman» eine Ausnahme machen – erst recht, wenn er oder sie eine Tochter im richtigen Alter hat. Patty Jenkins’ Werk ist mit weitem Abstand der beste Superheldenfilm von 2017, wenn nicht der letzten zwei, drei Jahre.


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