14. September 2017

Familienferien in Lissabon

Reisen mit Kindern sind eine Herausforderung. Lissabon macht es einem leicht, weil ein Hotel im Zentrum der portugiesischen Hauptstadt sich auf Städtereisende mit Kindern spezialisiert hat. Das Migros-Magazin machte den Zwillingstest.

Lissabon ist für Familien immer eine Reise wert
Lissabon ist für Familien immer eine Reise wert (Bild: iStock).
Lesezeit 4 Minuten

Schöne Familienferien sind für mich ________ [bitte vervollständige den Satz mit einem für dich passenden Wort].

Würden alle Migros-Magazin-Leserinnen und -Leser den Satz fertig schreiben, käme eine ellenlange Liste zusammen. So individuell ist die Definition von gelungenen Ferien mit der ganzen Familie. Doch ganz egal für welches Adjektiv du dich entscheidest: In Lissabon wirst du nicht enttäuscht. Die Hauptstadt Portugals bietet Sehenswürdigkeiten, Erholung, zahlreiche Aktivitäten für Kinder und Erwachsene, gutes Essen und Trinken, tolle Architektur, viel Sonne und Meer. Und all das nur knapp drei Flugstunden von Zürich entfernt.

Bei jeder Städtereise ist jedoch die Wahl der Unterkunft vor allem für Eltern von Kleinkindern eine Herausforderung – wie im Fall meiner Familie mit den anderthalbjährigen Zwillinge Bastian und Felix. Nur wenige Hotels bieten Zimmer mit genügend Platz für zwei Zusatzbetten – und wenn, dann werden diese oft zusätzlich berechnet. Ebenso wenig gehören Betreuungsangebote für die Kleinen zum Standard oder die Leihmöglichkeit von Kinderwagen, Schoppenwärmern, Hochstühlen, ganz zu schweigen von zimmereigenen Waschmaschinen, um das Reisegepäck zu entlasten.

In dem neu eröffneten Hotel «Martinhal Chiado» ist alles anders: Das im Lissabonner Stadtteil Chiado gelegene Haus ist nach eigenen Angaben weltweit das erste, das auf städtereisende Familien spezialisiert ist.

Grosse Erfahrung mit Familiengästen

Das Haus gehört dem Schweizer Hotelier Roman Stern, der schon seit mehreren Jahren das Familienhotel «Martinhal Sagres» betreibt, das sich 300 Kilometer südlich von Lissabon in Sagres an der Algarve befindet. Stern sagt, er habe auf seinen eigenen Reisen mit der Familie festgestellt, dass es in Stadtzentren an familienfreundlichen Hotels mangele. Deshalb hat er das bewährte Konzept des «Martinhal Sagres» übernommen und ungefähr vor einem Jahr mitten im pulsierenden Zentrum Lissabons neu belebt. Das spürt man: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind stets unkompliziert und hilfsbereit und kleine wie grosse Gäste gewohnt. Das Hotel ist auf jede noch so spezielle Frage vorbereitet und kann im Notfall sogar mit Windeln aushelfen.

Die Appartements sind familienfreundlich, modern und grosszügig eingerichtet.

Die insgesamt 37 Appartements sind grosszügig angelegt. Platzmangel ist trotz zweier Kinderbetten und Kinderwagen ein Fremdwort. Die Zimmer sind modern und vor allem die Badezimmer kinderfreundlich eingerichtet: Dort stehen ungefragt Schemel, Töpfchen und WC-Aufsatz bereit. Fürs Wohnzimmer gilt das nur bedingt. Tische und Stühle kippten während unseres Aufenthalts bei Kletteraktionen unserer Kleinen zu schnell. Auch die Verpflegung kommt zu kurz: Im hauseigenen Café gibt es zwar leckeres, ausgewogenes Frühstück, Snacks und leichte Mahlzeiten, die auf Wunsch auch aufs Zimmer gebracht werden, aber kein Abendessen.

Kinder sind in Lissabon willkommen

In der «M-Bar» gibts Frühstück und Snacks, aber kein Abendessen.

Das fehlende Znachtangebot ist dennoch kein Problem. Eltern werden vom Concierge erstens gut beraten, und zweitens gibt es fussläufig zum Hotel mehrere sehr gute Restaurants. Allen voran der «Mercado da Ribeira», eine alte Markthalle, die zu einem Foodcourt umfunktioniert worden ist. Sie bietet hervorragende Küche für jeden Geschmack. Bei Eltern von Kleinkindern kann unfreiwilliges Auswärtsessen jedoch zur Herausforderung werden: Nur wenige Restaurants halten mehr als einen Kinderstuhl bereit – und wenn, ist einer davon oft schon besetzt. Deshalb war unser Weg zum «Futtertrog» oft ein recht langer – ein hartes Los für Eltern hungriger Zwillinge.

Freizeit für die Eltern dank Kinderklub

War jedoch das für alle passende Restaurant gefunden, blieben keine Wünsche offen. Die Qualität von Speis, Trank und Service ist überragend. Insbesondere bei Letzterem versuchten sich die Kellnerinnen und Kellner während unseres fünftägigen Aufenthalts gegenseitig darin zu übertreffen, die Kinder zu bespassen, damit wir Eltern das Essen in Ruhe geniessen konnten.

Die Mitarbeitenden des hoteleigenen Kinderclubs bringen die Kinder auf Wunsch sogar zu Bett.

Dank des hoteleigenen Kinderklubs bestand ausserdem jederzeit die Möglichkeit für ein Tête-à-tête: Kinder ab sechs Monaten werden dort von ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zwischen 9 und 22 Uhr betreut und auf Wunsch sogar zu Bett gebracht. Der Kinderklub ist ebenso wie das Frühstück im Zimmerpreis inbegriffen. Dieser hingegen bewegt sich im oberen Segment, ist aber dem Angebot durchaus angemessen: Ein Aufenthalt mit sechs Übernachtungen kostet im «Martinhal Chiado» im Oktober 2017 – je nach Grösse des Appartements – zwischen 1800 und 3200 Euro. Immerhin: An Möglichkeiten, die Ausgaben dennoch niedrig zu halten, mangelt es nicht: Einerseits gibts in jedem Zimmer eine vollausgestattete Küche, andererseits ist das allgemeine Preisniveau in der portugiesischen Hauptstadt kaum halb so hoch wie in der Schweiz.

Das Aquarium in Lissabon ist das zweitgrösste in Europa (Bild: Getty Images).

Neben den zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie dem Torre de Belém und der hügeligen Altstadt mit ihrer kultigen Strassenbahn oder dem traditionellen «Fado» im Alfama-Quartier lohnt sich gerade für Familien ein Besuch des grössten Aquariums von ganz Europa. Es beherbergt unter anderem mehrere Arten von Haien und Rochen, die in einem mit fünf Millionen Litern Salzwasser gefülltem Wasserbecken schwimmen, das um das Gebäude herum angelegt ist.

Spannend, erholsam, kurzweilig, aufregend oder actionreich: In Lissabon sind jede Art von Familienferien möglich.


Die Reise wurde vom Hotel Martinhal Chiado in Lissabon unterstützt.

Benutzer-Kommentare