17. Juli 2017

Europas Wirtschaft befindet sich im Aufschwung

Aber wann verbessert sich die Situation für die Sparer wieder? Die Einschätzung von Christoph Sax, Chefökonom der Migros Bank.

europäische Wirtschaft gewinnt an Fahrt
Die europäische Wirtschaft gewinnt an Fahrt. In der Grafik: Wachstum des Bruttoinlandprodukts gegenüber dem Vorquartal (Quelle: Bloomberg)
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Der Aufschwung in der Eurozone hat sich weiter gefestigt. Die Währungsunion weist zurzeit das höchste Wirtschaftswachstum aller etablierten Volkswirtschaften auf. Im 1. Quartal 2017 resultierte ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) gegenüber dem Vorquartal von 0,6 Prozent. Im Jahresvergleich entspricht dies einem Zuwachs von 1,9 Prozent.

Besonders erfreulich ist, dass die Erholung in der Eurozone nicht einzig von Deutschland getragen wird. Unser nördlicher Nachbar ist zwar ein wichtiges Zugpferd, die Situation hat sich jedoch auch in den meisten übrigen Mitgliedstaaten der Eurozone verbessert. So konnten etwa auch Spanien und Italien ihr Wirtschaftswachstum steigern.

Europas Konsumenten und Unternehmen blicken wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Die Gefahr von politischen Krisen hat sich reduziert, die Auftragsbücher sind – nicht zuletzt dank des Aufschwungs des internationalen Handels – wieder voller. Mit der verbesserten Wirtschaftslage rückt auch die Normalisierung der Geldpolitik in Sichtweite.
Die Europäische Zentralbank (EZB) verfügt über eine Reihe unkonventioneller Massnahmen, mit denen sie der Wirtschaft seit Jahren unter die Arme greift.

Die prominentesten davon sind Negativzinsen und gross angelegte Staatsanleihenkäufe. Beides soll die Investitionstätigkeit der Unternehmen anregen. Wir erwarten, dass die EZB ihre Politik nur zögerlich ändern wird, um den Aufschwung nicht zu gefährden. In einem ersten Schritt wird sie nächstes Jahr ihre Staatsanleihenkäufe etappenweise beenden.

Leitzinserhöhungen werden erst Anfang 2019 zum Thema. Für die Schweizerische Nationalbank bleibt somit vorerst alles beim Alten. Sie kann den Leitzins erst nach der EZB anheben. Täte sie es vorher, hätte dies eine Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro zur Folge, weil die Verzinsung in der Schweiz im Vergleich zur Eurozone attraktiver würde. Für Sparer bleiben die Anlageerträge also weiterhin bescheiden. Sie verbessern sich frühestens 2019 wieder.

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