01. Februar 2019

Essen im Zeichen von Yin und Yang

Ente oder Trockenfleisch? Gurke oder Rosenkohl? Geht es nach der traditionellen chinesischen Ernährungslehre, wirken sich Speisen energetisch gegensätzlich aus: Sie können unseren Körper kühlen oder erwärmen. Ausgewogen essen heisst demnach, die Pole ins Gleichgewicht zu bringen.

Illustration: Essen mit Stäbchen
Für die Chinesen ist die Bekömmlichkeit der Speisen massgebend. (Illustration: Vectorstock)

Für Westler ist im Reich der Mitte in kulinarischer Hinsicht vieles erst einmal gewöhnungbedürftig. Man findet Hühnerfüsse in der Suppe, wird mit übel riechenden fermentierten ­Eiern konfrontiert und fragt sich im Gym, was mit dem Wasserdispenser nicht stimmt, weil er ausschliesslich brühend heisses Wasser ausspuckt. Nicht minder irritiert sind auch die Chinesen, wenn wir zum Frühstück ihren Reis mit Pickles dankend ablehnen und stattdessen eine Smoothie-Bowle bestellen – Müsli, Joghurt, Früchte? Komplett unbekömmlich – und zu viel Yin!

Bekömmlichkeit versus Inhaltsstoffe

Während wir im Westen besonders darauf achten, was in der Nahrung steckt – Vitamine, Ballaststoffe, Proteine, Kohlenhydrate, Fett –, geht es in der chinesischen Ernährungslehre in erster Linie um die Bekömmlichkeit der Speisen: darum, wie der Organismus die Nahrung aufnimmt und verdaut. In China zieht man gekochte Speisen der Rohkost vor, da unser Verdauungssystem weniger Energie für ihre Verwertung braucht.

Ganz fremd ist uns diese Theorie nicht: «Sie entspricht den Grundlagen der westlichen Ernährung vor der ‹Vitaminrevolution› zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als hauptsächlich saisonale, gekochte Speisen wie Eintöpfe auf dem Speiseplan standen», sagt Christine Dam, Dozentin für chinesische Medizin und Ernährungslehre an der Chiway-Akademie in Winterhur.

Den Verlust an verdauungsfördernden Enzymen, die durch langes Kochen zerstört werden, fängt man in China mit enzymhaltigen Beilagen wie Pickles, getrockneten Pflaumen («Huamei») oder Sojasauce auf.

Energetische Wirkung – Essen als Medizin

Für die Chinesen haben Nahrungsmittel zudem eine energetische Wirkung, die unsere Gesundheit beeinflussen kann. Im komplexen System der über 3000 Jahre alten traditionellen chinesischen Medizin (TCM) werden Nahrungsmittel unter anderem nach ihrem Anteil an Yin und Yang klassifiziert: Hat ein Nahrungsmittel einen hohen Yin-Anteil, wirkt es kühlend auf unseren Organismus. Ein hoher Yang-Anteil hingegen sorgt für Wärme.

Es geht darum, wie sich ein Nahrungsmittel in unserem Körper auswirkt, ob es Hitze erzeugt oder ob es sie ausleitet. Man spricht dabei von seiner thermischen Wirkung. Weil etwa heisses Wasser als «yin» (kühlend) gilt, wird es in China selbst bei Gluthitze getrunken.Mittels Nahrung können wir also unser körpereigenes Yin und Yang gezielt beeinflussen: Sind beide Pole im Gleichgewicht, ist der Mensch gesund.

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