11. März 2013

Esoterik, Freikirchen und Scientologen im Vergleich

Die Esoterikerin Jana Haas, der Freikirchler René Christen und der Scientologe Jürg Stettler geben Einblick in ihre Glaubenswelten. Ein Gespräch.

Die Esoterikerin Jana Haas, der Freikirchler René Christen und der Scientologe Jürg Stettler
Drei, die sich Fragen stellen: René Christen von der Freikirche im Prisma, Jürg Stettler von Scientology Schweiz und die Esoterikerin Jana Haas (von links) beantworten die Fragen des Migros-Magazins und erklären ihr Weltbild.

Wie sieht Ihr spirituelles Weltbild aus?

Jana Haas: Ich habe schon in meiner Kindheit die Seelen von Verstorbenen gesehen, später dann Auras und Engel. Ich glaube also nicht, ich weiss. Die Gotteskraft steht über allem, und die Engel zeigen den Seelen den Weg zu Gott. Dies zu schaffen, liegt in unserer Eigenverantwortung. Nach dem Tod werden die meisten Seelen als Menschen wiedergeboren.

Gibt es eine höchste Instanz?

Jana Haas: Ja, Gott als universelle, liebevolle Kraft, von der wir unseren freien Willen erhalten.

Und ein Gegenstück, das Böse quasi?

Jana Haas: Ja, Angst und Aggression, das Gegenteil von Liebe und Vertrauen. Das entsteht aber aus uns selbst und kommt nicht von aussen. Einen Teufel als eigenständige Wesenheit gibt es nicht.

Welches sind Ihre wichtigsten Prinzipien?

Jana Haas: Der Mensch muss Verantwortung für seine Gedanken und Gefühle übernehmen. Er soll immer auch an andere Menschen denken und mit seinem Tun anderen nicht schaden. Alles ist mit allem verbunden. Demut und eine harmonische Lebensführung sind wichtig.

Welche Rituale oder Zeremonien führen Sie regelmässig durch?

Jana Haas: Ich meditiere und bete morgens, und ich mache jeden Abend einen Tagesrückblick, um zu sehen, wo ich noch zu lernen habe.

Wie stellen Sie sich das Leben nach dem Tod vor?

Jana Haas: Beim Sterben tritt die Seele aus dem Körper und geht über in die neutrale Astralwelt, eine Ebene, auf der es auf die eigene Resonanz ankommt. Seelen, die in der Wut verhaftet bleiben, schwingen schwerer, die zieht es in eine untere Astralwelt, eine Ebene voll negativer Emotionen, eine Art selbst gemachte Hölle. Die Seelen, die im Glauben an das Gute nach oben zum Licht sehen, die gehen in eine der sieben oberen Astralebenen. Von der obersten dieser Ebenen aus passiert eine Wiedergeburt. Oder es geht weiter in eine paradiesische Ebene, wo absolute Harmonie und die Lobpreisung Gottes herrscht.

Was braucht es, um an Ihrem Weltbild teilnehmen zu können?

Jana Haas: Die Religion fordert blinden Glauben, die Spiritualität benötigt persönliche innere Erfahrungen und Erlebnisse. Man sollte nach drei Regeln prüfen, was einem begegnet: Ist das, was gesagt wird, für den gesunden Menschenverstand nachvollziehbar? Ist es erleb- und umsetzbar? Berührt es einen mit Zuversicht? Wenn man dreimal Ja sagen kann, dann ist es auch wahr.

Wie stehen Sie jenen gegenüber, die Ihre Vorstellungen nicht teilen?

Jana Haas: Alle Menschen denken anders, es wäre ja schlimm, wenn alle in die gleiche Richtung marschieren würden. Mich interessiert zu erfahren, wie und was mein Gegenüber denkt. Gottes Wahrheit zeigt sich in vielen Wegen, und ich kann daraus eigentlich nur lernen. Mein Wissen gibt mir Sicherheit, ich brauche keine Anerkennung von anderen.

Frau Haas, was halten Sie von Freikirchen und Sekten?

Jana Haas: Das kann ich nur schwer beurteilen, aber alles, was den Menschen unfrei macht, ist Seelenpfuscherei und gefährlich.

Wie beurteilen Sie Sekten und Esoterik, Herr Christen?

René Christen: Esoterik ist ein Versuch, um das Spirituelle irgendwie zufriedenzustellen. Aber eben nur ein Versuch. Sekten sind gefährlich, wenn sie Menschen zu etwas zwingen und deren Bedürfnisse ignorieren.

Und wie stehen Sie zu Freikirchen und Esoterik, Herr Stettler?

Jürg Stettler: Ich finde das ganz interessant. Ich habe auch schon Gottesdienste von Freikirchen besucht. Wir haben zudem gute Kontakte zu einigen Esoterikmagazinen. Allerdings gibt es Bereiche, die ich jenseitig finde. Und einige religiöse Gruppen sind mir zu fundamentalistisch.

Was halten Sie von glaubensfernen Menschen?

Jana Haas: Es gibt Atheisten, die spirituelle Werte wie Mitgefühl, Toleranz, Rücksicht und Nächstenliebe im Alltag besser leben als religiöse Gläubige. Es kommt nicht auf den Glauben an, sondern auf ein gutes Herz.

Wie stehen Sie der Homosexualität gegenüber?

Jana Haas: Wenn es den Menschen guttut und Zuversicht vermittelt, dann ist es für sie richtig. Hauptsache Liebe.

Sehen Sie sich als auserwählt, im Besitz eines besonderen Wissens?

Jana Haas: Ja. Meine Aufgabe ist die Aufklärung, also die Menschen zum Nachdenken zu bringen. Ich glaube aber nicht, dass ich für die Welt von besonderer Bedeutung bin. Aber vielleicht kann ich etwas Gutes beitragen.

Jürg Stettler: Ich sehe mich nicht als auserwählt, etwas Besseres oder Besonderes. Aber jede Religion empfindet ihr Wissen als speziell, und wir wollen unsere Lehre auch bekannt machen. Für mich ist die Aussage von L. Ron Hubbard, dass nur das für einen wahr ist, was man selber beobachtet, die wichtigste Maxime.

Wollen Sie andere zu Ihrem Weltbild bekehren?

Jana Haas: Nein, das würde ich mir nicht anmassen. Es gibt so viele Wege zu Gott wie Menschen auf der Erde.

Bild: René Ruis

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