23. September 2017

Es geht auch ohne

Das Beispiel der pochierten Eier zeigt einmal mehr: Einige Gadgets in der Küche sind schlicht sinnlos.

Pochierte Eier af Toast
Gelingt oft besser ohne PoachPods und Co.: pochierte Eier auf Toast. (Bild: Pixabay.com)
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Wenn man mich fragt, wie ich ein Ei am liebsten esse, dann antworte ich fast immer mit «pochiert». Ein pochiertes Ei ist für mich jedes Mal eine kindliche Freude: der Moment, in dem ich das makellose Eiweiss mit einem Messer anschneide und das flüssige Eigelb sich seinen Weg über den Teller bahnt.
Bevor ich in der Kochschule unzählige Male ganz ohne Hilfsmittel Eier pochieren musste und jedes Ei unter den Argusaugen der Kochlehrerin beurteilt wurde, war ich anfällig für jedes Gadget, das mir das Pochieren in Nullkommanichts ermöglichte. Ganz ohne den vermeintlich ungewissen Ausgang eines Eis, das man einfach ins siedende Wasser gibt.

Ich kaufte in London vor vielen Jahren PoachPods - kleine grüne und rundliche Silikonförmchen, die im Wasser schwimmen und die das Ei ohne Kontakt zum Wasser pochieren sollen. Man fettet sie ein, gibt das Ei hinein und lässt es schwimmen. Bei mir funktionierte das immer nur leidlich, denn natürlich klebte immer ein wenig Eiweiss an der Form. Trotz einfetten. Zum anderen war die Form des pochierten Eis dann doch nicht so hübsch. Es hatte immer einen unschönen Rand, der die Trickserei verriet.
Irgendwann entsorgte ich die Silikonteile – so wie ich schon vor vielen Jahren die Eierkocher für die Mikrowelle entsorgt hatte. Heute lache ich Tränen, wenn ich daran denke, dass ich Anfang der 90er-Jahre dachte, es wäre eine gute Idee, Eier mithilfe eines Plastikbehälters in der Mikrowelle zu kochen. Hat jemals ein Mensch diese Dinger ein zweites Mal benutzt?

Die Low-Budget-Variante für pochierte Eier war noch weniger erfolgreich: Dazu kleidet man ein kleines Schüsselchen mit Frischhaltefolie aus, fettet die Folie etwas ein und gibt das Ei hinein. Dann dreht man die Endstücke zusammen, sodass man ein kleines Paket erhält. Dieses gibt man ins Wasser. Das resultiert dann in einem pochierten Ei, das sich fein säuberlich in jede einzelne Falte der Frischhaltefolie ausbreitet.
Dafür erhält man dann ein pochiertes Ei, das Joseph Beuys sicherlich für museumsreif erklärt hätte. Sicherlich kunstvoll, aber erstens zeitaufwendig und zweitens nicht wirklich schön auf dem Teller. Zudem litt die Struktur der Folie jedes Mal, und so fragte ich vor gut neun Jahren bei einem grossen Folienhersteller nach, ob die Folie überhaupt zum Kochen geeignet wäre. Ich bekam die Antwort, dass die Folie zwar den Kochvorgang überstehe, aber man mir nicht wirklich empfehlen würde, sie für diesen Zweck zu nutzen. Es ist ja auch keine Kochfolie.

Wie so oft im Leben gilt für pochierte Eier: Probieren geht über Studieren, und es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Dabei ist es einfach: Man bringt Wasser in einer Pfanne zum Sieden. Das frische Ei gibt man in ein kleines Schüsselchen und gibt zwei, drei Tropfen Essig dazu. Wenn das Wasser siedet erzeugt man einen kleinen Sturm im Wasserglas – pardon, in der Pfanne natürlich. Das geht mit dem Schwingbesen am besten. Man rührt kräftig, bis ein Strudel in der Mitte entsteht. Dort hinein kippt man vorsichtig, aber doch beherzt das Ei. Durch den Strudel – und den Essig – wird das Eiweiss gebändigt. Ein wenig Verlust in Form von Eiweissfetzen gibt es aber immer. Auch bei Profiköchen.
Nach drei Minuten ist das Ei fertig. Ohne Ecken, Kanten oder sonstige Hinweise auf verwendete Hilfsmittel – und ich kann meiner kindlichen Freude frönen. Wieder einmal zeigt sich: Viele Gadgets in der Küche braucht es nicht. Was wirklich wichtig ist: ein richtig frisches Ei. Mehr nicht.

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