25. Oktober 2017

Erntedank im Garten Eden

Trotz Frost im April und Hagel im Juli sind Hedi und Fredy Zbinden aus Murgenthal AG zufrieden mit dem Gartenjahr. Die meisten Beete sind leergeräumt, Vorratskeller und Gefriertruhe sind voll.

Apfelernte im Garten von Hedi und Fredy Zbinden
Hedi und Fredy Zbinden feiern nächstes Jahr ­Goldene Hochzeit. Die Apfelbäume haben sie gemeinsam gepflanzt.
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Zum Moschten reichts heuer zwar nicht, für ein paar feine Wähen aber allemal.» Sorgfältig reibt Hedi Zbinden (76) den roten Apfel, einen Idared, ab, bevor sie ihn ihrem Mann Fredy (79) ins Kistli packt.

Dass der Frost Mitte April gerade in dem Moment auftreten musste, als die Äpfelbäume in voller Blüte standen, sei Pech gewesen. «Demgegenüber hatten wir Anfang Juli Glück, als ein gewaltiges Unwetter in der Region unzählige Keller füllte und murmelgrosse Hagelkörner vom Himmel fielen», erzählt die Hobbygärtnerin. Der Schaden habe sich zumindest bei ihnen im Rahmen gehalten, vor allem aber hätten die Champagne-Reben, der ganze Stolz ihres Manns, anschliessend nochmals Früchte angesetzt.

Gartenzwerge
Die beiden Gartenzwerge haben das Geschehen immer im Auge.

Hedi Zbinden ist in Murgete, wie Murgenthal von den Einheimischen genannt wird, aufgewachsen. Sie habe schon als kleines Meitli ein eigenes «Bluemebandeli» gehabt. Ein Bluemebandeli? Die Aargauerin nickt, eine «Blumenrabatte». Blumen seien ihre grosse Liebe. «Neben meinem Mann und unseren beiden Söhnen natürlich», fügt sie augenzwinkernd an.

Das Einfamilienhaus der Zbindens stammt aus den 70er-Jahren und liegt direkt neben der Landwirtschaftszone. «Die 11,6 Aren waren uns eigentlich zu viel; beim Kauf hiess es aber: alles oder nichts.» Heute ist das Ehepaar froh: «Was das Obst und das Gemüse betrifft, sind wir Selbstversorger.»

Noch stehen auf den Beeten Endivie, Lollo Rosso und Zuckerhut. «Der Endiviensalat hat ein bitzeli Rost, der kommt in den nächsten Tagen auf den Teller, Lollo Rosso, Zuckerhut und die letzten Randen sind dann achli später fällig», kommentiert Hedi Zbinden. Nüsseler, Wirsing, Rosenkohl und Lauch seien ja eh winterhart.

Endivie, Lauch und Zuckerhut
Liefern bis zum ersten Schnee Vitamine: Endivie, Lauch und Zuckerhut

Kartoffeln dagegen hat sie heuer zum letzten Mal angebaut. Stattdessen will sie künftig mehr Stangenbohnen stecken, die seien wertvoller. Sie gärtnere aber nicht, um zu sparen: «Meine Gross­eltern waren Bauern – ich habe das Pflanzen einfach in den Genen.» Doch nicht nur das Gärtnern, sondern auch das Verwerten: Apfelgelee, Himbersirup, Curry-­Zucchetti, Essig­gurken, Apfelmus – ­alles ­wandert ins Glas. Und was nicht ein­gekocht wird, wird gedörrt oder tiefgefroren.

Arbeitsteilung im Garten

Fredy Zbinden hat sich inzwischen diskret verzogen und sticht eines der leergeräumten Beete um. «Man sollte ja nicht mehr umstechen – aber da ist er ganz alte Schule.» Seine Frau lächelt nachsichtig. Seit seiner Pensionierung ist der ehemalige Fahrlehrer für die gröberen Gartenarbeiten zuständig, worüber sie nicht unglücklich sei.

Bei Zbindens gedeihen nicht nur Gemüse und Obst, sondern auch diverse Blumen. Besonders stolz ist Hedi Zbinden auf ihre über 30 Rosenstöcke. Fünf Stöcke habe sie einst als Zwanzigjährige von ihren Eltern geschenkt bekommen – zwei gibts noch heute: die pinke Queen Elisabeth und die rote Polyantha. Das Ehepaar war lange Mitglied bei den Rosenfreunden und hat Gartenreisen in ganz Europa unternommen. «Alles passé, mein Mann mag keine Rosengärten mehr sehen.» Und abgesehen davon gefalle es ihnen in ihrem eigenen Garten eh am besten.

Und nicht nur ihnen: «Lueget, es Meisli an der Sonnenblume», freut sich die Hobbygärtnerin. Und erzählt von all den Vögeln, die sich jetzt im Herbst an den Samenständen gütlich tun. In der warmen Jahreszeit wiederum seien oft Blindschleichen und Igel zu Gast. Die Nähe zu Feld und Wald hat aber auch Nachteile: So stellt öfters mal ein Dachs den Kompost auf den Kopf. Ein Schnellkomposter aus Plastik soll helfen, das Problem zu entschärfen. Sie habe ja schon Freude an dem schwarz-weissen Kerlchen, aber dass es auch noch alle Buschelifriese ausgegraben habe, habe sie doch getüpft. Buschelifriese? Die Aargauerin übersetzt: «Bartnelken.»

Fredy Zbinden am Umstechen der Gemüsebeete
Fredy Zbinden mags gern ordentlich: Abgeerntete Beete gehören für ihn umgegraben.

«Der Garten ist für uns reine Erholung und pure Freude», wird Hedi Zbinden später bei Kafi und selbstgebackenem Kuchen erzählen. Nichtsdestotrotz würden auch sie nicht jünger. Die Erdbeeren hätten sie bereits aufgegeben: «Da musste ich einfach zu viel jäten.»

So lange es irgendwie noch geht, wollen die beiden aber nicht weg aus ihrem Garten Eden. Und wenn der Tag X kommt, an dem sie in eine Alterwohnung umziehen, weiss Hedi Zbinden jetzt schon, was sie sich für ihren dortigen Balkon kaufen wird: «So ein gäbiges Hochbeet, wie es meine Schwiegertochter hat, für Blumen.» Jetzt aber geniesst das Paar erst ­einmal noch die milde Herbstsonne – der nächste Winter kommt ­bestimmt. 

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