09. Mai 2018

Erdöpfel aus dem Sack

Die Urban Gardener machen es vor: Um eigene Kartoffeln anzubauen, braucht es keinen Garten. Stattdessen wird «geröllelet».

Kartoffeln im Sack ziehen
Kartoffeln lassen sich bestens auch im Asphaltdschungel ziehen (Bild: Tim Gainey/Alamy Stock Photo).
Lesezeit 3 Minuten

Die Kartoffel scheint bei den Balkongärtnern heuer trendy zu sein. Zumindest wurde ich dieser Tage gleich mehrmals gefragt, ob man Erdöpfel tatsächlich auch in Säcken ziehen könne (ja). Und falls ja, ob man dazu auch die Erdöpfel aus dem Supermarkt nehmen könne (jein). Und ob ich gegebenenfalls ein, zwei Tipps zu den verschiedenen Sorten hätte (ja, aber).

Ich selber ziehe meine Erdöpfel ja ganz altmödig im Gartenbeet. Nicht etwa, dass ich nicht trendy wäre, ich habe einfach genügend Platz. Wer jedoch bloss einen kleinen Garten sein eigen nennt oder seinen grünen Daumen auf einem Balkon oder Fensterbrett auslebt, kann die Knollen aber genauso gut in einem Sack halten.

Warum Sack und nicht beispielsweise ein grosser Kübel? Der Sack hat den Vorteil, dass man seine Ränder mit dem Wachstum der Kartoffelpflanzen peu à peu nach oben «röllele» kann. Was in etwa dem Anhäufeln im Gemüsebeet entspricht und den Pflanzen immer möglichst viel Licht garantiert.

Und so gehts

* Der verwendete Sack sollte stabil und vor allem wasserdurchlässig sein. Neben Jute- und sogenannten Reissäcken (gibts im Asialaden) bietet der Handel unter dem Obertitel Pflanzsäcke diverse Modelle an.

* Für Erdöpfel sollte der Sack ein Fassungsvermögen von mindestens 10 bis 15 Litern bieten. Darin finden zwei bis drei Knollen Platz (eine Knolle liefert rund 1 Kilo Erdöpfel).

* Zum Start schlägt man den Rand des Sacks bis auf eine Höhe von rund 20 Zentimetern um und befüllt ihn mit Erde. Kartoffeln haben einen hohen Nährstoffbedarf, 50 Prozent Garten- und 50 Prozent Komposterde gut gemischt, liefern alles Notwendige. Die Knollen werden rund fünf bis sieben Zentimeter tief verbuddelt.

* Wer es pressant hat, lässt die Kartoffeln vorher an einem warmen, hellen Ort keimen. Was man sich aber jetzt, da bereits Anfang Mai, sparen kann.

* Sobald die ersten grünen Blätter keimen, werden die Sackränder um ein paar Zentimeter nach oben gerollt und anschliessend wieder mit der bereits oben thematisierten Mischung aus Erde und Kompost bedeckt. Und so gehts dann immer fröhlich weiter, bis der Sack ganz aufgerollt ist respektive die Erdöpfel reif sind, was nach rund 120 Tagen der Fall sein sollte. Normalerweise wird das Kraut braun.

Und sonst? Kartoffeln mögen zwar ausreichend Feuchtigkeit, aber keine Staunässe. Und sie kommen auch bestens mit Halbschatten zu Rande.

Normale oder Saatkartoffeln?

Nun zur Frage, ob man zum Setzen Saatkartoffeln aus dem Gartencenter oder einfach «normale» aus dem Lebensmittelladen nehmen kann: Ich meine jein. Jein deswegen, weil «normale» Kartoffeln gern mal so behandelt sind, dass sie nicht keimen. Bei Saatkartoffeln ist das genau andersherum: Hier sollen die Kartoffeln möglichst gut keimen.

Andererseits hab ich aber auch schon Erdöpfel, die in meinem Kühlschrank zu treiben begannen, erfolgreich draussen im Garten «ausgesetzt». So oder so finde ich es sinnvoll, wenn die Knollen bio sind – aber auch das ist Geschmackssache.

Welche Sorte solls denn sein?

Will man Wikipedia glauben, gibt es weltweit rund 2000 amtlich registrierte Kartoffelsorten! Hilfreich kann die Überlegung sein, ob du deine Ernte lagern oder gleich essen willst. Und ob du mehr auf Erdöpfelstock oder Gschwellti stehst.

Andererseits kann es auch lustig sein, die Sortenwahl rein nach dem Namen der Erdöpfel zu treffen: Goldsegen, Deodora, Kaiserkrone, Lerche, Röseler ... – tönt doch alles einfach gluschtig! Und geht es darum, Kindern Kartoffeln schmackhaft zu machen, ohne gleich Pommes frites zu servieren, bieten sich die Blauen St. Galler an: blauvioletter Erdöpfelstock, serviert mit knallrotem Ketchup – unschlagbar!

Drum abschliessend noch ein kleiner Gedankenanstoss meinerseits: Wer Erdöpfel im Sack ziehen will, braucht eh nur ein paar wenige Knollen. Warum also nicht eine Tauschaktion mit Freunden/Nachbarn/Bürogspänli lancieren? Ich hätte glaubs noch ein paar Ratten (ja, die heissen wirklich so!) beizusteuern.

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