08. Januar 2018

Er steckt hinter «Schwiizchiste»

Mit seiner Social-Media-Site Schwiizchiste bringt Robin Pickis jeden Tag Zehntausende von jungen Schweizern zum Lachen. Nun spannt er sogar mit dem Schweizer Fernsehen zusammen: Diese Woche geht er mit einer Show online.

Robin Pickis
Robin Pickis mit den Gegenständen, die er für «Schwiizchiste» braucht.
Lesezeit 3 Minuten

Er ist so etwas wie der Klassenclown der Schweiz. Das lachende Publikum sitzt jedoch nicht neben ihm im Schulzimmer, sondern vor den Smartphone-Bildschirmen im ganzen Land. Ein bis zwei Witze postet der Sportstudent Robin Pickis (24) täglich in den sozialen Medien, mehreren zehntausend Leuten gefallen seine Gedankengänge. «Witze» nennt Pickis seine Posts jedoch nicht. Es sind Sprüchli – stets auf Schweizerdeutsch, schwarz auf beigem Hintergrund, umrahmt von rot-weissem Karomuster.

Etwa so:

Ich bin vorher nach langer Ziit wiedermal am Huus vo minere Ex verbiicho und es hedmi automatisch mitem WLAN verbunde. Fazit: Liebi vergaht, WLAN bestaht.

Oder so:

Fründschaft isch wie id Hose brünzle: Alli gsehnts, aber nur du gspürsch d’ Wärmi.

Seine «Schwiizchiste» hat 234 000 Abonnenten auf Instagram und knapp 70 000 auf Facebook.

In Rekordzeit Kultstatus

In der Schule in seinem Heimatkanton Nidwalden sei er tatsächlich der Klassenclown gewesen, erzählt der Sohn einer Holländerin und eines Engländers. Vor rund zwei Jahren schrieb er sein erstes Sprüchli. Das war auf der Studentenplattform Jodel. Seine Seite «Jodel Best-of» erhielt schnell Likes: «Ich war überrascht, wie viele Leute meine Beiträge lustig fanden.»

Bald wurden die deutschen Macher der Studentenplattform auf den jungen Schweizer aufmerksam. Pickis begann, neben dem Sport- und Geografiestudium die Social-Media-Arbeit für Jodel zu machen – mit Erfolg: Die Site steigerte sich von 30 000 auf eine Million Likes.

Anfang 2017 entschied sich Pickis, bei Jodel aufzuhören, um eine eigene Site zu gründen: «Schwiizchiste». «Das war ein grosser Schritt für mich.» Und mit einem Risiko verbunden. Er wusste: Viele Abonnenten würden infolge der Veränderung abspringen. Und tatsächlich verlor er innerhalb von eineinhalb Tagen 15 000 Leute. «Das hat mich sehr mitgenommen.» Doch bereits nach einem halben Jahr hatte er wieder gleich viele Abonnenten wie zuvor. Und die Zahlen stiegen weiter. Robin Pickis erklärt sich seinen Erfolg damit, dass er der Erste ist, der eine frechere, neue Art von Humor veröffentlicht – in Kombination mit einem sauberen Design und Format.

Eine Auswahl von Robin Pickis' «Schwiizchiste»-Sprüchli:

«Die Leute erkennen sich in meinen Sprüchli wieder, sie fühlen sich verstanden.» Er hat zum Beispiel die 19-jährige Eveline erfunden, die nach einem Sprachaufenthalt in Australien ihr Umfeld mit englischen Begriffen nervt. Oder Maximilian, den stinkreichen HSG-Studenten. Die Figuren haben schnell Kultstatus erreicht.

Für das Vergnügen seiner Abonnenten arbeitete Pickis hart. «Pro Tag investierte ich drei bis fünf Stunden in die Site.» Als er einmal für zwei Wochen nach Südamerika reiste, hatte er in einem Nationalpark drei Tage lang kein Internet. «Ich dachte schon, das sei der Tod meiner Site.»

Ein ehrgeiziges Ziel

Robin Pickis verdient mit «Schwiizchiste» noch kein Geld. «Ich möchte auf meiner Site vorläufig keine Werbung platzieren. Und wenn, dann nur sehr ausgewählt.» Er hat längerfristigere Ziele: «Schwiizchiste» soll schweizweit die beste Unterhaltungsmarke auf Social Media werden. Vor Kurzem hat er das Spruchformat «Langenschweiz» gegründet, angelehnt an die Langenscheidt-Duden. Im Stil eines Lexikons erklärt er typisch schweizerische Begriffe – mit viel Humor.

Das nächste grosse Projekt läuft bereits. Nachdem Pickis auf «Schwiizchiste» seine Kurzvideos veröffentlicht hatte, klopfte das Schweizer Fernsehen (SRF) bei ihm an. «Sie fragten mich, ob ich interessiert sei, an einer Webshow mitzuwirken.» Das war er. Er handelte aus, dass die Sendung als Kooperation von SRF und «Schwiizchiste» auftritt. Nun arbeitet Pickis neben dem Studium in einem 80-Prozent-Pensum als Redaktor und Produzent für die Show. Ab 8. Januar ist er dreimal pro Woche auf Youtube mit der Sendung «Zwei am Morge» zu sehen. Die Morgenshow soll junge Leute ansprechen – unterhaltsam, sarkastisch, aber auch ernst. «Ich bin stolz, nach einem Jahr schon so weit zu sein.»

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