20. September 2018

Eltern, macht mal digital!

Jugendliche entdecken die digitale Welt viel schneller als ihre Eltern – dennoch sind die Erwachsenen gefragt, ihnen Medienkompetenz zu vermitteln. Welche Gefahren Social Media birgt, zeigt ein neuer Kinofilm. Doch in «online» stecken auch Chancen, sagt eine Expertin.

Mädchen mit Smartphone
Das Smartphone immer dabei: Für Jugendliche gehören Selfies, Instagram und Co. längst zum Alltag. (Bild: unsplash.com)

Tochter Margot wird vermisst, und die einzige Möglichkeit, sie zu finden, besteht für ihren Vater David darin, ihren Laptop nach Spuren zu durchsuchen. Dies die Ausgangslage des neuen Thrillers «Searching». Die Suche beginnt, und führt den Zuschauer durch sämtliche modernen Kommunikationstools wie Skype, What’s App, Youtube, Facebook, Google, GoogleMaps, Twitter und sogar Überwachungskameras. Sie endet mit der Erkenntnis Davids, dass er keine Ahnung hat, wo seine Tochter ist, und auch, wer sie ist. Geschweige denn, was sie im Internet und auf den sozialen Medien treibt. Es mag wohl vielen Eltern ähnlich gehen: Wer weiss schon, was die eigenen Jugendlichen alles treiben, wenn die Zimmertür zu und Smartphone oder Laptop hell erleuchtet sind?

Risiken sind wenig bekannt
Vorfälle wie im Film gebe es immer mal wieder, sagt auch Rebecca Tilen, Sprecherin der Kantonspolizei Zürich. Darum müsse diese sich in vielfältiger Weise damit auseinandersetzen. Gerade darum seien neue Medien ein zentrales Thema bei der Abteilung Jugendintervention. «Das Bewusstsein für Risiken ist in der Bevölkerung, aber vor allem bei den Jugendlichen, noch viel zu wenig ausgeprägt.»

Eltern müssten gemeinsam mit ihren Kids digitale Medienkompetenz entwickeln. Aber was heisst das? Sobald sich Eltern in neuen digitale Netzwerken zurechtfinden, ist die Jungmannschaft längst zum nächsten Netzwerk gewandert, der digitale Wandel schläft nicht. Gerade darum ist es wichtig, das Thema Medienkompetenz unaufhörlich zu diskutieren. «Der Umgang mit Medien kann nicht abschliessend in einigen Schullektionen gelernt werden. Kinder, Eltern und Lehrer sollten sich bewusst sein, dass er immer wieder thematisiert werden muss», sagt Simone Brunner, Abteilungsleiterin Bildung und Information von Pro Juventute.

Gefragt sind vor allem die Eltern
Es reiche nicht, die Thematik ausschliesslich in der Schule zu behandeln. Zwar ist im Lehrplan 21 das neue Fach «Medien und Informatik» eingeplant, das stellt aber viele Schulen vor Herausforderungen: Lehrer müssen geschult werden, die nötigen Geräte und Lehrmittel vorhanden sein. Es sei wichtig, dass die Kinder neben den Chancen der Mediennutzung auch deren Risiken kennenlernen. Die Reflektion und Diskussion sollte deshalb neben der Schule vor allem auch in der Familie geschehen.

Je besser die Eltern vorbereitet seien, desto kompetenter seien auch die Kinder im Umgang mit neuen Medien, so Brunner. Darum zielen viele aktuelle Projekte – auch des Bundes – speziell auf die Eltern ab, so dass diese wissen, wo sie Hilfe und Informationen zum Thema erhalten. «Eltern erreichen am meisten, wenn sie neugierig und aufmerksam sind. Sie sollen Interesse daran zeigen, was ihre Kinder im Internet tun», sagt Brunner.

Auch heute gebe es noch oft den Reflex, mit Verboten etwas bewirken zu wollen, sagt Brunner. «Es bringt aber viel mehr, mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam ihren Umgang mit Medien anzuschauen, zu diskutieren, und so auf die Risiken aufmerksam zu machen.» So dass es – weder in Hollywoodfilmen, noch im echten Leben – zu vermissten Kindern und aussichtslosen Social-Media-Suchaktionen kommen muss.


Der Thriller «Searching» läuft ab dem 20. September in den Schweizer Kinos.

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