19. Juli 2018

Walliser Hockeystar kocht in Jersey Spaghetti Bolognese

Nico Hischier zählt mit erst 19 Jahren zu den grössten Stars, die das Schweizer Eishockey je hatte. Seit einem Jahr spielt der Walliser bei den New Jersey Devils – und erreichte mit diesen die NHL-Playoffs.

Nico Hischier in Bern
Nico Hischier trainiert im Hochsommer in Bern und lebt dort bei seiner Tante oder Schwester. Das Bild ist allerdings in der Küche der Kommunikationsagentur by the way entstanden.
Lesezeit 4 Minuten

Die Eishockeypause verbringt Nico Hischier diesen Sommer in Bern, wo er bei einer Tante und manchmal bei seiner Schwester lebt, die in der Bundeshauptstadt studiert. «Pause» heisst: von Montag bis Freitag nach Plänen seines Fitnesscoachs Sam Boehringer im Kraftraum trainieren und daneben an der Ausdauer feilen. Der 184 Zentimeter grosse und erst 84 Kilogramm schwere Modellathlet soll nach den Vorstellungen seines Klubs noch Muskeln zulegen – aber nicht zu schnell, damit er nicht an Tempo und Beweglichkeit einbüsst.

Hischier freut sich jeden Sommer auf die Heimat. «Jeder, der ein paar Monate anderswo gelebt hat, weiss um die hohe Lebensqualität in der Schweiz. Sie ist von A bis Z ein super Land.» Klar, Nordamerika sei riesig, habe Strände und coole Städte wie Chicago, New York oder Vancouver. «Aber mir gefällt es in der Schweiz und ihren schönen Altstädten genauso gut.»

Die Ferien verbrachte er in Kroatien, am Gardasee und auf Ischia – zusammen mit Freundin Lorena, einer 19-jährigen Gymnasiastin. Auf ein Bier am Strand oder ein Glas Walliser Weisswein muss der Profisportler übrigens nicht verzichten. Und Grillieren mit Freunden gehört zu seinen Hobbys.

Der weltweit begehrteste Eishockey-Junior

Ab Ende August befindet sich sein Lebensmittelpunkt wieder in New Jersey. Von der nahen Zugstation erreicht er in nur knapp zehn Minuten das neue World Trade Center und damit den südlichen Teil von Manhattan. Der in Naters VS aufgewachsene Hischier lebt seit gut einem Jahr während der Meisterschaft in einer Einzimmerwohnung. Er steht bei den New Jersey Devils unter Vertrag – als einer der jüngsten Stammspieler in der nordamerikanischen National Hockey League (NHL). Der Mittelstürmer mit der Nummer 13 gilt als Schlüsselspieler seines Teams. In seiner ersten NHL-Saison spielte er auf Anhieb alle 82 Partien. Und auch dank seiner 20 Tore und 32 entscheidender Pässe erreichten die «Teufel» die Playoffs der besten Klubs. Erst 2017 debütierte er noch im Juniorenalter in der weltbesten Eishockeyliga. Er war der erste Schweizer, der im Auswahlverfahren als weltweit bester gewählt wurde. 

Nach seinem rasanten Aufstieg von den Junioren des EHC Visp über den SC Bern und die kanadischen Halifax Mooseheads fühle er sich «güet», sagt er nüchtern in breitem Walliser Dialekt. So konzentriert und dynamisch er auf dem Eis spielt, so locker und bescheiden gibt er sich daneben. «Für mich ging in der vergangenen Saison ein Traum in Erfüllung. Ich wollte schon immer in der NHL spielen.»

Nico Hischier, New Jersey Devils Nummer 13
Nico Hischier, die Nummer 13 der New Jersey Devils, spielte in allen 82 Partien der Saison 2017/18 und trug seinem Team 52 Skorerpunkte ein (Bild: Keystone).

Aber ist es nicht hart, von der Freundin, von Familie und Freunden getrennt zu leben? «Das geht schon», antwortet Hischier. «Lorena kommt mich oft besuchen, genauso wie meine Eltern und Kollegen.» Der Profi lebt zwar allein, doch drei Mitspieler wohnen im gleichen Gebäude.

Das Schweizer Eishockey macht bei der Talentförderung einen guten Job: Inzwischen verdienen über ein Dutzend «Eisgenossen» ihr Geld in Nordamerika. Nico Hischier bringt es dank seines Vertrags bis 2020 auf ein Jahresgehalt von 925 000 Franken. «Ich habe mich deswegen nicht verändert», erklärt der Jungstar und Sohn einer Sportlehrerin und eines Versicherungsexperten.

Sein älterer Bruder Luca (23) ist ebenfalls Eishockeyprofi, neu beim HC Davos. Ihm verdanke er seine Karriere. Die beiden begannen in der Tiefgarage mit Hockeyspielen: «Ich wollte stets machen, was Luca macht. Und ich liebe Teamsport.» Peter Baldinger, der Nico bei den Junioren des EHC Visp trainierte, sagt über den Ex-Spieler: «Er war ein äusserst kollegialer und lernhungriger Spieler. Bestens in Erinnerung habe ich Nicos koordinative Fähigkeiten.» So schaffte er bereits als Achtjähriger einen Salto vom Drei-Meter-Sprungbrett. 

Beim Italiener erkannt

Er und seine drei Nachbarn und ­Mitspieler kochen manchmal gemeinsam: «keine Drei-Sterne-Menüs, aber Spaghetti Bolognese oder selbstgemachte Pizzas». Ab und zu isst das Quartett in Steakhouses, Sushi-Läden oder bei einem Italiener in New Jersey. Dort wurde der Hoffnungsträger der Devils auch schon erkannt und auf sein Talent angesprochen. Sonst könne er sich anonym bewegen, ­obschon die amerikanischen Sender alle Ligaspiele live übertragen.

Der junge Mann bezeichnet den Wechsel in die USA im Rückblick als «richtige Entscheidung». Anlaufschwierigkeiten hatte er kaum. Viel herausfordernder war es damals, mit 15 das Elternhaus zu verlassen, um beim SC Bern zu trainieren. Seine grössten sportlichen Ziele sind der Gewinn des Stanley Cup, der wichtigsten Eishockeytrophäe der Welt – und Erfolge mit der Schweizer Nati. Beides in derselben Saison zu erlangen, fällt jedoch selbst ihm schwer: Wenn er dazu beiträgt, dass die Devils in den NHL-Playoffs um den Titel spielen, ist die Eishockey-WM schon (fast) vorbei.

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