Leser-Beitrag
18. Juni 2018

Eintauchen in die Stille

Hoffentlich «nur» eine Geschichte unter dem Eindruck der Sommerhitze, von Leser Florian Riner.

Ruhe? Vielleicht unter Wasser
Ruhe? Vielleicht unter Wasser ...
Lesezeit 2 Minuten

Die Pumpe rört sachte, filtert Gräser und Haare aus dem Wasser, pumpt Sauerstoff in den kleinen Pool. Der gezimmerte Holzaufgang erleichtert den Ein- und Ausgang. Für die Hunde.
Die grüne, hohe Hecke kühlt paradiesisch ab. Bambus, umrandet von weitem Sandboden, zaubert orientalischen Flair herbei. Exotische Musik aus dem Internetradio rundet die Stimmung ab.

Kindergezeter, lachende Stimmen, das Zurückschnellen der Sprungbretter. Das nahe Freibad beschallt mit der ihm eigenen Geräuschkulisse.

Startende Flugzeuge fliegen tief ihre Destination an. Vierstrahlige Riesenflieger übertönen selbst die vorbeirasenden Autos und Lastwagen, unten an der Hauptstraße. Am Wochenende «cruisen» dort immerhin amerikanische Vielzylinder vorbei und ebenso lautstark asiatische, hochgetunte Zweiräder.
An die stündlich vorbeiratternden Güterzüge vom Hang gegenüber hat man sich schon längstens gewöhnt.

In der Siedlung, verbaut mit mehrheitlich Einfamilienhäusern, rattern die Rasenmäher und ihre benzinfressenden Mitläufer im Minutentakt.

Hans und seine Hund genießen den heißen Sommer im Planschbecken. Die Jungs bellen ab und zu. Freudig, vor dem Sprung ins kühlende Nass. Schwimmbadkulisse, Jets, Autos und Grasmäher überhören sie.

Hans hat sich erkundigt. Seine Vierbeiner bellen keine halbe Stunde am Tag. Mit dem Handy mass er die Geräuschtiefe. Am nahen Gehweg bellen die Haustiere mit fünfzig Dezibel. Die Laute der Umgebung ergeben ein Vielfaches seiner Lieblinge.

RUHE, ist endlich RUHE!

Schreit es mit gefühlten hundertzwanzig Dezibel aus der Nähe. Pfeifende, singende Vögel, summende Bienen, die ganze Natur erstarrt vor Ehrfurcht. Keine Viertelstunde nachdem der Gärtner aus der Nachbarschaft den Laubbläser abgestellt hat, schreit er sich den Frust aus der Kehle. Seit Wochen, Gespräche nützten nichts. Bahnt sich da ein Nachbarschaftsstreit an? Hans weiss nicht, woran es liegt.

Um einem Streit auszuweichen, schnürt er seinen Lieblingen täglich einen Maulkorb an, vermeidet jegliche Diskussion oder jeden Blickkontakt. Aus dem kleinen Garten strömt eine Leere.


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