13. September 2017

Einfach und luxuriös in Tokio

Die Hauptstadt Japans muss nicht zwingend teuer sein. Wir zeigen Alternativen.

Tokio Shibuya
Shibuya, ganz in der Nähe des gleichnamigen Bahnhofs, gehört Tag und Nacht zu den geschäftigsten Stadtteilen von Tokio.
Lesezeit 6 Minuten

Tokio, so heisst es, gehört zu den zehn gefährlichsten Städten der Welt - für das Portemonnaie. Die Gourmetmetropole, die flächenmässig grösser als der gesamte Kanton St. Gallen ist, präsentiert sich in der Realität allerdings überraschend preiswert. Das zeigt sich bei der Ankunft am Flughafen Narita noch nicht so sehr, denn die rund eine Stunde dauernde Fahrt mit dem «Skyliner» ins Zentrum (Stadtteile Shinjuku oder Shibuya) kostet 2470 Yen oder umgerechnet 22 Franken. Dafür ist das Wi-Fi im Schnellzug kostenlos.

Einen wesentlichen Einfluss auf das Budget hat die Anreise ab der Schweiz: Turkish Airlines bietet preiswerte Verbindungen ab Zürich via Istanbul nach Tokio an (Retourflüge ab 800 Franken). Das Produkt der türkischen Fluggesellschaft gehört zu den besten in der Branche.

Im Hotel Fukudaya schläft man preiswert und im japanischen Stil.

In der Stadt selbst gibt es unter www.japaneseinngroup.com zahlreiche preiswerte und familiengeführte Hotels, wo die Nacht im Doppelzimmer umgerechnet rund 110 Franken kostet. Noch günstiger sind die japanischen Familienpensionen Minshuku (Nacht ab 60 Franken). Ich habe das Hotel Fukudaya in Shibuya ausgewählt. Es liegt ruhig und zentral. Allerdings ist es nicht jedermanns Sache, im japanischen Stil am Boden zu schlafen. Störend war, dass der Besitzer im Parterre rauchte und der ganze Rauch bei offenem Fenster ins Zimmer drang.

Shibuya vor dem gleichnamigen Bahnhof, gesehen von der Starbucks-Filiale im 1. Stock

Gehen wir auf Entdeckungsreise von Tokio! Dazu schlendern wir vom «Fukudaya» zu Starbucks vor dem Bahnhof Shibuya. Die dortige Filiale der Cafékette aus Seattle ist bekannt für die super Aussicht auf eine der geschäftigsten Strassenkreuzung in der japanischen Hauptstadt - vom 1. Stock. Es wird geschätzt, dass zur Stosszeit an der «Shibuya Ekimae Kosaten» bis zu über 10 000 Menschen gleichzeitig die Strasse kreuzen - ein überwältigendes Schauspiel und ein Weltrekord. Auch abends um 22 Uhr sind die Strassen voller Autos, die Trottoirs voller Passanten.

Unterwegs stehen zahlreiche Nudelshops (Udon und Soba) zur Auswahl: Mahlzeiten kosten ab rund vier Franken. Die Preise von Sushi auf dem Laufband starten bei knapp einem Franken für zwei Stück, die Getränke aus den Automaten kosten ähnlich wenig. Aber klar: Im Viertel befindet sich auch die Austernbar Ostrea, wo Champagner offeriert wird. Dafür muss man richtig tief in die Tasche greifen.

Obwohl es nicht gerade den Anschein macht: Man findet sich im Bahnhof Shibuya schnell zurecht. Ansonsten helfen einem die freundlichen Japaner gern - wenn sie des Englischen mächtig sind.

Nach diesen ersten Eindrücken am Abend kehren wir am nächsten Tag zum Bahnhof Shibuya zurück und kaufen uns einen Metro-Tagespass für umgerechnet gut sechs Franken. Wir fahren nach Roppongi, das auch als Ausgangsviertel bekannt ist. Unser Ziel ist jedoch die Aussichtsplattform der Roppongi Hills im 53. Stock, die 1800 Yen oder rund 16 Franken kostet, was deutlich preiswerter ist, als die Aussicht vom 634 Meter hohen «Skytree». Roppongi Hills hat noch einen weiteren Vorteil: Dort oben befindet sich das Kunstmuseum «Mori Arts Center» (Eintritt gratis). Roppongi Hills ist eigentlich eine Stadt innerhalb der Stadt, denn der 2003 eröffnete Gebäudekomplex umfasst Büros (vor allem aus dem IT- und Finanzsektor), Appartements, Geschäfte und Restaurants.

Aussicht vom 53. Stockwerk der Roppongi Hills

Wir fahren weiter zum nobelsten Viertel von Tokio, nach Ginza, mit den teuren Geschäften. Seit dem späten 19. Jahrhundert, als Ginza der erste modernisierte Bereich in Tokio wurde, gab es dort immer die neusten Läden und Restaurants. Aber auch hier wieder besteht in der Shoppingmeile die Möglichkeit, den hohen Preisen auszuweichen: Im neuen Einkaufszentrum «Ginza Six» breitet sich auf dem Dach eine Aussichtsplattform aus, die zum Spazieren einlädt. Kinder erfreuen sich an einem Planschbecken. Der Zugang ist kostenlos.

Neu, modern und trendig: Das Dach von «Ginza Six» lädt zum Erholen von der geschäftigen Stadt ein.

Ganz in der Nähe befindet sich die wohl feinste Adresse in einer der saubersten Hauptstädte der Welt: das Hotel Peninsula mit 314 Zimmern und Suiten. Und tatsächlich kostet die Nacht hier mindestens 500 Franken - Internet inklusive, Frühstück exklusive. Dafür ist der Service perfekt, das Haus privilegiert situiert, denn vor dem Hotel dehnen sich die Gärten und der kaiserliche Palast aus. Das Jogging entlang des Wassergrabens gehört zu den schönsten Orten, um sich sportlich zu betätigen. Das wissen auch die Einheimischen.

Die wohl beste Adresse in Tokio: ein Deluxe-Zimmer im «Peninsula».

Und wenn man schon an einem solch schönen Ort ist, sollte man sich auch das Abendessen im Restaurant Peter gönnen. Der Name ist eine Ehrerweisung an den Glarner Peter C. Borer, den Chef der luxuriösen Peninsula-Gruppe mit Sitz in Hongkong. Die Überraschung im 24. Stock des Spitzenrestaurants mit moderner Küche und beeindruckender Aussicht auf die kaiserlichen Gärten und den Hibiya-Park: Mit dem Château Mercian steht auf der Karte ein japanischer Wein, dessen Trauben am Fuss des Mount Fuji wachsen.

Das «Peninsula Tokyo» ist privilegiert gelegen (im Bild das Gebäude in der Mitte).

Wenn schon vom Essen die Rede ist: Tokio zählt zu den Städten mit einer besonders hohen Anzahl an Michelin-Sterne-Restaurants. Und in diesen Lokalen - wie auch in Europa - wird das Essen richtig teuer. Doch die Stadt ist voller preiswerter Alternativen: Rund zehn Minuten vom Hotel Peninsula entfernt, befindet sich das Lokal Miyashin (im Viertel Ginza, 7-2 Ginza Chuo, 2. Stock, Tel. 03-3569-2067). Dabei handelt es sich um ein einfaches Yakitori, was die japanische Variante von grilliertem Fisch-, Fleisch- und Gemüsespiesschen ist. Im Miyashin, wo die Einheimischen zwischen dem Verzehr der Mahlzeiten rauchen, überzeugen die Hühnchenspiesse. Der Concierge im «Peninsula» kümmert sich um die Reservation; das einfache Restaurant unterhält keine Homepage.

Essen wie die Tokioer: im Miyashin in der Nähe des Nobelhotels Peninsula

Zu den spannendsten Ecken Tokios zählt neben dem Ueno-Park mit seinen Museen die Takeshita-dori-Fussgängerzone von Harajuku - vollgepackt mit hippen Boutiquen, schrägen Accessoire-Läden und trendigem Jungvolk, das von einem Laden zum nächsten schlendert. Wir reisen auch hier wieder mit der U-Bahn an und staunen, wie anders sich dieses Stadtbild präsentiert. Es erinnert ein wenig an die Pariser Champs-Elysées und wirkt gerade am Sonntagnachmittag einladend. Zur Zwischenverpflegung haben wir das Thai-Restaurant «Kaffir Lime» (6-1-5, Jinguumae, Shibuya-ku, keine Homepage) ausgewählt, wo man zu zweit mittags inklusive Getränke rund 50 Franken bezahlt.

Sonntagsbummel in Harajuku

Nur wenige Gehminuten von Harajuku entfernt, befindet sich der Meiji-Jingu-Schrein, der grösste seiner Art. Er zeigt eine ganz andere Seite Japans: Die weitläufige, 1920 gegründete Anlage, zu Ehren des 122. japanischen Kaisers Meiji und seiner Gemahlin Shoken errichtet, ist eine Oase der Ruhe, ein mehr als 70 Hektar grosses bewaldetes Gelände mit rund 100 000 Bäumen aus aller Welt. Am Sonntag finden in diesem Shinto-Schrein oft auch traditionelle Hochzeiten statt - bei Touristen ein beliebtes Fotosujet. Diese sollten sich allerdings dezent im Hintergrund aufhalten. Shinto gilt als Japans älteste Religion und ist tief verwurzelt im japanischen Leben.

Eine Oase der Ruhe: der Meiji-Jingu-Schrein.

Der Kreis schliesst sich: Wir fahren zurück in die Nähe des Ausgangspunkts, nach Shibuya, und besuchen die rund 100 Jahre alte Bierbrauerei Yebisu, die ein interessantes Museum und selbstverständlich einen Degustationsraum hat. Zumindest in den Augen des Autors gehört das Yebisu-Bier im Land des Sakes zu den schmackhaftesten.

Die Bierbrauerei Yebisu beheimatet ein interessantes Museum. Gleich nebenan hat man die Möglichkeit, japanisches Bier zu verkosten.

Aber auch wer keine Lust auf Bier hat, sollte diesen Teil Tokios erkunden, befindet sich doch mit Yebisu Garden Place ein interessantes Einkaufszentrum, neben historischen Gebäuden. Yebisu Garden Place ist noch aus einem anderen Grund bekannt: Der 72-jährige französische Starkoch Joël Robuchon betreibt hier hinter den Fassaden eines Bordeaux-ähnlichen Schlosses ein Michelin-Restaurant mit drei Sternen, dessen gepfefferte Preise in der Vitrine allerdings abschreckend wirken.

Yebisu Garden Place: Im schlossähnlichen Gebäude im Hintergrund ist das Drei-Sterne-Michelin-Restaurant von Joël Robuchon untergebracht.

Es gäbe noch so viel über Tokio zu berichten, etwa über die bunten Strassenstände und Snackbuden im traditionellen Viertel Asakusa oder über die Elektronikmeile Akihabara, wo Roboter der Zukunft zu sehen sind und Anime-Fanatiker hinpilgern. All dies soll nur eins verdeutlichen: Tokio ist voller Kontraste.

Ein Tipp: Wer mehr über Japan erfahren möchte, kann dem Autor im Hotel Hasenberg oberhalb von Berikon-Widen AG am Sonntag, 17. September, ab 12.15 Uhr, zuhören. Das Menü dazu kostet inklusive Apéro 88 Franken (sofort unter reservation@hotel-hasenberg.ch reservieren). «retowild» gibt es auch auf Instagram!

Autor und Japan-Fan Reto E. Wild gönnt sich in der Nähe des Meiji-Jingu-Schreins ein Grüntee-Eis, ein Muss auf jeder Reise ins Land der aufgehenden Sonne.

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