14. August 2017

Einfach mal ausspannen

Bänz Friedli hat sich in kurzen Hotelferien tipptopp erholt – im zweiten Anlauf. Hier kannst du dich mit ihm oder anderen Leser(inne)n austauschen.

Im Hotelzimmer
Im Hotelzimmer: Es sieht erholsam aus, aber ...
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Ein paar Tage Ruhe suchte ich, wollte lesen, nachdenken, Waldläufe machen. Und die Seesicht aus dem Hotelzimmer war prächtig. Im Zimmer neben mir, östlich, waren zwei Fussballprofis eines luxemburgischen Vereins untergebracht, offenbar im Trainingslager. Auf der westlichen Seite das ungleiche Ehepaaar. Sie auffallend braun gebrannt, er älter. Um nicht zu sagen: viel, viel älter als sie. Kahlkopf, Seglerkleidung der Sorte teuer, aber geschmacklos. Schliesslich über mir: drei Girls auf Ferienreise. Dies die Ausgangslage. Und vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass das Hotel dünnwandig war.

Beginnen wir mit den Fussballern. Beide Westafrikaner, französischsprachig, fromme Muslime. Sie beteten mehrmals täglich gen Mekka. Und ich will den jungen Männern ja nichts unterstellen, aber ob das nun noch gebetet war oder ob, was sie skandierten, bereits politische Parolen waren – man möchte es lieber nicht wissen. Jedenfalls taten sie es: laut. Danach liessen sie Rap laufen, lauten Rap, und rappten noch lauter mit.

Die jungen Frauen im oberen Stock? Zeigten sich zwar gern in Sportkleidern in der Lobby, steuerten jedoch stets stracks die Bar an, wo sie bis spätabends sitzen blieben. Ihr Sport: Kampftrinken. Ich hätte es freilich befürwortet, sie wären noch länger an der Bar verweilt, dann hätte ich wenigstens ein bisschen schlafen können. Denn sobald sie wieder im Zimmer waren, giggelten, quasselten und kreischten sie wild durcheinander, liessen dazu die halbe Nacht irgendwelche TV-Sender laufen.
Und kaum hatten sie endlich Ruhe gegeben, begann bestimmt nebenan einer der Fussballrapper schon mit dem Frühgebet. Der andere, deutlich hörbar, schnarchte noch.

Aber vergessen wir das Ehepaar nicht! Ungleich, wie gesagt. Bei ihnen, im Nebenzimmer Richtung Westen, rund um die Uhr ein rhythmisches Schnauben, Knurren und Brummen seinerseits, das ich nicht auf Anhieb zu deuten wusste. Nicht wirklich Laute der Lust, mehr des Bemühens und der zunehmenden Verzweiflung. Von ihr zwischendurch ein beschwichtigendes Japsen: «It’s okay, baby», das klang wie «Lass gut sein, es muss ja nicht jedes Mal …». Er aber bemühte sich geräuschvoll weiter.
Die Details gehen mich nichts an, ich fragte mich einzig, warum man das eigentlich «miteinander schlafen» nennt, wenn dabei solcher Lärm entsteht?

Doch, doch! Ich habe mich prächtig erholt. Aber erst nachdem ich morgens um halb drei, im Pyjama, an die Réception geschritten war und dem Nachtportier klargemacht hatte, ich bräuchte umgehend ein anderes Zimmer. Es hatte keine Seesicht. Aber das war mir so was von egal. 

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