15. Oktober 2017

Einfach gut essen in Frankreich

Die Foodexpertin zeigt sich von meist nicht exquisit, aber durchs Band gut gemachtem Essen in Provinzrestaurants angetan.

Einfach gut essen in Frankreich
Lesezeit 2 Minuten

Eigentlich wollte ich nur etwas über ein einfaches Restaurant in Frankreich schreiben. Kein besonderes Restaurant, das in den Restaurantführern, die Hauben und Sterne verteilen, eine Erwähnung findet. Doch Restaurants wie dieses kleine in Laon, einer Kleinstadt, deren touristischer Anziehungspunkt die Kathedrale ist, sind viel mehr als kleine Restaurants - sie sind Ausdruck französischer Kultur. Hier gehen die Anwohner mit ihren Kindern essen, bei gutem Wetter halten einige ein Schwätzchen mit dem Patron draussen.

Was mir immer wieder auffällt: Die Standards der französischen Küche werden hier - abseits der kulinarischen Hotspots Paris und Lyon - souverän gemeistert. Und während man in der Schweiz schon gezielt nach Nose-to-Tail-Restaurants suchen muss, servieren nicht wenige Restaurants Kutteln oder auch geröstete Markknochen als Standard.
So freute ich mich vor ein paar Wochen riesig, als ich wieder einmal Markknochen auf der Karte sah. Als Entrée.

Ich bekam einen waagrecht aufgeschnittenen Knochen, keine Scheiben. Danach muss man selbst bei vielen Metzgern suchen oder ihn extra bestellen. Herrlich cremig das Innere, dazu Meersalz in einem kleinen Schälchen sowie eine Salatbeilage. Im Grunde hätte mir das schon gereicht, aber ich wusste nicht, dass die Portion so grosszügig bemessen war. Als Hauptgang Nieren für mich - auch die tadellos zubereitet, wenn auch optisch weniger ansprechend als der Burger mit Pommes frites meines Gegenübers.

Ein anderes Mal landeten wir in Charleville-Mézière auf dem Hauptplatz der Stadt. Normalerweise würde ich Restaurants an diesen Plätzen meiden, doch hier treffen sich Einheimische auf einen Aperitiv, urbane Städter würden da glatt vom After-Work-Club reden.
In einer Bar nahmen wir einen Pastis, schlenderten weiter und entschieden uns für ein Restaurant mit kleiner Karte. Das Tatar war handgeschnitten - nicht gewolft - und sehr gut gewürzt. Dazu Kartoffelspalten und etwas Salat. Das ist sicherlich nicht die Krönung der Küchenkunst, und es geht sicherlich raffinierter. Doch darum gehts nicht.

Es geht um einfaches, gutes Essen. In diesen Restaurants gibts nicht Dreierlei vom Kohlrabi mit Fenchelschaum. Das hat zwar ebenso seine Daseinsberechtigung, denn von den Eskapaden der grossen Handwerker in der Küche profitieren auch wir, wenn das Ganze auf ein bodenständiges Niveau gebracht wird.
Aber ganz oft möchte ich einfach nur gut essen. Dann verzeihe ich sogar ein Blatt Peterli und die Tomate als obligatorische Deko.

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