22. Januar 2018

Eine sackstarke Idee

Die Migros macht einen Grossteil ihrer Produkte selber – und begann damit schon Ende der 20er-Jahre. Aber auch bei Verpackungen setzte sie früh auf Unabhängigkeit.

Kartonschachteln und Papiertüten für die Migros: die Werkhalle der Firma Sabina in den 30er-Jahren, Quelle: MGB-Archiv
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Wer durch eine Migros-Filiale geht, ist umgeben von Produkten der M-Industrie – seien es nun frische Brote, Käse, Ice Tea, Glace oder Kosmetikartikel. Doch wie kam die Detailhändlerin eigentlich dazu, ihre Produkte selber zu machen?

Als Firmengründer Gottlieb Duttweiler ab 1925 mit seiner Geschäftsidee erste Erfolge feierte, versetzte er die Konkurrenz in Panik. Gute und günstige Produkte für alle? Das durfte nicht sein! Etablierte Ladenbesitzer, Produzenten und auch Behörden bildeten eine Allianz gegen das junge Unternehmen, das den Schweizer Detailhandel aufmischte. Unter anderem sollte die aufstrebende Migros mit Lieferboykotten ausgebremst werden.

Doch so leicht liess sich Dutti nicht aufhalten: Als Antwort auf die Boykotte begann er bereits ab 1928 damit, eigene Produktionsbetriebe zu kaufen oder aufzubauen. Es war die Geburtsstunde der M-Industrie.

Weniger bekannt: Nicht nur bei Produkten, sondern auch bei deren Umhüllung hatte die Migros anfänglich mit Boykotten zu kämpfen. Die Hersteller von Verpackungsmaterial wollten Duttis Unternehmen zeitweise keine Kartonschachteln mehr liefern. Duttis Reaktion: 1934 gründete er die Genossenschaft Sabina – einen Zürcher Betrieb, der von der Papiertüte bis zum Früchtekarton unterschiedlichste Verpackungen für die Migros herstellte. Nicht nur bei den Produkten, sondern auch bei deren Hülle setzte das Unternehmen also früh auf Unabhängigkeit.

Heute kämpfen die Verpackungsingenieure der M-Industrie längst nicht mehr gegen Boykotte. Stattdessen finden sie clevere Lösungen, um Verpackungen immer umweltfreundlicher zu machen – zum Beispiel indem sie Materialmenge und Gewicht reduzieren.

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